Der Dichter, der auchfür Bademode warb
Eine neue Ausstellung in Wurzen zeigt Ringelnatz von seiner überraschendsten Seite –als Texter für eine jüdische Unternehmerfamilie

Was kaum jemand weiß: Joachim Ringelnatz schrieb auch Werbetexte – unter anderem für Bademode. Grafik: KI-Collage Ausstellungsmaterial
Wurzen. Seemannsgarn, Absurditäten, zarte Liebesverse – das kennt man von Joachim Ringelnatz. Was kaum jemand weiß: Der sächsische Dichter schrieb auch Reklame. Und er tat es nicht halbherzig, sondern mit echter Leidenschaft. Sein wichtigster Auftraggeber war die Textilfabrik Sigmund Goeritz AG aus Chemnitz, bekannt als Bademodenfabrik „Venus“ – ein Unternehmen der gleichnamigen jüdischen Familie, das die sächsische Modeindustrie maßgeblich prägte.

Dass diese ungewöhnliche Verbindung nun erstmals öffentlich sichtbar wird, dafür sorgt das Ringelnatz-Geburtshaus in Wurzen. Am Samstag, 1. August, eröffnet dort um 18 Uhr die Sonderausstellung „Zwischen hübschen Streifen“.

Kurator Dr. Jürgen Nitsche hat dafür jahrelang verstreute Materialien zusammengetragen und in ihren kulturhistorischen Rahmen gesetzt. Das Ergebnis ist mehr als eine Werkschau: Die Ausstellung erzählt von jüdischem Unternehmertum in Sachsen, von Werbung als literarischer Spielwiese – und von einem Dichter, der Grenzen nie besonders ernst nahm. Die Schau ist Teil von „Tacheles 2026“, dem Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen.,

Sie ist bis zum 20. Dezember jeweils donnerstags, freitags und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

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