Die Sachsenfahne, die auf seinem Grundstück weht, zeigt: Hier lebt einer, der stolz ist auf seine Heimat. Dabei ist Marcel Peege hier gar nicht aufgewachsen. Er stammt aus Berlin. Mit 14 Jahren verpflanzt ihn die Familie dorthin, wo er auch jetzt noch lebt und inzwischen auch mit dem Herzen zu Hause ist: ins dörfliche Petersberg in die Nähe von Döbeln. Heute ist es genau das, was er braucht. „Ich genieße es, unterwegs zu sein, aber ich bin total froh, wenn ich wieder auf meinem Dorf bin und der Traktor übers Feld fährt“, sagt er und lacht.
In Choren geht er nach dem Umzug als Teenager auf die Dorfschule. Für den jungen Hip-Hopper aus der Großstadt ist das so kurz nach der Wende ein Kulturschock. Hier fällt er auf, mit seinen weiten Hosen und T‑Shirts. Die trägt er heute noch. Hip-Hop ist eine Lebenseinstellung, sagt er. Die legt man nicht ab, nur weil man älter wird. Dazu gehört, dass er seit 26 Jahren auch „DJ Mazelo“ ist.
Breakdance und Musik sind fester Bestandteil von Marcel Peeges Leben. Heute ist er nur noch als Wettkampf-DJ unterwegs, lernt Leute aus der ganzen Welt kennen. In der Hip-Hop-Szene fühlt er sich zu Hause. „Ich war ein Nerd“, erzählt er von seiner zweiten großen Leidenschaft neben der Fotografie und dem Netzwerken: „Ich bin heimgekommen und habe stundenlang gescratcht.“ Beim Scratchen werden Töne erzeugt und manipuliert, indem eine laufende Schallplatte auf einem Plattenspieler bei aufgelegter Nadel mit der Hand vor- und zurückbewegt wird. Der junge Marcel Peege fuchst sich in diese besondere Technik ein; längst beherrscht er sie richtig gut: Dass er derzeit sogar Deutscher Vizemeister auf diesem Gebiet ist, macht ihn stolz.
Auf Youtube finden sich Proben seines Könnens. Dort findet sich auch das Video „Döbeln City (Perle meiner Heimat)“ der „Döbeln City Allstars“. Als DJ Mazelo gehörte der Scratcher zu den acht Döbelnern, die ein Video als Hommage an ihre Heimat produziert haben – einen Rap mit Karel-Gott-Melodie und eigenen Texten, gefilmt an den schönsten Plätzen der Stadt.
Hip-Hop ist die große Konstante in seinem Leben, über die Musik hat er auch seine Frau kennengelernt. Beruflich hat er sich in den vergangenen Jahren genauso stark verändert, wie das Internet und Social Media den Marketingberuf.
Als Marcel Peege ins Berufsleben eingestiegen ist, war Social Media noch kein Thema, Marketing und Netzwerken standen nicht auf seiner Liste der Ausbildungsberufe. Damals hat er auch noch nicht fotografiert.
Er lernt Automobilkaufmann und arbeitet 17 Jahre als Autoverkäufer in Döbeln. Ein Job, der ihm Spaß macht und bei dem ihm zugutekommt, dass er von Natur aus gern mit Menschen im Austausch ist. Doch das Verkaufen von Fahrzeugen reicht ihm irgendwann nicht mehr.
Inzwischen ist er in der Freizeit oft mit der Kamera unterwegs, probiert sich aus, experimentiert mit Motiven und Techniken. Manchmal geht er nachts mit der Kamera auf Tour, um die Stadt aus einer ganz anderen Perspektive zu erleben und im Bild festhalten zu können. Festgelegt ist er nicht – ob Makroaufnahmen oder Drohnenfotos, Marcel Peege entdeckt gern immer wieder neue Möglichkeiten. Zwei Jahre lang bildet er sich neben der Arbeit zum Handelsfachwirt im Marketing weiter. Das hat ihn interessiert. „Ich wollte aus der Autobranche raus“, sagt er. Zunächst arbeitet er nebenberuflich als Fotograf, setzt zunehmend Unternehmen in Szene. „Ich hab’ mich immer gewundert, warum die Bilder nicht dort auftauchen, wo sie wirken sollten“, erzählt Peege, wie er schließlich bei seinem neuen Hauptgewerbe gelandet ist.
Seit anderthalb Jahren verkauft er nicht nur seine Bilder und Videos, sondern damit verbunden auch seine Dienstleistung als Content Creator, was so viel heißt wie Inhaltsersteller. Er betreut Unternehmen, ihre Homepages und Social-Media-Kanäle, sucht und findet Mitarbeiter.
Nicht nur, weil er gern neue Leute kennenlernt, sondern auch, um für sich neue Kunden zu gewinnen, besucht Marcel Peege inzwischen regelmäßig Netzwerk-Treffen. Dafür steht er jede Woche einmal kurz vor 5 Uhr auf, um pünktlich 7 Uhr beim BNI Chapter in Chemnitz zu sein.
BNI Chapter steht für Business Network International. Geschäftsleute und Unternehmer organisieren sich in diesen Chaptern – Ziel der Gruppentreffen: mehr Umsatz durch neue Kontakte und Empfehlungen.
„Ich lerne jede Woche etwas Neues kennen“, beschreibt er seine Motivation, dort dabei zu sein. Marcel Peege ist in seinem Chapter ein wenig der Exot. Vorgestellt hat er sich und sein Business nicht mit einer simplen Präsentation. Er hat zwar nicht gescratcht, aber gerappt – vor Rechtsanwälten und gestandenen Unternehmern – und ist damit ziemlich gut angekommen.
Netzwerken findet er existenziell. „Es ist für viele wirtschaftlich schwierig heute“, sagt er. Deshalb hat er sich auf die Fahne geschrieben, irgendwann selbst ein Netzwerk-Event für seine Heimatregion ins Leben zu rufen, nur eben „auf andere Art und Weise“, auf seine eben.und M. Engelmann-bunk