Roswitha und Wilfried Strauß sind früh da. Schon deutlich vor dem offiziellen Termin haben sie sich am Külz-Ring in Eilenburg eingefunden, um dabei zu sein, wenn der neue Nymphenbrunnen in Betrieb geht. Doch die erste Reaktion des Ehepaares ist Enttäuschung. Wo soll man denn sitzen? „An so einen Ort gehören Bänke hin“, sagt Roswitha Strauß und schaut sich suchend um. Die vorhandenen Sitzmöglichkeiten seien viel zu weit vom Geschehen entfernt, ergänzt ihr Mann. Und überhaupt: Der alte Brunnen sei schon toll gewesen. Der neue wirke hingegen weniger repräsentativ. Allerdings: Wenn dann das Wasser noch dazukomme, verändere sich vielleicht der Eindruck, geben sie dem neuen Bauwerk dann doch eine Chance.
Diese hat es auf jeden Fall verdient, wenn es nach Christiane Budig geht. Die Künstlerin hat sich in dem Wettbewerb mit ihrer Idee durchgesetzt. „Es gibt Kleinigkeiten, die noch fehlen“, verrät sie. „Im Grunde ist aber alles total schön geworden.“ Ja, es habe eine ganze Weile gedauert. „Doch das Ergebnis gefällt mir“, betont sie und bedankt sich bei Metallbauer Jörg Otto für die Umsetzung. „Es fehlen jetzt noch kleine Gold-Nuggets, die noch in den Boden eingebracht werden sollen.“ Oberbürgermeister Ralf Scheler blickt auf die Anfangszeit des Projektes zurück. „Es gab eine heiße Diskussion um die Gestaltung des Brunnens, wie das Ganze heute in der Neuzeit mal aussehen soll.“ Das habe die Stadt schließlich veranlasst, einen Wettbewerb zu veranstalten. „Was mir wehtat und auch weiter weh tut, ist, dass wir zwischendurch auch gewisse Dinge weglassen, das Projekt etwas abspecken mussten.“ Das Ergebnis könne sich aber trotzdem durchaus sehen lassen. „Und natürlich kommen die Bänke noch, weil ich vorhin schon erste Kritiken gesammelt habe“, verspricht der Rathaus-Chef.
Bauamtsleiter Philipp Zakrzewski erklärt, dass mehr als nur der Brunnen das Stadtzentrum bereichere. „Wir haben hier nicht nur diese schöne Anlage errichtet, sondern auch das Drumherum.“ Die Grünanlage sei neu angelegt worden, die Bushaltestellen seien ebenso wie die gesamte Straße am Külz-Ring, die Gehwege oder Parkplätze neu gemacht worden. Dabei seien insgesamt mehr als eine Million Euro öffentliche Gelder geflossen, davon auch ein großer Teil Eigenmittel der Stadt. Eine halbe Million städtische Eigenmittel seien dort verbaut worden, aber auch über 600.000 Fördermittel vom Bund aus der Städtebauförderung.
„Dazwischen war eben nicht nur eine Pandemie und ein Krieg, die die Kosten in die Höhe getrieben haben“, betont er. „Ich denke aber, das alles hat sich gelohnt.“ Das Geld sei gut angelegt. „Für die Stadt Einburg ist es eine schöne neue Fläche geworden, alle werden daran noch möglichst lange ihre Freude haben.“
Hildburg Schabehorn ist mit Enkel Julian zur Einweihung gekommen. Trotz anfänglicher Skepsis und einiger Verzögerungen zeigt sich die Eilenburgerin mit dem Ergebnis zufrieden: „Jetzt finde ich es schon hübsch“, betont sie.
Die Leidenschaft für die Stadtentwicklung teile sie vor allem mit ihrem Enkel. „Da gibt es am Wochenende immer einen Tag bei uns und da machen wir eine Baustellenbesichtigung“, erklärt sie. Trotz der positiven baulichen Entwicklung hat Hildburg Schabehorn auch einen konkreten Verbesserungswunsch für ihre Heimatstadt: „Mir würde mehr Sauberkeit gefallen.“
Martin Köhler ist einer der ersten, der seine Hand am neuen Brunnen ins Wasser hält. „Ich bin extra für dieses Ereignis heute aus Berlin angereist“, erzählt der gebürtige Eilenburger. „Ich bin geschichtlich interessiert und finde es auch gut, was hier aus der Idee gemacht worden ist“, ergänzt er.
Als schließlich Hunderte Fotos geschossen worden sind, verliert sich die Menge und zieht weiter in Richtung Zentrum. Auf dem Marktplatz laden zum Eilenburger Gezwitscher Präsentations- und Verkaufsstände ein. Es gibt Blumen, Honig, Handgemachtes und Akku-Rasenmäher, die über ein Stück Wiese holpern.
Gudrun Eidner und Mathilde Guthe lassen sich eine Erdbeer-Limonade schmecken. Auf einer Holzbank am Marktplatz genießen sie die Frühlingssonne. Wenn sie sich, heute am Tag der Städtebauförderung, noch etwas wünschen könnten für ihre Heimatstadt, was wäre das? Beide überlegen, nur ganz kurz. Schließlich sagt Mathilde Guthe mit Blick auf die Straße: „Die Tempo-30-Regel könnte meinetwegen schnell wieder abgeschafft werden.“ und S. Hering