Sein Weg nach Frohburg führte über den Motorsport. „Ich war immer mit dem Motorsport verbunden“, erzählt der Wuppertaler. Als Straßburger später seinen Meister machte und die Verantwortung für den Elektrobetrieb seines Vaters übernahm, entschied er sich gegen die aktive Rennfahrerlaufbahn. Dem Motorsport blieb Straßburger trotzdem treu – nur wechselte er die Seite. Seit 2001 ist der einst aktive Rennfahrer als Offizieller tätig. Der heute 49-Jährige kam in Frohburg zunächst als Sportkommissar zum Einsatz. Später wurde er gefragt, ob er die Rennleitung übernehmen könne. Er sagte zu – und ist seitdem ein fester Teil des Frohburger Dreieckrennens.
Als Rennleiter laufen bei ihm viele Fäden zusammen. Vor dem ersten Start gehören Streckenbegehungen, Fahrerbesprechungen, Zeitplan und die Abstimmung mit den verschiedenen Einsatzbereichen zu seinen Aufgaben. Während des Rennens werden in der Race Control die Informationen zusammengeführt: Was passiert auf der Strecke? Wie entwickelt sich der Zeitplan? Wann beginnt der nächste Lauf? Und wenn etwas passiert, müssen Entscheidungen getroffen und die entsprechenden Maßnahmen koordiniert werden. Nach dem Renntag folgt die Auswertung.
Doch gerade in Frohburg gehört für Straßburger noch etwas anderes dazu: der Blick auf das große Ganze. Denn das Frohburger Dreieck ist keine permanente Rennstrecke, die das ganze Jahr über darauf wartet, dass irgendwann wieder die Motoren starten. Innerhalb kürzester Zeit wird aus öffentlichen Straßen wieder eine Rennstrecke. Was für den Zuschauer am Rennwochenende selbstverständlich wirkt, ist das Ergebnis enormer Vorbereitung und vieler Hände. Streckenabschnitte müssen vorbereitet, Absperrungen und Einrichtungen aufgebaut, die Race Control eingerichtet und zahlreiche einzelne Bereiche miteinander verbunden werden. Und wenige Tage später verschwindet das alles wieder, die Straßen werden zurückgebaut und stehen der normalen Nutzung zur Verfügung.
Straßburger erlebt diesen Wandel unmittelbar. Gerade das beeindruckt ihn an Frohburg. Aus seiner Sicht hat der Verein über die Jahre immer weiter daran gearbeitet, die Veranstaltung und ihre Abläufe zu verbessern. Für ihn zeigt sich darin auch, wie viel Arbeit hinter einem Rennwochenende steckt, die das Publikum überhaupt nicht sieht. Denn vieles davon geschieht ehrenamtlich. Menschen sind schon lange vor dem ersten Rennstart im Einsatz und auch nach der letzten Zielflagge ist die Arbeit noch nicht vorbei. Für die Zuschauer soll all das möglichst unsichtbar bleiben. Sie sollen ein Wochenende lang Rennen schauen, Fahrer treffen, die besondere Atmosphäre genießen – und am Ende vielleicht gar nicht darüber nachdenken müssen, wie viel Organisation notwendig war, damit hier überhaupt Rennsport stattfinden kann.
Genau diese besondere Atmosphäre unterscheidet Frohburg für Straßburger von vielen anderen Veranstaltungen. „Ein ganz anderer Zusammenhalt“, sagt er. Für ihn sei das Rennen fast schon eine Feier. Fahrer und Teams begegneten sich auch abseits der Strecke sehr kollegial. Dazu kommt die besondere Stellung im Kalender: Frohburg ist für die IRRC-Rennklassen das Saisonfinale und damit für viele Fahrer und Helfer noch einmal ein gemeinsamer Abschluss der Saison. Was Straßburger an seiner Aufgabe hält, lässt sich dabei kaum allein mit Verantwortungsbewusstsein erklären. „Es ist ein Teil von meinem Herzen. Ich brauche es. Es macht mir einfach meinen Spaß.“ Auch lange Tage gehören dazu. 16 Stunden an der Strecke können es durchaus werden. Am Ende sei man zwar „platt, aber glücklich“.
Und genau diese Begeisterung verbindet er mit Frohburg. Gleichzeitig ist das Frohburger Dreieck weit mehr als eine Strecke. Historische Rennfahrzeuge, Youngtimer und moderne Sportbikes sorgen für ein Programm, das unterschiedliche Generationen anspricht. Für die Besucher ist das Ergebnis ein Rennwochenende, das von außen vielleicht leicht wirkt: Motoren an, Rennen fahren, Pokale verteilen.
Wer wie der Rennleiter hinter die Kulissen schaut, sieht etwas anderes. Er sieht Wochen und Monate der Vorbereitung, viele Menschen mit unterschiedlichen Aufgaben und einen Verein, der für wenige Tage aus Straßen eine Rennstrecke macht. Und vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum ihn Frohburg bis heute nicht loslässt.
und Doreen Müller-Uhlig