Wurzener Verein wirdfür Demokratiearbeit ausgezeichnet
Netzwerk für Demokratische Kultur erhält Julius-Rumpf-Preis /Laudator Thierse kritisiert geplante Förderkürzungen

Ex-Bundespräsident Wolfgang Thierse mahnte, für die demokratische Kultur im Land sei das Gespräch mit den Nachbarn, Kollegen, Verwandten entscheidend. Foto: Hauke Klensang, NDK
Wurzen. Das Netzwerk für Demokratische Kultur (NDK) aus Wurzen ist kürzlich mit dem Julius-Rumpf-Preis ausgezeichnet worden. Die Bonhoeffer-Niemöller-Stiftung verlieh den mit 10 000 Euro dotierten Preis im Dom zu Wurzen – für den „ideenreichen, engagierten und wirkungsvollen Widerstand gegen die neuerliche Ausbreitung nationalistischen demokratiefeindlichen Denkens“.

Der Verein wurde 1999 gegründet, als rechtsradikale Gewalt das Stadtbild Wurzens prägte. Seitdem setzt er sich beharrlich für eine demokratische Kultur in der Region ein – mit sichtbarem Erfolg: Neonazis dominieren das Stadtbild heute nicht mehr. Umso bitterer ist die aktuelle Lage: Der Wurzener Stadtrat strich auf Antrag der AfD – mit Stimmen von CDU-Mitgliedern – die städtische Förderung, was auch den Wegfall von Landesmitteln nach sich zog. Zudem will das zuständige Bundesministerium seinen Zuschuss kürzen.

Laudator Wolfgang Thierse, Bundestagspräsident von 1998 bis 2005, lobte das Netzwerk für demokratische Kultur als „geschützten Ort der Demokratiearbeit“ und richtete klare Worte an die Politik. Die geplanten Bundeskürzungen nannte er „falsch“, die Entscheidung des Stadtrats „fatal“. Demokratie, so Thierse, brauche Engagement und fairen Streit – und keine „konsumistische Einstellung“, bei der Bürgerinnen und Bürger nur Ergebnisse einforderten, ohne selbst Verantwortung zu übernehmen.

NDK-Geschäftsführerin Martina Glass nahm den Preis dankbar an: „Diese Auszeichnung ist für uns eine große Ehre und eine noch größere Herausforderung.“ Der Verein werde nicht aufhören, Widerstand zu leisten.

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