Dazu gehörte ein Open Class Workshop: Tanzen für alle, und jeder mit jedem, vollkommen ohne Vorkenntnisse und ohne eigenen Tanzpartner.
Dieses Konzept stellte die Teilnehmer vor ungewöhnliche Herausforderungen, denn der südamerikanische Tanz lebt in seinem Ursprungsland davon, dass die Tänzer und Tänzerinnen keine besonders innige Beziehung zueinander haben müssen.
„Zunächst ging es in Einzelübungen darum, sich auf das eigene Körpergefühl zu fokussieren“, erzählt Sybille Kolbe. Sie ist eine der Projektkoordinatorinnen von „Zug um Zug“ in Leisnig. Sie konnte den Tanzmeister Fabio Reis dafür gewinnen, den Open Class Workshop als inklusiven Workshop anzubieten.
„Trotzdem hat diese Art zu tanzen eine körperbetonte Note. Daran ließ Tanzlehrer Fabio Reis keinen Zweifel.“ Sonst bringt Reis in einer Hamburger Tanzschule seinen Schülern diesen speziellen Stil bei.
Reis ist die zentrale Person, wenn es in Europa um diesen Tanz geht. Über das Wochenende waren deshalb Gäste teils von weither her in Leisnig zu Gast, um an drei Tagen an Jam Sessions und Workshops verschiedener Level teilzunehmen.
„Wir sind wegen der starken Sonneneinstrahlung von der Tanzfläche vor der Bühne umgezogen unter das Sonnensegel. Unter den etwa 60 Teilnehmern waren mit Sicherheit viele Menschen, die sich noch nicht kannten. Und das war im Verlauf des Workshops eine der Herausforderungen“, beschreibt Sybille Kolbe.
„Die ersten Einzelübungen widmeten sich dem eigenen Körpergefühl, dem körperlichen Fühlen der Musik. Dafür wurde unter anderem gemeinsam gesungen.“Es ging darum, das Körpergefühl für den Rhythmus zu entwickeln, zunächst jeder für sich, dann in der gemeinsamen Bewegung innerhalb der Gruppe. Dabei muss konstant Augenkontakt gehalten werden.
„Das ist eher irritierend für Menschen in Europa und insbesondere in Deutschland, einem fremden Menschen so lange in die Augen zu sehen.“ In Deutschland werde das im kommunikativen Kontext eher als provozierend und dominant empfunden, ist aber integraler Bestandteil dieses temperamentvollen südamerikanischen Tanzes. „Das ist ungewohnt, zudem wenn sich Fremde sehr eng miteinander nach der Musik bewegen und der Individualabstand deutlich unterschritten wird.“
Der Forrò als Tanz hat zudem die Eigenheit, dass auf Zuruf plötzlich die Tanzpartner wechseln. Ein Teil dieses speziellen Workshops sei es gewesen, zu erspüren, ob man sich darauf einlassen kann - auf einem Wege, den die europäische Etikette so nicht erlauben würde.
Der Workshop ordnet sich in eine Reihe weiterer Veranstaltungen in und um Leisnig innerhalb des inklusiven Projektes „Zug um Zug“ ein. In verschiedenen Institutionen sowie Vereinen, wo ältere Menschen oder gesundheitlich, körperlich oder seelisch beeinträchtigte Personen betreut werden und Kontakte pflegen, hatte Sybille Kolbe für den Workshop geworben. „Das Publikum war am Ende sehr gemischt und genau so sollte es auch sein.“ Für das kommende Jahr ist dieser spezielle Workshop an dem Forró- Festivalwochenende im Kulturbahnhof erneut geplant.
Doch schon am 16. August, 11 bis 18 Uhr, erwartet der Kulturbahnhof wieder Gäste, dann zu einem Kinderfest. Das ist der Sonntag nach dem Schulanfang.
Für die Zuhörbank am Seniorentreff Rosa-Luxemburg-Straße 6 mit Sylvia Eggert können sich Interessenten anmelden für den 27. August, 15 bis 17 Uhr. Anmeldungen werden unter der Telefonnummer 01781228743 oder per Email unter der Adresse Sylvia.eggert@natur-verein.de entgegen genommen.und steffi robak