Döbelner Sportlegende Jörg Dathe findetim Kinderbuch Platz
KSB-Maskottchen Fredi Wolf begegnet auf seiner Reise durch Mittelsachsen vielen Menschen, die den Vereinssport ehrenamtlich möglich machen. DOSB-Präsident Thomas Weikert unterstützt Buch-Projekt.

Was steckt eigentlich hinter dem Wort Ehrenamt? KSB-Geschäftsführer Benjamin Kahlert liest gemeinsam mit Maskottchen Fredi Wolf Kindern aus dem Buch „Fredi Wolf und die Helden des Ehrenamts“ vor.Foto: privat
Mittelsachsen. Viele Kinder, die heute in Döbelner Sportvereinen trainieren, haben Jörg Dathe nicht mehr persönlich gekannt. Sein Name ist ihnen möglicherweise trotzdem begegnet: Die frühere Sporthalle an der Burgstraße trägt den Namen des Mannes, den im Döbelner Sport viele einfach „Max“ nannten.

Dathe gehörte über Jahrzehnte zu den Menschen, die Vereinsleben nicht nur organisierten, sondern möglich machten. Er brachte Menschen zusammen, kümmerte sich um Kinder und Jugendliche und war eng mit dem Döbelner Sport, vor allem dem Tischtennissport, verbunden. Ende 2023 starb er.

Nun soll seine Geschichte Kinder erreichen, die ihn selbst nicht erlebt haben. Dafür sorgt Fredi Wolf, das Maskottchen des Kreissportbundes Mittelsachsen (KSB). Im neuen Kinderbuch „Fredi Wolf und die Helden des Ehrenamts – Eine Reise durch das sportliche Mittelsachsen“ zieht Fredi durch den Landkreis und versucht herauszufinden, was sich hinter einem Wort verbirgt, das im Sport ständig benutzt wird, für Kinder aber ziemlich abstrakt klingt: Ehrenamt.

Die Herausgabe des Kinderbuches durch den KSB wird im Zuge der Stärkung der Jugendhilfearbeit in den Kommunen vom Landkreis Mittelsachsen gefördert. „Die erste Auflage umfasst 1000 Exemplare. Geplant ist, die Bücher über die Sportvereine und bei Sportveranstaltungen wie dem Kita-Team-Cup Ende September an die Kinder zu verteilen“, sagt KSB-Geschäftsführer Benjamin Kahlert.

Eine seiner Stationen führt Fredi Wolf nach Döbeln. Beim SV Vorwärts entdeckt er an der Hallenwand ein Foto. Die junge Übungsleiterin Jessica erzählt ihm, dass darauf Jörg Dathe zu sehen ist. Sie berichtet von einem Mann, der über viele Jahre hinweg für den Verein, die Sportler und die Stadt da war. Im Buch nennt sie ihn einen „echten Ehrenamtshelden“.

Für KSB-Chef Kahlert passt Dathe sehr gut in die Geschichte. „Bei Jörg wird sehr schön deutlich, was Ehrenamt hinterlassen kann.“, sagt Benjamin Kahlert. „Da engagiert sich jemand über viele Jahre, baut etwas mit auf – und andere profitieren noch lange davon. Ich finde, genau das können Kinder verstehen.“

Wenige Kilometer entfernt lernt Fredi eine andere Seite des Ehrenamts kennen. In Waldheim stehen junge Menschen erst am Anfang ihres Engagements. Beim Cheer&Dance e.V. Waldheim übernehmen Jugendliche Verantwortung für Jüngere. Mit „Coach4Future – Junge Helden im Ehrenamt“ hat der Verein ein Konzept entwickelt, das Nachwuchs schrittweise an die Tätigkeit als Trainer heranführt. Ausgangspunkt war ein praktisches Problem: Es gab viele Kinder, die trainieren wollten, aber zu wenige Trainer. Mitte 2023 standen zwei Trainer für zwei Teams zur Verfügung, anfang 2025 waren es bereits 18 Trainer für sechs Teams.

Das Konzept wurde 2024 mit dem „Großen Stern des Sports in Silber“ als bestes sächsisches Vereinsprojekt ausgezeichnet. Fredi erlebt diese Idee im Kinderbuch nicht über Zahlen oder Erklärtexte, sondern mitten im Training. Er sieht, wie erfahrenere Coaches Jüngere unterstützen, ihnen Halt geben, sie motivieren und ihnen nach und nach Verantwortung zutrauen.

Hanna Gräber von Cheer&Dance Waldheim hält den frühen Zugang zum Ehrenamt für wichtig: „Ich finde, das ist eine super Sache. Kinder sollten früh verstehen, was Ehrenamt bedeutet und wie viel davon in einem Verein steckt. Dann lernen sie auch, die Menschen, die sich engagieren, ganz anders wertzuschätzen.“

Für Kahlert steckt darin die Grundidee des gesamten Buches: „Kinder sehen jeden Tag Ehrenamtliche. Sie wissen nur oft noch nicht, dass sie welche sehen.“ Der Trainer, der Woche für Woche in der Halle steht; Menschen, die vor einem Wettkampf alles vorbereiten; Eltern und Vereinsmitglieder, die bei Veranstaltungen mithelfen. Für Kinder gehören sie einfach zum Sport dazu. Das Buch soll sichtbar machen, was hinter dem scheinbar selbstverständlichen Vereinsalltag steckt.

Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), hat für das Kinderbuch ein persönliches Grußwort geschrieben. Darin bezeichnet er die rund 8,7 Millionen ehrenamtlich Engagierten in Deutschlands Sportvereinen als „Herz und Rückgrat des organisierten Sports“.

Eine weitere Perspektive bringt Marvin Schlegel ein. Der mittelsächsische Olympiateilnehmer steuert ebenfalls ein Grußwort bei und erinnert darin an seine eigenen Anfänge beim SV Einheit Bräunsdorf. Besonders erwähnt er Gerd Hofmann, der die dortige Leichtathletikabteilung mit viel Herz und Leidenschaft leitete. Schlegel schreibt, dass sein eigener sportlicher Weg ohne diesen Menschen wahrscheinlich anders verlaufen wäre.

Welche weiteren Begegnungen Fredi auf seiner Reise durch Mittelsachsen macht, möchte der Kreissportbund vor der Veröffentlichung noch nicht verraten. Entscheidend sei aber weniger, dass Kinder nach dem Lesen oder Vorlesen eine Definition von Ehrenamt aufsagen können. Vielleicht reiche eine viel einfachere Reaktion: Wenn ein Kind seinen Trainer anschaut und fragt: Machst du das eigentlich freiwillig? „Wenn das passiert“, sagt Kahlert, „hat Fredi schon ziemlich viel erreicht.“ daz
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