Polizei und Schüler mitBlitzer-Aktion
Viertklässler zücken die gelbe Karte

Döbeln. Gerade nochmal Glück gehabt! Die junge Frau am Steuer eines großen Familienautos ist sichtlich erleichtert - und etwas peinlich berührt. Polizeihauptmeister Maik Polzer hat die Kraftfahrerin gerade herausgewunken. In der 30er Zone auf der Straße Zur Muldenterrasse in Döbeln-Nord war sie mit 41 km/h unterwegs. Polizeihauptmeisterin Tina Anker hat das mit einem Messgerät ganz genau ermittelt.

Abzüglich des Toleranzwertes waren das acht Stundenkilometer zu viel - macht 30 Euro Verwarngeld. Eigentlich. In diesem Fall gibt es „nur“ eine Gelbe Karte von Viertklässlern der Holländer-Grundschule. Auf der steht: Bitte nehmen Sie mehr Rücksicht auf Kinder!

„Ich hatte es eilig. Ich muss dringend zu einem Termin“, sagt die Fahrerin des grauen Vans. Polizist Maik Polzer erklärt ihr, dass sie sich trotzdem an die Regeln halten muss. Die Frau weiß das. Auf dem Rücksitz ihres Autos befinden sich zwei leere Kindersitze. „Es tut mir leid“, sagt sie kleinlaut.

Die Kinder grinsen, weil ihr Auftreten offenbar Wirkung zeigt. Und - hinter vorgehaltener Hand - weil sie endlich mal jemanden erwischt haben, der zu schnell unterwegs war. Für die Verkehrssicherheitsaktion „Blitz für Kids“ stehen die Grundschüler schon eine ganze Weile am Abzweig Vyskover Straße. Es geht darum, Fahrzeugführer auf ein jederzeit verkehrsgerechtes Verhalten, besonders vor Grundschulen und in Schulwegbereichen, aufmerksam zu machen. Die meisten Kraftfahrer hielten sich aber bislang an die Geschwindigkeitsbegrenzung.

Wie Jens Zimmermann vom Döbelner Schlüsseldienst Piechaczek, der es von Berufs wegen eigentlich immer eilig hat. Aber: „Die Verkehrsschilder stehen ja nicht ohne Grund da. Man muss sich eben seine Zeit so einteilen, dass man normal durch die Stadt fahren kann“, sagt Zimmermann. Von Lukas aus der Klasse 4a erhält er dafür die Grüne Karte und ein Lob: „Danke, Sie sind sehr gut gefahren.“

Dass „Blitz für Kids“ nach wie vor Sinn macht, zeigen die Zahlen: 283 Kinder sind im vergangenen Jahr im Bereich der Polizeidirektion Chemnitz bei Verkehrsunfällen verunglückt. Das waren 20 mehr als im Jahr 2024. In der Stadt Chemnitz war ein noch größerer Anstieg um 45 auf 111 verunglückte Kinder im Jahr 2025 zu verzeichnen.

Hauptunfallursache bei diesen Verkehrsunfällen ist das falsche Verhalten beim Überschreiten der Fahrbahn. Das gilt für mehr als ein Drittel der gesamten erfassten Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Kindern. „Kinder reagieren oft spontan und für Fahrzeugführer nicht berechenbar. Sie können Entfernungen und Geschwindigkeiten nicht umfassend einschätzen und ihr Handeln der jeweiligen Verkehrssituation nicht schnell genug anpassen“, erklärt Daniela Koenig von der Polizeidirektion. und olaf Büchel
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