Steam Punk im Bürgergarten
Titelgeschichte: Erstes Döbelner Dampfgeflüster zog Gäste aus Meißen, Leipzig und Halle an.

Döbeln. Messing glänzte in der Sonne, Zahnräder drehten sich an fantasievollen Apparaturen, viktorianische Kleider rauschten über das Gelände. Beim Steam-Punk-Festival in Döbeln wurde am Wochenende eine Welt lebendig, die irgendwo zwischen Industriekultur, Fantasie und Zeitreise angesiedelt ist.

Vereinsvorsitzender Jens Mahlow vom Verein „Zahnrad & Zylinder“ aus Meißen ragte mit seinem hohen Zylinder aus der Menge heraus. Er freute sich darüber, dass nicht nur Mitwirkende aus Meißen, sondern auch aus Leipzig und weiteren Städten nach Döbeln gekommen waren. Bereits im vergangenen Jahr habe man hier gute Erfahrungen gemacht.

„Wir waren uns schnell einig, dass wir wiederkommen möchten“, sagte er. Ziel sei es, Menschen für die Szene zu begeistern und ins Gespräch zu kommen. „Solche schönen Lokalitäten passen einfach wunderbar dazu.“ Claudia und René Haußig sowie Gabi Krüger sahen das genauso. Sie informierten an ihrem Stand über den Verein und präsentierten passende Accessoires – vieles davon selbst gefertigt. „Einige von uns waren zuvor bereits in der Mittelalter- oder Gothik-Szene unterwegs“, erzählten sie. Über Veranstaltungen in Meißen entstand schließlich der Kontakt zur Steam-Punk-Welt. Der 2017 mit sieben Leuten gegründete Verein zählt heute bereits 41 Mitglieder. Die Altersspanne reicht von 15 bis 84 Jahren. Gerade diese Vielfalt mache den Reiz aus. „Steam Punk bietet unendlich viele Möglichkeiten – Gewandung, Technik, Historie, Handwerk oder Fantasie.“

Karin, Uwe und Petra waren gerade erst angekommen, schauten zu, wie die Technik aufgebaut wurde, und entspannten sich bei einem Getränk in der Sonne vorm Pavillon. Karin stammt ursprünglich aus Leipzig und fand über die dortige Steam-Punk-Szene zum Verein. „Damals wurden Sponsoren gesucht. So kamen wir in Meißen miteinander ins Gespräch“, erzählte sie.

Inzwischen sei sie seit fünf Jahren Mitglied und fast häufiger bei den Meißenern zu Gast, als zu Hause. Besonders schätzt sie den Austausch untereinander und die Herzlichkeit der Szene. Und dass ständig etwas los ist: Im Juli stehe das Jubiläumsfestival zum zehnjährigen Bestehen in Meißen an, im September folgt ein weiteres Treffen auf Schloss Burgk.

Auch ihre Begleiterin Petra hat das Steam-Punk-Fieber erfasst. Eigentlich aus Berlin kommend, ist sie seit vier Jahren im Ruhestand. Gemeinsam mit ihrem Mann zog sie vor drei Jahren nach Meißen – in die Nähe der Burg. „Gerade umgezogen, wurden wir zu einer Steam-Punk-Veranstaltung eingeladen. Seitdem sind wir hängen geblieben“, erzählte sie lachend. Während sie näht, baut ihr Mann technische Objekte und Dekorationen. Flohmärkte seien ihre liebsten Einkaufs­meilen.

Ein besonderer Blickfang war die „Rost Laube“ von Claudia Karloff aus Leipzig, die in ihrer Rolle als „Obristin Ivanka“ aufging und Interessenten in ihr „kleines Amt“ einlud. Die 50-Jährige reist mit einem umgebauten DDR-Camper der Marke „Intercamp“ durch Deutschland. Das Fahrzeug wurde von einem Bekannten aufgebaut und später von ihr übernommen. Die Raumausstatterin und Mediengestalterin besucht nicht nur Steam-Punk-, sondern auch Endzeit- und Fantasie-Festivals in ganz Deutschland und darüber hinaus – etwa in Polen oder Magdeburg. Das Kostüm der „Obristin Ivanka“ am Hof eines russischen Zaren stammt aus Beständen der Oper Leipzig. Rund 30 Wochenenden im Jahr unterwegs zu sein, sei schon ein „Luxus-Hobby“, sagte sie schmunzelnd. „Davon leben kann niemand. Aber man lernt unglaublich viele Menschen kennen.“

Steam Punk ist eine kreative Mischung aus viktorianischer Zeit, Industriekultur und Fantasie. Die Szene stellt sich vor, wie die Welt aussehen könnte, wenn Dampfmaschinen und Mechanik die moderne Technik ersetzt hätten. Typisch sind Zahnräder, Messing, alte Lokomotiven, Luftschiffe, Schutzbrillen und detailreiche Kleidung im Stil des 19. Jahrhunderts.und Elke Walter-Koch
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