Frohburg hält andrei Grundschulen fest
Stadt kauft altes Amtsgericht, um später einen Campus zu bauen

Frohburg/Kohren-Sahlis/Frankenhain. Frohburg, Frankenhain, Kohren-Sahlis: Drei Grundschulen gibt es im Stadtgebiet von Frohburg im Süden des Landkreises Leipzig. 430 Mädchen und Jungen lernen hier aktuell. Ihre Zahl nimmt in den nächsten Jahren rapide ab. Zu Beginn der Dreißigerjahre schon rutscht sie deutlich unter die Marke von 300.

Die Grundschulen Frankenhain und Kohren-Sahlis – wie drei weitere im Landkreis – könnten dann die gesetzlich geforderte Mindestschülerzahl nicht mehr bringen. Diese Gefahr beschreibt die neue Schulnetzplanung. Doch was bedeutet das für diese Schulen im Ländlichen? „Wenn man sieht, wohin es in den Kitas geht, eine Auslastung von teilweise nur noch 50 Prozent oder sogar darunter, weiß man: Das wird bei den Grundschulen ankommen. Da muss man realistisch sein“, sagt Karsten Richter (CDU), Bürgermeister von Frohburg. „Unser Ziel ist es aber – und das sieht der Landkreis zum Glück genauso –, alle Grundschulen zu erhalten, um die Kinder nahe ihres Wohnortes unterrichten zu können.“ Keinesfalls dürften sich die Fehler der Nachwendejahre wiederholen, wo in Größenordnungen erst Kindereinrichtungen und dann Schulen geschlossen wurden, etwa die Grundschulen in Flößberg und Prießnitz.

Das Sächsische Schulgesetz schreibt mindestens 15 Schüler für eine 1. Klasse vor. Selbst wenn es da für Frankenhain und Kohren-Sahlis – wie es der Landkreis prognostiziert – „ab dem Prognosejahr 2029/30 teilweise knapp“ werden könnte oder die Forderung nicht erfüllt werden könnte, gebe es ein Regulativ: Der gemeinsame Schulbezirk Frohburg wäre dann ein Rettungsanker. Denn er ermöglicht es der Kommune, zwischen den drei Schulen einen Ausgleich zu schaffen. Zudem lässt das Gesetz in ländlichen Gebieten Abweichungen zu, gibt es zudem die Option eines jahrgangsübergreifenden Unterrichts.

Der Kreistag beschloss am 6. Mai den überarbeiteten Schulnetzplan und stellte klar: Schulschließungen soll es keine einzige geben. Doch die Schülerzahlen für die drei Frohburger Grundschulen sinken laut Schulnetzplan erheblich - im aktuellen Schuljahr sind es 430, im Schuljahr 2030/31 nur noch 300, im Schuljahr 2034/35 lediglich 274. Die Zahl der Geburten würde demnach bis zum Ende des Jahrzehnts von 120 auf 45 sinken.

„Die Kurve wird auch wieder nach oben weisen. Die Frage ist nur, wie lang ist der Zeitraum bis dahin“, sagt Karsten Richter. Klar sei: „Wir setzen auf Zuzug. Die Nachfrage nach Wohnraum ist ungebrochen.“ Gerade saniert ein privater Investor die Wohnblocks in der Greifenhainer Straße. Im Hintergrund der Bahnhofstraße sei ein Wohnbaugebiet in der Vorbereitung. Mittelfristig würden im Wyhrabogen Wohnungen entstehen. In vielen der 33 Ortsteile würden Gebäude aus- oder neugebaut.

In den vergangenen Jahren investierte die Stadt große Summen in ihre Schulen. Die größte in die Grundschule Kohren-Sahlis, die nun innen top ist, über ein grünes Außengelände verfügt, eine Turnhalle, sogar ein – noch nicht saniertes – Lehrschwimmbecken. Noch 2026 will die Kommune die Toiletten in der Grundschule Frankenhain in Ordnung bringen, später auch das Dach.

Für die Kernstadt selbst wird seit Längerem an einem Campus geplant. Er soll für die Oberschule Frohburg, die sich über die Stadtgrenzen hinaus großen Zuspruchs erfreut und seit Jahren trotz Erweiterungsbaus am Limit ist, Entlastung schaffen. Der Stadtrat beschloss deshalb, dass die Kommune die beiden Gebäude des alten Amtsgerichts gleich nebenan kauft. Sie sollen perspektivisch die Grundschule aufnehmen.

Das heutige Grundschulgebäude würde dann der Oberschule zugeschlagen. Die beiden Horte und die Sporthalle rundeten den Campus ab. „Das ist unsere Vision“, sagt Richter. Zukunftsmusik. Er verschweigt nicht: Die Frage, wie sich diese immense Investition eines Jahres finanzieren lässt, ist heute nicht beantwortbar.

Betrachtet man die Schullandschaft von Frohburg, darf man ein Projekt nicht außer Acht lassen: Eine Gruppe engagierter Eltern befasst sich mit dem Aufbau einer nichtstaatlichen Schule. Die Freie Demokratische Schule Kohrener Land orientiert sich an der Walddorf-Pädagogik. Eine Konkurrenz für die bestehenden Grundschulen – oder eine Bereicherung für Frohburg?

Karsten Richter sieht das grundsätzlich positiv. Ein solches Angebot „kann für unsere Region ein Vorteil sein, denn sicherlich kommen zahlreiche Schüler auch von außen“. Ob der Druck auf die staatlichen Schulen wachse, lasse sich schwer abschätzen. „Wir sind wirklich gesprächsbereit.“

und ekkehard schulreich
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