Relikt der Industriegeschichte
Rasoma-Mitarbeiter bringen historische Drehmaschine ins Döbelner Pferdebahnmuseum

Max Burkel, Thomas Tändler, Martin Gruner, Robert Kanigowski, Patrick Kademann vom Rasoma-Abwicklungsteam und Bernd Wetzig vom Vorstand des Döbelner Pferdebahnvereins mit dem neuen Ausstellungsstück. Foto: Sven Bartsch
Döbeln. Beim Döbelner Sondermaschinenbauer Rasoma sind die Lichter ausgegangen. Am 30. September wird das Werk, das vollständig in der NSH-Group aufgegangen ist, zugeschlossen. Derzeit ist ein Abwicklungsteam vor Ort, um das Ausräumen zu organisieren. Jetzt haben Maschinenbaumeister Martin Gruner und vier seiner Kollegen das letzte Mal eine Maschine ausgeliefert, die in ihrem Werk gebaut wurde.

Das Besondere an dieser letzten Auslieferung? Bei der hundert Jahre alten Drehbank handelt es sich um das erste Modell, das am Döbelner Werkzeugmaschinenstandort produziert wurde – eine Liebert&Gürtler. Ihren Platz hat die alte Maschine jetzt im Döbelner Pferdebahnmuseum gefunden. Dass sie dort landet, dafür hat Heiko Faßbinder gesorgt.

Der Inhaber des Döbelner Spielwarengeschäftes ist Mitglied des Döbelner Pferdebahnvereins und wusste, dass es die historische Maschine beim Döbelner Werkzeugmaschinenbauer gibt, dieser ab 1. Oktober dieses Jahres allerdings Geschichte sein wird.

Erst 2022 war Rasoma mit den Tochterunternehmen Niles-Simmons Chemnitz und WEMA Glauchau zur NSH Technology GmbH zusammengeschlossen worden. Anfang des Jahres hatte die Geschäftsführung über die Schließung des Döbelner Standortes informiert. Da Einigkeit darüber herrschte, dass die schöne Maschine nicht in einem Chemnitzer Industriemuseum landen, sondern als Erinnerung an die Unternehmensgeschichte in der Stadt verbleiben sollte, in der sie gebaut worden war, musste noch ein geeigneter Standort her. „Ich wusste, dass es auch Überlegungen gab, die Maschine ins Döbelner Museum zu stellen, doch das wäre aufgrund der Größe und des Gewichts gar nicht möglich gewesen“, erzählt Heiko Faßbinder. Im Pferdebahnmuseum allerdings – auch das weiß er als Vereinsmitglied – sieht es mit Ausstellungsstücken noch sehr übersichtlich aus.

Der neue Standort passt perfekt. Denn zwischen der Liebert&Gürtler und Döbelns ebenfalls historischer Pferdebahn gibt es tatsächlich eine belegte Verbindung. „Diese Maschinen sind damals am Werk in Großbauchlitz auf einen Pferdekarren geladen und zum Döbelner Hauptbahnhof gekarrt worden“, erzählt Martin Gruner. Am Hauptbahnhof wurden sie umgeladen auf die seit 1892 fahrende Döbelner Pferdebahn, mit der die Werkbänke zum Ostbahnhof kutschiert wurden. „Von dort ging es nach Dresden, Leipzig und Chemnitz und dann in die Welt“, so der Maschinenbaumeister.

2000 Stück der Stufenscheiben-Drehbank sind seit 1919 gebaut worden. Auf ihr wurden Teile für Industrie und Rüstung gefertigt. Das nun im Pferdebahnmuseum zu bewundernde, glänzend schwarz lackierte Modell hatte vor etwa 15 Jahren ein Bauer in seiner Scheune gefunden. Er meldete sich beim damaligen Geschäftsführer der Döbelner Rasoma-Werke, Peter Kaiser. Dieser ließ die Maschine sofort abholen und sie fand ihren Platz im Vorführraum des Döbelner Werkes.

2022 bekam die Maschine ein Makeover, sie sollte wieder schön aussehen. Als Lehrlingsprojekt restaurierte Max Burkel die alte Liebert&Gürtler, die seitdem in altem Glanz an die Anfangsjahre des Unternehmens erinnert. Er erinnert sich noch genau, dass er sie am 2. September vor vier Jahren auseinandergebaut hatte. Heute gehört der junge Maschinenbauer zum Rasoma-Abwicklungsteam .

300 Kilogramm wiegt die alte Drehbank. Um sie händisch in die Räume der Pferdebahn am Niederwerder transportiert zu bekommen, haben die Maschinenbauer sie noch einmal auseinander genommen und in fünf Teile zerlegt: Zwei Fußteile, Spindelstock, Reitstock und der Hauptteil sind einzeln mit zwei Fahrzeugen aus Großbauchlitz in die Innenstadt transportiert worden. Vor Ort haben die Männer das gute Stück wieder zusammengesetzt.

Martin Gruner und sein Team freuen sich, dass die Drehbank auf Döbelner Boden bleibt. Bis 30. September haben die Männer noch zu tun, dann endet nicht nur ein Stück Döbelner Unternehmens-, sondern auch für jeden einzelnen ein Stück persönliche Geschichte.

Die zuletzt 55 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Standortes, davon 23 in der Montage, hat es in alle Welt verstreut, sagt Martin Gruner. „Wir sind alle Profis in unserem Job, ich mache mir keine Sorgen, dass jemand auf der Strecke bleibt.“ und MEB
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