Einkaufsbox statt Dorfladen
Betreiber des Groitzscher Rewe-Marktes will in Kitzen einen personallosen Shop errichten

Pegau. Für das seit Jahren schwelende Problem der Nahversorgung in der Pegauer Ortschaft Kitzen zeichnet sich jetzt eine überraschende Lösung ab. Demnach könnte noch in diesem Jahr der Startschuss zum Bau einer Verkaufseinrichtung erfolgen, die ohne Personal betrieben wird und an allen Tagen rund um die Uhr geöffnet ist. Allerdings hängt der Plan aktuell noch an einem seidenen Faden.

Vorgestellt wurde das Konzept unlängst im Rahmen einer eigens einberufenen Einwohnerversammlung. Im mit über 80 Personen vollbesetzten Saal des Kitzener Schlosses präsentierte der Groitzscher Rewe-Chef Michel Fritsche die Idee, im Dorf eine „Rewe-Box“ zu errichten. Sie soll dort entstehen, wo bislang schon der Bau des „Dorfladens“ geplant war. Das Konzept ist analog der mancherorts bereits bestehenden „Nahkauf-Boxen“ gestrickt, berichtete Fritsche. Die verfügen über eine Verkaufsfläche zwischen 40 und 100 Quadratmetern und werden ohne Personaleinsatz betrieben. „Kunden können sich ihre Waren genau wie in einem normalen Markt aus dem Regal nehmen, scannen sie an der automatischen Kasse und bezahlen dort auch.“

Michel Fritsche habe nicht lange überlegen müssen, als ihm Ortschaftsrat Victor Johannsen diese Idee vor drei Monaten unterbreitet hat. „Ich habe die Standortbedingungen mit Rewe auf Herz und Nieren geprüft. Sie wurden für gut befunden, wir könnten eigentlich loslegen“ teilte der Kaufmann mit.

Eigentlich? Gebremst wird die Euphorie aktuell noch von einer fehlenden Ausnahmeregelung. „Ohne die Genehmigung, die Einrichtung täglich rund um die Uhr öffnen zu dürfen, nehmen wir keinen Cent in die Hand“, machte Fritsche deutlich. Er wies darauf hin, dass sich Einkaufsmärkte dieser Art vor allem durch die Umsätze an Sonn- und Feiertagen rechnen.

Vor dem Hintergrund des Ladenschlussgesetzes und anderer Regelungen beklagte Fritsche die unterschiedliche Handhabung in den Bundesländern, die bei den Investoren für Unsicherheit sorgen. „Für diese Form des Verkaufs gelten nicht die gleichen Regeln wie beim Betrieb von Verkaufsautomaten, deshalb wird das mitunter wie eine rechtliche Grauzone behandelt“, befürchtet Fritsche. In Kitzen bekam er allerdings starke Rückendeckung. Der Ortschaftsrat bekannte sich einstimmig zu diesem Vorhaben, und auch Pegaus Bürgermeister Frank Rösel (parteilos) kündigte die Unterstützung durch das Rathaus und den Stadtrat an. In der anwesenden Bürgerschaft wurde sogar eine Unterschriftensammlung ins Auge gefasst, um dem Antrag auf die Ausnahmeregelung Gewicht zu verleihen. Der wurde inzwischen von einer Bürgerin auf den Weg gebracht.

„In diesem Jahr schaffen wir die Eröffnung nicht mehr“, betonten Ortschaftsrat Johannsen und Kaufmann Fritsche unisono. Mit der Aussicht, „irgendwann 2027“ im Ort einkaufen zu können, waren die im Saal versammelten Kitzener allerdings schon zufrieden.

und Rainer Küster
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