Raus aus der Isolation: KreativWerk wird ein Jahr alt
Titelgeschichte: Integrationsprojekt neu aufgestellt / Treibhausverein bietet wieder persönliche Beratung an

Leon Grünig ist während des Projekts ins Team des Döbelner KreativWerks eingestiegen. Jetzt wurde dort Geburtstag gefeiert.Foto: Sven Bartsch
Döbeln. Das KreativWerk des Döbelner Treibhausvereins an der Industriestraße 1 ist ein Jahr alt geworden. Ein Grund zu feiern für das dreiköpfige Projektteam. Nicht nur, weil bereits viele Menschen die Angebote nutzen, die dort mit dem Ansinnen unterbreitet werden, Menschen aus Isolation in Teilhabe zu bringen. Das zurückliegende Jahr war nicht einfach für das „GrowHub“-Projekt (Zentrum zum Wachsen), das die Arbeit des seit Ende 2024 nicht mehr geförderten Projektes „Willkommen in Döbeln“ noch umfangreicher fortführen sollte.

Das KreativWerk ist ein offener Raum für Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte. Es geht darum, die soziale, sprachliche und berufliche Teilhabe von Menschen mit Migrations- oder Fluchterfahrungen zu verbessern, Lücken im System zu schließen, die echte Integration schwierig machen. Montag bis Mittwoch stehen die Türen offen, dann gibt es vormittags einen offenen Sprachtreff, gemeinsames Mittagessen und nachmittags wechselnde Kreativangebote, für die immer noch Ehrenamtliche mit besonderen Fähigkeiten gesucht werden.

Die im ersten Vierteljahr entstandene Diskrepanz zwischen der ganz ursprünglichen Projektidee und der Realität ist inzwischen behoben, auch mit Unterstützung der Fördergeldgeber. Das GrowHub wird durch die Schweizer Drosos-Stiftung gefördert. „Dort war das Interesse groß, dass es das Angebot weiter gibt“, sagt Leon Grünig, der inzwischen zum Projektteam gehört. Jetzt ist Kontinuität in die Arbeit eingezogen und ein großes Ziel des Vereins erreicht: Zum ersten Geburtstag kann die persönliche Beratung wieder angeboten werden.

„Da steckt schon ganz viel Willkommen in Döbeln drin“, freut sich Leon Grünig. Das Angebot ist auf ein neues Level gehoben worden. Die Beratung findet wie früher an der Bahnhofstraße 56 statt und richtet sich insbesondere an junge Menschen und junge Familien mit Migrationsgeschichte und unterstützt sie dabei, ihre Lebenssituation aktiv und selbstbestimmt zu gestalten.

Wie finde ich Zugang zum Arbeitsmarkt? Wie schreibe ich eine Bewerbung? Was steht in einer Lohnabrechnung und was bedeuten Steuerklassen? Gewonnen wurde für die Beratung in diesen und vielen weiteren alltäglichen Fragen Marie Niederfeld, die soziale Arbeit und Arabistik studiert hat. Das Angebot ist kostenfrei und vertraulich und im Gegensatz zu früher muss man dafür einen Termin buchen.

„Wir wollen schließlich auch kulturelle Gepflogenheiten vermitteln“, erklärt Sarah Anna Wurdinger Porebinski. Die 40-jährige Sozialarbeiterin und systemische Therapeutin gehört seit Anfang 2025 zum Team des Treibhausvereins und hat das Café Connect als offenen Begegnungsort unter ihren Fittichen – das letzte, niedrigschwellige Angebot aus dem „Willkommen in Döbeln“-Projekt, an dem der Verein festhalten konnte. Auch das biografische Projekt „Zeig mir deine Welt“ wird von ihr geleitet. Es befindet sich unter dem Dach des Kreativwerkes, weil es eine ähnliche Zielgruppe anspricht. Projektsprache ist immer Deutsch, sie verbindet die Menschen an diesem Ort als Erstes.

„Wir setzen uns mit individuellen Lebensgeschichten der Menschen in Döbeln auseinander“, erzählt Wurdinger Porebinski, worum es in den wechselnden Workshop-Angeboten geht. Ihre Botschaft ist deutlich: „Integration ist keine Einbahnstraße, alle bekommen Unterstützung, wenn sie sie brauchen.“ Das setzt voraus, dass die Menschen ins KreativWerk kommen und es als offenen Raum wahrnehmen, um dort eigene Potenziale zu entdecken und weiterzuentwickeln. Eine Geburtstagsfeier wie die zum ersten Jahrestag ist dafür bestens geeignet.

Ein offener Kochworkshop, der kommenden Dienstag startet, ist eines der neuen Angebote im KreativWerk. Jeden Dienstag, ab 12 Uhr, werden gemeinsam internationale Gerichte gekocht und Rezepte gesammelt, die in einem Kochbuch zusammengefasst werden sollen. Viele weitere Workshops sind geplant, wie etwa am 22. September einer in Acrylmalerei.

ManuelaEngelmann-und Bunk
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