Idylle mit Verantwortung
Titelgeschichte: Die Sprottaer Bucht ist ein Ort zum Durchatmen – geschaffen als Ausgleich für den Kiesabbau. Doch damit die Oase erhalten bleibt, braucht es mehr Rücksicht von allen.

Der Heimatverein hat im vergangenen Jahr die Sprottaer Fuhrmannswaage saniert und mit einem großen Fest eingeweiht. Entstand ist so ein neuer Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft.
Sprotta. Ein warmer Sommerabend an der Sprottaer Bucht der Eilenburger Kiesgrube: Die Sonne senkt sich langsam über das Wasser, das im goldenen Licht schimmert. Eine leichte ­Brise bewegt das Gras, irgendwo lachen Menschen, leise Stimmen liegen in der Luft. Es ist einer dieser Orte, an denen man den Alltag für einen Moment vergisst – bei einem Picknick mit Familie oder Freunden, barfuß im Gras, mit Blick aufs Wasser.

Genau das ist es, was die Sprottaer hier gefunden haben: einen Rückzugsort, entstanden dort, wo einst vor allem Belastung spürbar war. Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer zieht es gleichermaßen an die kleine Bucht am Ortsrand. „So soll das auch sein“, sagt André Richter, Vorsitzender des Sprottaer Heimatvereins. Das Areal sei ganz bewusst für die Einwohner geschaffen worden – als Ausgleich für die Folgen des Kiesabbaus. „Der Lkw-Verkehr belastet den Ort stark. Umso wichtiger war es, einen Platz zu schaffen, an dem man zur Ruhe kommen kann.“

Doch so idyllisch die Sprottaer Bucht wirkt, so verletzlich ist sie auch. Gerade in den Sommermonaten zeigt sich die Kehrseite der Beliebtheit: Entlang der ­Eilenburger Landstraße wird trotz Verbots geparkt, Wiesen und Wege werden zugestellt. Und nicht alles, was mitgebracht wird, wird auch wieder mitgenommen.

Für den Heimatverein bedeutet das zusätzliche Arbeit – ­ehrenamtlich, Woche für Woche. „Ein Vereinsmitglied sammelt regelmäßig den Müll ein, die Gemeinde kümmert sich um die Entsorgung“, erklärt André Richter. Seine Worte werden dabei eindringlich: „Wir machen das hier alles freiwillig, in unserer Freizeit. Dieser Ort lebt davon, dass sich alle verantwortlich fühlen.“

Sein Appell ist unmissverständlich: Wer die Sprottaer Bucht genießen will, muss auch zu ihrem Erhalt beitragen. „Es ist eigentlich ganz einfach: Alles, was man mitbringt, nimmt man auch wieder mit nach Hause.“ Es schade auch nicht mit den vorhandenen Gießkannen die jungen Bäume zu wässern, damit sie später Schatten spenden können. Nur so könne dieser besondere Ort langfristig erhalten bleiben – als das, was er heute ist: ein Stück Lebensqualität für das ganze Dorf.

Auch beim Thema Parken setzt der Verein gemeinsam mit der Gemeinde auf Aufklärung statt Sanktionen. Ein eigens entworfener Flyer weist auf alternative Parkmöglichkeiten hin: etwa auf der „Platte“, rund 300 Meter entfernt, oder im nahegelegenen Gewerbegebiet in etwa 500 Metern Entfernung. Zusätzlich werden Kennzeichen notiert und bei wiederholten Verstößen Bußgelder in Aussicht gestellt. Langfristig ist geplant, entlang der Kreisstraße einen Zaun zu errichten, um unerlaubtes Parken zu erschweren.

Neben der Pflege der Bucht setzt der Heimatverein auch auf Veranstaltungen, um das Ortsleben zu stärken. Im September soll erstmals ein Kinoabend unter freiem Himmel stattfinden. „Unser beliebtes Drachenfest gibt es schon seit Jahren – jetzt möchten wir zum Sommerausklang etwas Neues anbieten“, sagt der Vereinsvorsitzende. Geplant ist eine Leinwand direkt an der Bucht, die Besucher bringen ihre eigenen Sitzgelegenheiten mit. Gezeigt werden soll ein Film aus der Eberhofer-Reihe. Für das leibliche Wohl sorgt der vereinseigene Pizzawagen.

Der Heimatverein Sprotta wurde 2019 aus dem früheren Kultur- und Heimatverein heraus neu gegründet. „Unser Ziel ist es, Sprotta attraktiv zu gestalten und lebenswert zu erhalten“, so Richter. Dazu gehören regelmäßige Arbeitseinsätze wie der Frühjahrs- und Herbstputz ebenso wie langfristige Projekte im Ort.

So wurden am Kaupendorfer Weg in Kooperation mit dem Landschaftspflegeverband Nordwestsachsen mehr als 20 alte Obstbaumsorten gepflanzt, ergänzt durch eine Obstgehölz­wiese in Richtung Doberschütz. Für die Pflege der Flächen hat der Verein unter anderem Bewässerungssäcke, eine Wasserpumpe und Sensen angeschafft. Unterstützung kommt auch aus der Bürgerschaft: „Für die Obstbäume hat Familie Börner mit gespendet und kümmert sich darüber hinaus auch um die Bewässerung und Pflege“, freut sich ­André Richter über dieses private Engagement.

Zum festen Bestandteil des Dorflebens zählen zudem Veranstaltungen wie das Nachbarbier, das Dorffest und der Weihnachtsmarkt, die in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr organisiert werden.

Ein weiteres Projekt wurde im vergangenen Jahr umgesetzt: die Sanierung der historischen Fuhrmannswaage. Dort entstand ein neuer Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft, der mit einer zünftigen Feier eingeweiht wurde. Bänke laden zum Verweilen ein, insbesondere Senioren nutzen den Ort für gemeinsame Kaffeerunden. Ergänzt wird das Angebot durch einen offenen Bücherschrank, in dem Bücher und Zeitschriften getauscht werden können. Auch eine Pflanzentauschbörse fand hier bereits statt.

Für dieses Jahr plant der Verein zudem eine Pannenhilfestation für Radfahrer. „Wir liegen im ­Naturpark Dübener Heide, entsprechend viele Radfahrer kommen durch unseren Ort“, sagt André Richter. An der Waage soll eine frei zugängliche Station mit Werkzeugen entstehen, um kleinere Reparaturen selbst durchführen zu können. Mit Blick auf den geplanten Radweg zwischen Doberschütz und ­Eilenburg sei dies eine sinnvolle Ergänzung der Infrastruktur.

Der Blick nach vorn zeigt: In Sprotta wird nicht nur bewahrt, sondern weitergedacht. Mit verschiedenen Projekten reagiert der Heimatverein auf neue Bedürfnisse – und macht den Ort zugleich attraktiver für Besucher und Einwohner.

und Nannette Hoffmann



Druckansicht