Sylvia Eggert verstehtdie Kunst des Zuhörens
Neues Projekt in Leisnig: Vier-Augen-Gespräche, die im Leben ein Stück weiter bringen können

Weil manchmal schon das Reden weiterhilft: Sylvia Eggert heißt ihre Gesprächspartner auf der Zuhörbank in Leisnig willkommen.Foto: privat / Projekt „Zug um Zug"
Leisnig. Ein neues niedrigschwelliges Gesprächsangebot gibt es seit diesem Frühjahr in Leisnig: Sylvia Eggert lädt Gesprächspartner regelmäßig auf ihre Zuhörbank ein beziehungsweise können sich Menschen melden, die mit ihr dort ins Gespräch kommen möchten.

Lokale Partner wie das Projektbüro „Zug um Zug“ unterstützen diese neue Aktion. Die Zuhörbank steht im Garten der Begegnungsstätte an der Rosa-Luxemburg-Straße von Leisnig. Doch was genau passiert eigentlich, wenn sich die Menschen auf der Zuhörbank niederlassen? Was bewegt die Leisnigerin Sylvia Eggert dazu, anderen Menschen dort ihre Aufmerksamkeit zu schenken?

„Das Konzept Zuhörbank gibt es deutschlandweit, unter anderem in Erfurt und Dresden“, erläutert die 63-Jährige. Ihr gefällt das Konzept, weil es Gemeinschaft herstelle für Menschen, die in einer möglicherweise bedrückenden Situation mit jemandem das Gespräch unter vier Augen suchen möchten. Und was macht Sylvia Eggert zu einer guten Zuhörerin?

Das sagt sie selbst dazu: „Wahrscheinlich hängt das zusammen mit meinen Erfahrungen während meiner früheren freiberuflichen Arbeit. Ich interessiere mich für Menschen, höre gern zu, wenn sie ihre Geschichten erzählen, wie sie selbst auf ihr Leben schauen.“

Lange hat Sylvia Eggert die Lebensgeschichten anderer Menschen aufgeschrieben, aber auch Trauerreden für Bestattungen. „Es ist in gewisser Weise seltsam. Manchmal, wenn ich zum Beispiel mit dem Zug reise, treffe ich auf fremde Menschen, und diese erzählen mir von allein interessante Episoden aus ihrem Leben – als könne man mir ansehen, dass ich dafür Antennen habe.“

Was nun auf der Zuhörbank ganz anders ist: Das dort Erzählte bleibt auch dort, im lauschigen Garten, in der grünen Nische, an einem Rückzugsort auf Zeit. Von dort treten die Gesprächspartner wieder hinaus in ein Leben, in dem sie für ihre nächste Herausforderung ein Stück weit Kraft geschöpft haben.

Sylvia Eggert hat diese Erfahrung selbst gemacht, wie erleichternd ein Gespräch sein kann, wenn das Leben gerade schwer ist. Von Long Covid betroffen, kämpft sie gegen Symptome wie unter anderem schnell eintretende Erschöpfungszustände. Sie habe ihr ganzes Leben umstellen müssen. Das sei ihr extrem schwer gefallen.

„Mehr als drei Stunden kann ich nicht am Stück arbeiten. Mit dem Engagement auf der Zuhörbank möchte ich in einem mir möglichen Maße etwas an die Gesellschaft zurückgeben, die mir mit einer Erwerbsminderungsrente zumindest die Existenz ermöglicht.“

Die Zuhörbank ist ein niedrigschwelliges Gesprächsangebot in Leisnig. Das Angebot beginnt zunächst in der Seniorenbegegnungsstätte. Perspektivisch soll es an weiteren Orten im Stadtgebiet und in den Ortsteilen stattfinden.

Das Projekt richtet sich an Menschen, die persönliche Erlebnisse, Erfahrungen oder Erinnerungen mit jemandem teilen möchten, der aufmerksam und offen zuhört. Das Angebot ist kostenfrei, vertraulich und offen für alle.

Die Zuhörbank wird regelmäßig einmal im Monat angeboten, im Garten der Seniorenbegegnungsstätte Leisnig. Fester Termin ist jeweils der letzte Donnerstag im Monat, 15 bis 17 Uhr. Nächste Termine sind der 25. Juni, der 30. Juli, der 27. August, der 24. September, der 29. Oktober und der 26. November. Die Gespräche finden je nach Wetter im Garten oder in einem barrierefrei zugänglichen Raum der Begegnungsstätte statt. Unterstützt wird die Aktion von der Seniorenbegegnungsstätte Leisnig, die das Angebot vor Ort ermöglicht, vom Verein „Erlebnisraum MenschNatur e. V.“, der das bundesweite Projekt initiiert hat und fachlich begleitet, sowie dem Projekt „Zug um Zug – Für Dich. Für Leisnig. Für Alle.“, das die Initiative in Leisnig unterstützt und bei der lokalen Vernetzung begleitet.

Damit das Angebot langfristig wachsen kann, werden weitere ehrenamtliche Zuhörende gesucht. Interessenten melden sich bei Sylvia Eggert unter der Telefonnummer 0178 1228743. Zudem kann unter der E-Mail sylvia.eggert@naturverein.de Kontakt aufgenommen werden.und steffi robak
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