Sommer, Sonne, Ohrenschmerzen
Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt Dr. med. Bernhard Junge-Hülsing erklärt, woran man Gehörgangsentzündungen erkennt

Im Pool kann man sich den Gehörgang entzünden.Foto: kroshka nastya/magnific
Zum Ende des Sommers wird das Badevergnügen für manche schmerzhaft: Jetzt treten Gehörgangsentzündungen – auch als „Bade-Otitis“ bezeichnet – häufig auf. Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt Dr. med. Bernhard Junge-Hülsing erklärt, woran man sie erkennt, wie sie sich von einer Mittelohrentzündung unterscheiden und was hilft.

„Besonders am Ende des Sommers, wenn das ufernahe Wasser schon recht versifft ist, hat man sehr gute Chancen, dass sich beim Baden der Gehörgang entzündet“, sagt Hals-Nasen-Ohren-Arzt Dr. med. Bernhard Junge-Hülsing. Diese sogenannte „Bade-Otitis“ betrifft das Außenohr, tritt nach dem Baden oder Duschen auf und ist die häufigste Entzündungserkrankung des Gehörgangs.

Warum das Ohr schmerzt

Solche Entzündungen entstehen, wenn Reizungen – etwa durch verschmutztes Wasser, Ohrenstäbchen oder Kratzen – die dünne Haut im Gehörgang verletzen. „Dann können Bakterien aus dem Ohrenschmalz unter die Haut gelangen und Schmerzen verursachen“, so Junge-Hülsing. Eine Gehörgangsentzündung trete besonders oft zum Ende der Badesaison auf – vor allem bei jenen, die viel schwimmen oder unter Hauterkrankungen und starken Allergien leiden. Die gefürchtete Mittelohrentzündung komme dagegen häufiger zwischen September und Februar vor, besonders bei Kindern und Erwachsenen mit großen Rachenmandeln, häufigen Infekten oder Allergien.

Außen oder innen?

Unterschiedlich sind auch die Symptome: „Wenn Sie außen auf das Ohr drücken und es tut höllisch weh, dann ist es eine Außenohrentzündung“, erklärt der HNO-Arzt. Sogar das Kauen sei mitunter schmerzhaft. „Wenn Sie keinen Druckausgleich mehr machen können und es tut im Inneren des Ohres weh, dann ist es eine Mittelohrentzündung.“ Der Gehörgang sei dann nicht mehr betroffen. Dass die Entzündungen als besonders schmerzhaft empfunden werden, liege daran, dass das Gehör von vier großen Nervensträngen versorgt wird. „Dadurch tut eine Entzündung im Ohr richtig weh, und das kann auf den halben Kopf ausstrahlen.“

Bloß nicht kratzen

Unangenehm – aber noch kein Grund für Panik. „In der Regel heilt das innerhalb von zwei Wochen aus. Es tut zwar weh, verschwindet aber spurlos“, sagt Junge-Hülsing. Auf keinen Fall sollte man nun kratzen, auch von sogenannten Ohrenkerzen rät der Arzt ab – hier könne es zu Verbrennungen kommen. Die entzündeten Gehörgänge müssen dennoch gereinigt werden. „Sie können beim Duschen das Ohr nach hinten ziehen und so tun, als würden Sie mit dem Duschkopf telefonieren – dabei das Ohr lauwarm etwa drei bis fünf Minuten spülen.“ Wer aber nach dem Baden, Duschen oder Schwimmen für Stunden nichts hört oder an starken Schmerzen leidet, sollte einen HNO-Arzt oder eine HNO-Ärztin aufsuchen. „Kinder sollten auch zu uns kommen, wenn sie eine Bade-Otitis haben, weil wir beim Reinigen besonders vorsichtig vorgehen müssen.“

Was wirklich hilft

Die Reinigung ist auch schon der wichtigste Teil der Behandlung einer Gehörgangsentzündung: „In der Regel ist eine lokale Behandlung beim HNO ausreichend“, sagt Junge-Hülsing. „In einigen Fällen reicht einfaches Spülen nicht, etwa, wenn wir auch Eiter und Hautreste entfernen müssen.“ Eine Mittelohrentzündung bessere sich mit Schmerzmitteln und Nasenspray – „dauert das länger als ein paar Tage, haben Antibiotika schon ihren Platz“, so der Facharzt. Grundsätzlich würde er damit aber einige Tage abwarten; von einer Behandlung mit systemischen Antibiotika rät er im Falle einfacher Entzündungen ab.

Damit das Ohr frei bleibt

Wer zur Bade-Otitis neigt, kann einer Wiederholung mit einigen Maßnahmen vorbeugen. Dr. Bernhard Junge-Hülsing rät: „Mit sauberen Ohren in den Urlaub fahren.“ Vor der Badesaison vom HNO die Ohren putzen lassen, würde vorbeugend helfen, denn aus sauberen Ohren fließe das Wasser besser ab. Nach dem Baden sollte man die Ohren trocknen, „aber nicht mit einem Q-Tipp, sondern lieber mit ein bisschen Klopapier gedreht zum Docht“. Vor dem Tauchen hilft ein Tropfen Öl im Ohr – sogenannte Tauchertropfen. „Olivenöl tut es aber meist auch, die kommerziell verfügbaren Sprays bringen nicht so viel.“ Von sogenannten Schwimmschutzstöpseln hält der HNO nicht allzu viel, denn „die neigen zur Verletzung des Gehörgangs“. Wer empfindlich sei, könne stattdessen über den Ohren eine Badekappe oder ein Neoprenstirnband tragen. und Juliane Groh
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