So würde eine Teilzeitkraft mit 20 Wochenstunden schon ab der 21. Stunde Überstunden leisten, eine Vollzeitkraft mit 38 Stunden erst ab der 39. Stunde. Maßstab ist immer die vereinbarte wöchentliche Arbeitszeit. Das gilt auch in Gleitzeit: Wer an einem Tag zehn Stunden arbeitet, leistet erst Überstunden, wenn es in den nächsten Tagen keinen Ausgleich gibt.
Müssen Überstunden bezahlt werden? Nicht zwangsläufig. „Nur wenn der Arbeitgeber die Überstunden angeordnet, gebilligt oder geduldet hat, besteht in der Regel ein Vergütungsanspruch“, sagt Kleinhenz. Ob die Stunden ausbezahlt oder durch Freizeit ausgeglichen werden, hängt von den vertraglichen und tariflichen Regelungen ab.Beim finanziellen Ausgleich ist zudem eine zweite Hürde zu beachten: die Ausschlussfrist. Oft schreiben Arbeits- und Tarifverträge Arbeitnehmern vor, dass sie Überstundenansprüche innerhalb von drei Monaten in Textform geltend machen müssen, etwa per Mail. „Daran muss man denken, sonst können sie verfallen“, warnt Kleinhenz.
Viele Arbeitsverträge enthalten Formulierungen wie „Überstunden sind mit dem Gehalt abgegolten“. Solche Klauseln sind nur wirksam, wenn sie eine klare Obergrenze enthalten. „Bei 40 Wochenstunden sind zehn, fünfzehn Überstunden pro Monat unproblematisch“, sagt Kathrin Schulze Zumkley, Fachanwältin für Arbeitsrecht.
Es gebe zwar keine festen Grenzen, aber „zehn Prozent mehr kann ein Arbeitgeber in der Regel ohne zusätzliche Vergütung verlangen – wenn die Zahl der abgegoltenen Überstunden im Arbeitsvertrag steht“, betont die Rechtsanwältin. Fehlt die konkrete Obergrenze, ist die gesamte Klausel unwirksam. Leer geht auch aus, wer Überstunden nicht belegen kann. „Ein Überstundenkonto, das der Vorgesetzte abzeichnet, ist ideal“, sagt Schulze Zumkley. Damit ist dokumentiert, dass der Arbeitgeber die Mehrarbeit kennt und akzeptiert.Was tun, wenn es zuviel wirrd? Beschäftigte sollten gemeinsam mit dem Vorgesetzten nach Lösungen suchen, indem sie über Prioritäten und Arbeitsmenge sprechen. „Zukunftsgerichtet und gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten ist besser als gegenseitige Vorwürfe“, sagt Schulze Zumkley.