„Hab meinen Hafen bei den ’mixern gefunden“
Hannah Blank über ganz neue Lampenfieber-Erfahrungen, den Einfluss der Oma und die neue Lust auf die eigenen Teenie-Hobbys

Vorhang auf für Hannah Blank: Ihr Solodebüt „Casa Blanka“ feiert Premiere bei den academixern.Fotos: André Kempner
Leipzig. „Genau genommen ist das Stück schon eine Hommage an meine Oma“, erzählt Hannah Blank mit einem Lächeln – und ergänzt, dass obendrein in „Casa Blanka“, immerhin ihr Solo-Debüt auf der academixer-Bühne, schon auch die ein oder andere Oma’sche Idee drinsteckt. Nun herrscht eine gewisse Aufregung: Wie wird Oma auf dieses Stück reagieren? Nun, bei der Premiere am Montag, 26. Oktober, wird sie es erleben ...

Dabei ist Aufregung ein gutes Stichwort – auch, weil Hannah Blank eher so eine Art Naturtalent ist, die diese berühmte Angst vor den Brettern, die die Welt bedeuten, nicht kennt. Bis jetzt, wohlgemerkt. Bis zu jenem Moment, an dem sie allein ins Scheinwerferlicht treten wird. „Ein Solostück ist eine ganz andere Hausnummer als das Spielen im Ensemble“, räumt sie ein und ergänzt: „Ja, inzwischen habe ich auch meine ersten Lampenfieber-Erfahrungen gesammelt. Ich fange sogar schon an, von dem Stück zu träumen ...“ Bloß gut, dass die große Premiere nicht mehr weit hin ist ...

Die dann wiederum das Finale einer kreativen Reise ist, die Hannah Blank so viele neue Erfahrungen beschert hat. Zum Beispiel jene, dass die eigene (Stück-)Idee auf ganz viel Gegenliebe stößt und zwar nicht bei irgendwem, sondern in erster Linie bei Mathias Tretter. Seines Zeichens als Autor und Kabarettist ein wichtiger Impulsgeber bei den ’mixern. „Er fand diese Idee wirklich super“, erinnert sich die Schauspielerin und Kabarettistin: „Und er hat mir dann auch immer wieder Hausaufgaben mitgegeben – was mir sehr geholfen hat: Die ständige Arbeit mit Zusammenfassungen war so wichtig. Man beginnt darüber nachzudenken: Was will ich denn eigentlich? Und es geht um den Feinschliff an den Texten, den Witzen und den Pointen.“

So schälte sich „Casa Blanka“ in den vergangenen Wochen und Monaten heraus aus dieser von der Oma inspirierten Idee. Weniger als klassisches Kabarett, sondern „eher als ein Solo-Theaterstück mit kabarettistischen Einflüssen“, überlegt Hannah Blank: „Entstanden im echten Zusammenspiel mit Mathias Tretter, auf den ich mich voll verlassen konnte: Er weiß ganz genau, was Pointen ausmachen. Er weiß, wie man Geschichten erzählt.“ Und dann plaudert sie ein wenig aus dem academixer-Nähkästchen: „Wir sitzen ja als Ensemble immer am academixer-Tischchen und dann werden die Texte gelesen – und immer muss ich lachen, wenn ich seine Texte lese. Das wissen schon alle …“

Dabei ist es schon ein – nun ja – außergewöhnlicher Werdegang, der sie von der Heimatstadt Stendal – dort wurde sie 1997 geboren – auf die Bühne der academixer in Leipzig geführt hat: Eigentlich wollte Hannah Blank ja mal Hebamme werden, „aber bei meinem FSJ im Krankenhaus habe ich schnell gemerkt, dass die Arbeit im Gesundheitssystem nicht mein Ding ist. Da habe ich einfach viel zu viele Emotionen mit nach Hause genommen“. Der nächste Plan: Synchronsprecherin und dies auch aus gutem Grund, wie sie erzählt: „Ich habe früher viel vorgelesen in meiner Familie. Richtig vorgelesen – mit dem Lesen von unterschiedlichen Rollen und Emotionen.“ Immer befeuert vom großen Vorbild Rufus Beck ist schnell eine Leidenschaft für Sprache, für Stimme und vor allem die Möglichkeiten der Stimme entstanden, die bis heute anhält: „Ganz zur Seite habe ich die Idee vom Synchronsprechen noch nicht – gerade Hörspiele würde ich gern machen.“

Wichtig war dieser neue Plan aber in anderer Hinsicht – er führte Hannah Blank nach Berlin. Im Jahr 2016 an die Transform Schauspielschule, um ganz genau zu sein. Weil dort auch das Thema Synchronsprechen auf dem Studienplan stand. Aber dann kam schon eine Entdeckung, die das Blank’sche Leben nachhaltig verändern sollte – diese Entdeckung des bereits erwähnten Naturtalents: „Beim Studium habe ich schnell gemerkt: Die Bühne ist meine Sache. Das ist der Ort, an dem ich mich wohlfühle. Auch mit einem Publikum. Das sind die Situationen, mit denen ich mich auskenne und die ich meistern kann.“

Womit der grundsätzliche Kurs ja erst einmal klar war – der konkrete Weg auf die Bühne aber eben noch nicht. Denn auch Hannah Blank kennt ihn nur zu gut, den riesigen Sprung vom gesicherten Biotop Schauspielstudium auf die – nun ja – „echte“ Bühne. Und sie weiß von vielen Mitstudierenden, die diesen Sprung nicht geschafft haben. Sie hatte Glück und Unterstützung. Unterstützung von Irene Christ, selbst Schauspielerin und Dozentin an der erwähnten Schauspielschule: Die schnappte sich die junge Absolventin kurzerhand für’s eigene Tourneetheater und „sofort ging es los für zwei Wochen ... und dann kam Corona“.

„Eine schwere Zeit“, schaut sie zurück. Voller Selbstzweifel zum Beispiel, aber auch dem erträumten Seminar im Synchronsprechen. Eine Zeit mit Ab und Auf, die im Happy-end mündete. Erneut dank Irene Christ, die mit den guten Verbindungen nach Leipzig im Allgemeinen und den academixern im Besonderen aufwarten konnte. Und zack, da stand sie im Keller beim Vorsprechen: „Das ist ein bisschen wie eine mündliche Abiturprüfung. Und für mich besonders schlimm, weil ich ein Mensch bin, der einfach Feedback benötigt. Dann sitzt da eine Jury komplett mit Pokerface. Und natürlich bemerkt man selbst jeden einzelnen Fehler, den man gemacht hat – oh je, was habe ich denn da gemacht!“

Nun, gemacht hatte sie etwas richtig Gutes. Nämlich für Begeisterung auf der ganzen Linie gesorgt. Was ihr dann – man schreibt das Jahr 2023 – auf der Stelle eine ganze Menge Arbeit besorgt: „Schon vor drei Jahren kam Dörte (academixer-Geschäftsführerin Dörte-Solveig Waurick, A.d.V.) zu mir und sagte: Du hast schon Fans. Da wusste ich: Ich bin hier angekommen.“ Ein ganz wichtiges Wissen, wie sie erklärt: „Ich brauche in meinem Leben immer einen Hafen. Und diesen Hafen habe ich bei den ’mixern gefunden ...“

Allerdings musste Hannah Blank im neuen Hafen auch eine ganze Menge Dazulernen. Über die doch ganz schön großen Unterschiede zwischen dem klassischen Schauspiel und der Kleinkunst zum Beispiel – wobei sie den Begriff „Kleinkunst“ nicht so dolle mag („Das ist eben auch eine sehr professionelle Sache.“). „Beim Kabarett spürst du sofort: Hey, da stimmt was nicht. Wenn das Publikum nicht mitgeht – dann gibst du noch ein bisschen mehr Gas, setzt die Pointen mit mehr Nachdruck“, überlegt sie und sagt mit einem Lächeln: „So ist es beim Humor-Handwerk – der Trick ist herauszufinden, was ich machen muss, damit die Stimmung wieder besser wird.“

Auf beste Stimmung hofft sie nun zur „Casa Blanka“-Premiere und ist da – Lampenfieber hin oder her – gutes Mutes. Was auch mit Mathias Tretter zusammenhängt: „Wir teilen diesen grimmigen Humor. Ich denke, wir müssen eher darauf achtgeben, dass nicht allzu viel Leuten auf den Schlips treten.“ Und sie ergänzt: „Für mich ist eins ein ganz wichtiger Punkt: Es geht mir nicht um Klamauk – was sich mit dem Anspruch von Mathias Tretter trifft.“

Deshalb gilt: Nein, leichte Muse ist dieses Solodebüt nicht. Die Themen seien wahrlich nicht lustig bei „Casa Blanka“, die Umsetzung hingegen schon: „Dies habe ich auch aus meiner Familie mitgebracht: Selbst bei Trauerfällen haben wir uns zusammengesetzt und Anekdoten erzählt, über die wir dann auch herzlich gelacht haben.“

Auch eine spannende Sache – diese Rückbesinnung auf Erlebtes. Da scheint Leipzig ein gutes Umfeld zu sein für Hannah Blank: „Ich habe all meine Hobbys aus der Teenie-Zeit für mich wiederentdeckt – das Schreiben, die Arbeit mit Fan-Fiction, das Zeichnen. All dies mache ich wieder … Kreativität war schon immer voll mein Ding. Und für mich ist Kunst der absolute Kreativitätstrigger: Wenn ich die Kunst anderer sehe, möchte ich auch selbst Kunst machen. Lustigerweise ist immer der Herbst die Zeit, in der ich besonders kreativ werde ...“

Dann passt diese Premiere ja wie die berühmte Faust auf’s Auge – zum Herbst und zur Stadt. Zur Stadt, weil es die Kunst- und Kulturstadt Leipzig ist, die als permanenter Antrieb fungiert. „Schockverliebt“ sei sie auf Anhieb gewesen, erzählt sie. Weil die Innenstadt die Erinnerung weckte an die heimische Kleinstadt Stendal. Weil es so grün war. „Und weil ich sofort das Gefühl hatte: Hier ist die Kunst. Gleichzeitig progressiv und traditionell.“

Die Dinge stehen also gut für Hannah Blank. Auch dafür, dass „Casa Blanka“ keine Eintagsfliege bleibt – dafür habe die Arbeit am Stück viel zu viel Spaß gemacht. Und dann gibt sie einem noch ein kleine, aber feine Aufgabe für das Besonders-Aufmerksam-Sein mit auf den Weg: „Ja, es gibt das ein oder andere Easter Egg in dem Stück, das bereits auf neue Ideen verweist.“ Denn so viel ist sicher: Diese liegen längst in der Blank’schen Schublade, „fix und fertig sogar mit einem Titel ...“und Jens Wagner

„Casa Blanka“ feiert seine

Premiere bei den academixern am Montag, 26. Oktober, ab

19.30 Uhr – und zwar im Rahmen der Lachmesse Leipzig.

Weitere Termine: 29. November und 17. Dezember. Weitere Infos:

www.academixer.com



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