Doch am 26. September öffneten sich die schweren Holztüren endlich wieder. Wo jahrelang Baustaub und Sorgen herrschten, zog am Wochenende feierliches Leben ein. Ein neuer, lebendiger Abschnitt für die Dorfgemeinschaft hat begonnen.
Dass diese Wiedereröffnung möglich wurde, ist einem beispiellosen Zusammenspiel von Glaube, Heimatliebe und meisterhafter Handwerkskunst zu verdanken. Mehr als 800 000 Euro wurden in den vergangenen Jahren bewegt, um die um 1500 errichtete Feldsteinkirche – eine der ältesten Nordsachsens – vor dem Verfall zu retten.
Dabei vollbrachten Planer und Handwerker wahre Meisterleistungen: Das durch Grundwasserschwankungen erschütterte Fundament wurde stabilisiert, Risse in der Wand und im Gewölbe saniert, neue Fenster, Türen und Bänke eingebaut. Wie groß dieser kollektive Kraftakt war, würdigte 2024 bereits die bundesweite Wahl zur „Kirche des Jahres“.
Bei spätsommerlichem Sonnenschein kamen zahlreiche Gäste auf der Kirchwiese zusammen. Pfarrerin Anja Christof sowie die Pfarrer Matthias Taatz und Daniel Senf richteten ihren tiefen Dank an alle Spender, Denkmalschützer und ganz besonders an die Handwerker, die mit Herzblut und Fachwissen dieses Haus Gottes Stein für Stein bewahrt haben.
Einen lebendigen Streifzug durch die Kirchenchronik bot der Delitzscher Oberbürgermeister Dr .Manfred Wilde. Er machte deutlich, dass die Kirche seit jeher der Ankerpunkt für die Menschen in Selben ist – in guten wie in schweren Zeiten. Beim anschließenden Rundgang machten eindrucksvolle Fotografien sichtbar, aus welch tiefem Dornröschenschlaf das Gebäude geweckt werden musste.
Das Festwochenende zeigte eindrucksvoll, was Dorfgemeinschaft bedeutet: Hand in Hand gestalteten die Kirchengemeinde Zschortau und der junge, 2025 gegründete Verein „Schöner Leben Selben e.V.“ den Tag. Die Vereinsmitglieder sorgten mit Kaffee, selbstgebackenem Kuchen und Herzhaftem vom Grill für das leibliche Wohl und schufen eine Atmosphäre der Vertrautheit. Es wurde gelacht, sich erinnert und gemeinsam nach vorn geblickt.
Die Selbener Kirche soll künftig weit mehr sein als ein Ort, an dem nur sonntags die Glocken läuten. Sie öffnet sich als Begegnungsstätte für die gesamte Region. Neben Gottesdiensten an Festtagen ist geplant, die Kirche künftig für musikalische Konzerte, Lesungen und kulturelle Veranstaltungen der örtlichen Vereine zu nutzen.
Den perfekten Vorgeschmack darauf bot dieser Spätsommerabend: Ein feierlicher Abendsegen und eine berührende Konzertandacht ließen die neu erwachte Akustik des Kirchenschiffs erstrahlen. Die Musik trug die Botschaft des Tages weit über die Dorfgrenzen hinaus: Aus einem gesperrten Denkmal ist wieder ein lebendiges Haus Gottes und ein warmes Zuhause für die Menschen geworden. Für Selben ist ein Stück Identität zurückgekehrt.