Was bedeutet das für die vier Gartensparten im nahen Städtchen Böhlen? Kann man unbedenklich Tomaten und Gurken gießen? „Sorgen machen wir uns nicht“, sagt Tina Loth, die seit vier Jahren Vereinsvorsitzende ist. „Wir benutzen kein Brunnenwasser.“ Brunnen zu bohren sei nicht gestattet. Gegossen wird vor allem mit aufgefangenem Regenwasser oder eben Wasser aus der Leitung.
Das bestätigt die Landkreisbehörde. Im Ökologischen Großprojekt Böhlen werde das Grundwasser mit mehr als 100 Messstellen beobachtet und auf Schadstoffe analysiert. Nach diesen Erkenntnissen sei nicht bekannt, dass belastetes Grundwasser in Richtung der Kleingärten ströme.
„Dennoch kann nicht ausgeschlossen werden, dass kleinräumige, uns unbekannte Schadstoffeinträge in der Vergangenheit dazu geführt haben, dass das Grundwasser punktuell belastet sein kann“, sagte Landkreis-Sprecherin Belinda Reg’n. In der Gartensparte, die in unmittelbarer Nähe des Industriegebietes liegt, gebe es keine Brunnen.
Generell sind Brunnen bei der unteren Wasserbehörde anzeigepflichtig. In diesem Verfahren wird unter anderem geprüft, ob im Bereich der Bohrung Altlasten vorhanden sind. Und wenn ja, werden Beprobungen des Brunnenwassers empfohlen, je nach Nutzung auch mehrfach.
Auch mit der Altlast nebenan und ohne Brunnen ist das „Sonnenland“ außerordentlich beliebt. „Wir haben 50 Gärten und sind komplett ausgebucht“, sagte die Vereinsvorsitzende. Das ist selten: Viele Sparten im ländlichen Raum klagen über Leerstände. „Wenn bei uns etwas frei wird, findet sich über Hören und Sagen schnell jemand, der den Garten übernimmt“, berichtete sie.
Manche Bürger sorgen sich, dass belastetes Grundwasser auch aus dem Wasserhahn kommen könnte. Doch die Qualität des Trinkwassers wird aufwendig geprüft – es gilt als das am strengsten und häufigsten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland. Die 7000-Einwohner-Stadt Böhlen erhält ihr Trinkwasser vom Wasserwerk Kesselshain bei Borna sowie von der Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz.und Claudia Carell