In Grimma sieht man das anders. In der Psychosozialen Kontakt- und Beratungsstelle (PSKB) „Ankerplatz“ der Diakonie Leipziger Land öffnet jeden Dienstag eine kleine Reparaturwerkstatt ihre Türen.
Unter Anleitung von Heilpädagogin Henriette Kurth wird hier gestopft, geflickt und genäht. Auf dem Tisch liegen Garnrollen und Scheren, dazwischen die obligatorischen Kaffeetassen. Die Atmosphäre ist entspannt: Es wird geplaudert, gelacht, manche schauen einfach nur zu.
„Ich bin gern hier, es ist eine schöne Gemeinschaft“, sagt eine Besucherin. „Man hört auf zu grübeln, kommt raus und auf andere Gedanken.“ Sie flickt gerade einen Reißverschluss – Dienstkleidung der benachbarten Diakonie-Sozialstation, die hier ebenfalls reparieren lässt. Auch die Gäste selbst bringen ihre eigenen Kleidungsstücke mit „Kleine Reparaturen können oft viel retten“, erklärt Henriette Kurth. „Wir möchten die Menschen befähigen, es selbst zu tun.“ Vorkenntnisse braucht dafür niemand: Kurth zeigt bei Bedarf, wie ein Flicken angenäht wird oder was den Blankett- vom Überwendlich-Stich unterscheidet – Wissen, das heute immer seltener weitergegeben wird.
Nachhaltig leben, Geld sparen und nebenbei Gemeinschaft erleben: Die Werkstatt vereint vieles auf einmal. Sie findet dienstags von 11 bis 12 Uhr im Kontaktcafé statt, eine Anmeldung ist nicht nötig. Der „Ankerplatz“ in der Grimmaer Karl-Marx-Straße 17 richtet sich an Menschen mit psychischen Erkrankungen und bietet Austausch, Bewegung, Kreativität und Beratung – kostenfrei und offen für alle.
Kontakt: Tel. 03437 9829798 oder 01573 0252248,
pskb@diakonie-leipziger-land.de