Jede dritte Probe überschritt den europäischen Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter – den Wert, den die EU bereits 1991 in ihrer Nitratrichtlinie festgelegt hat . Besonders hohe Belastungen fanden die Experten in Klinga (138 mg/l), Falkenhain (91 mg/l), Thammenhain (90 mg/l) und Burkartshain (81 mg/l). Aber auch in Hohburg (72 mg/l), Altenbach (62 mg/l) und Wurzen selbst (60 mg/l) lagen die Werte deutlich über dem erlaubten Grenzwert .
„Die bisherigen Messwerte zeigen, dass die ständigen Änderungen bei den Düngeregelungen nicht dazu beigetragen haben, die Nitratbelastung erfolgreich zu reduzieren“, sagt Harald Gülzow, der das Projekt Brunnenwasseruntersuchungen beim VSR-Gewässerschutz koordiniert. Seit fast 35 Jahren ist Deutschland verpflichtet, die EU-Vorgaben umzusetzen – passiert ist wenig. Kritiker sehen in den häufigen Gesetzesänderungen vor allem den Versuch, Verurteilungen durch den Europäischen Gerichtshof zu entgehen, statt das Problem wirklich anzugehen.
Erschwerend kommt hinzu: Die sogenannten „Roten Gebiete“, in denen von 2022 bis 2025 strengere Düngeauflagen galten, wurden inzwischen wieder aufgehoben. Das Bundesverwaltungsgericht hatte die Kriterien für ihre Ausweisung als zu ungenau bewertet – woraufhin alle Bundesländer die Schutzgebiete abschafften . „Wir sind fassungslos, wie schlampig die Umsetzung der Nitratrichtlinie angegangen wird“, kritisiert Gülzow.
Für den Experten ist klar: Es braucht ein Bündel an Maßnahmen. Allen voran fordert der VSR-Gewässerschutz die Pflicht zum Anbau von Zwischenfrüchten – also Pflanzen, die nach der Ernte auf dem Feld wachsen und verhindern, dass Regenfall die verbliebenen Stickstoffreste ins Grundwasser spült. Gerade im Kreis Leipzig, wo 89 Prozent der Landwirtschaftsflächen Ackerland sind, ist das Risiko der Nitratauswaschung besonders hoch. Im Winter ohne Bodenbewuchs ist die Gefahr am größten. Auch Agroforst – die Kombination aus Landwirtschaft und Bäumen auf denselben Flächen – könnte helfen, Stickstoff in der Tiefe zurückzuhalten.
Bis Ende November können noch Wasserproben per Post eingeschickt werden. Infos gibt es unter vsr-gewaesserschutz.de/regionales/sachsen/kreis-leipzig