Das ist nicht die einzige Veränderung. Das Ausflugsziel nahe des Lindenvorwerks hat neue Betreiber. Doreen Glöckner-Otto und René Otto führen fort, was Karola und Jörg Günther mehr als zwei Jahrzehnte zuvor begründeten. Und sie setzen neue Akzente.
Dieser Familienausflug nach Linda (Stadt Frohburg) hatte weitreichende Folgen: „Wir waren im letzten Herbst im Irrgarten. Mein Mann sah das Schild: Käufer gesucht. Und spürte deutlich, er ist gemeint. Der Gedanke hat ihn nicht mehr losgelassen“, sagt Doreen Glöckner-Otto. Mehrere Jahre schon trug René sich mit dem Gedanken, eine Hüpfburgen-Erlebniswelt in der Region zwischen Leipzig und Chemnitz aufzubauen. Nur fand sich bis dato keine geeignete Immobilie dafür.
Beide, zu Hause in Arnsdorf (Stadt Penig), sind Unternehmer, allerdings in einer ganz anderen Branche. Ihr Dienstleistungsbetrieb mit drei Dutzend Beschäftigten reinigt unter anderem Kindergärten, Arztpraxen, Firmengebäude. „Ich habe mich mit Jörg ans Feuer gesetzt. Wir haben Fleisch gebraten und sinniert, wie die Zukunft aussehen könnte“, erzählt René Otto. Aus dieser Begegnung, wie die Szene eines Westernfilms, resultierte ein Entschluss, den Doreen ebenso trägt: „Wir machen es. Wir sind auf einer Wellenlänge.“
In den vergangenen Wochen wurde der Irrgarten für die neue Saison vorbereitet. Parallel fand ein Umbau statt. Der kleine Teich mit den Enten, die Gehege für Ziegen und Hühner verschwanden. Flächen wurden geschaffen für 20 Hüpfburgen: ein Traktor, eine Riesenrutsche, ein 15 Meter langer Hindernis-Parcours. Jede Hüpfburg ist ein Unikat. „Unsere Kinder Kerisa und Kerido lassen hier ihrer Fantasie freien Lauf. Sie zeichnen die Modelle, und wir lassen sie dann anfertigen.“
Seine Feuertaufe erlebte der größere Imbiss samt Biergarten bereits. Zu Ostern war der Andrang enorm. „Willkommen sind bei uns ausdrücklich nicht nur Irrgarten-Besucher, sondern auch Spaziergänger und Radler“, sagt Doreen Glöckner-Otto. Konzeptionell setze man fort, was den Irrgarten über zwei Jahrzehnte anziehend macht – oder ausziehend wie der FKK-Tag, der am 28. Juni erneut stattfindet.„Wir schauen, was zu uns passt, und entwickeln auch Neues“, ergänzt René Otto. Das könnte Open-Air-Kino an Sommerferien-Abenden sein, bei dem die Kinder im großen Ofen selbst Pizza backen. Das könnte aber auch eine Cocktailbar sein. „Die Ideen gehen uns nicht aus.“
Daran haben Karola und Jörg Günther keinen Zweifel. „Wir sehen, was wir seit 2005 Stück für Stück aufbauten, in guten Händen“, sagt Jörg Günther. Loszulassen aber falle beiden trotzdem schwer, „viel schwerer, als wir uns das vorstellen konnten“. 2024 waren sie in die Offensive gegangen, um langfristig jemanden zu finden, der ihr Lebenswerk fortsetzt. Doch plötzlich ging es ganz schnell. Ein Glücksfall.
Noch sind beide in Kohren-Sahlis zu Hause. Doch der Umzug in Deutschlands hohen Norden zur Tochter nach Glücksburg im Herbst ist beschlossene Sache. Fritzi ist bereits abgereist, lebt jetzt in einem Hofkindergarten. Gemeint ist der Ziegenbock, ein Liebling vor allem der Kinder. Günthers, zu jung noch für die Rente, wollen in Schleswig-Holstein beruflich noch einmal neu durchstarten; er ist Metallbaumeister, sie Fachkraft in der Pflege.
Für Doreen Glöckner-Otto und René Otto hat das neue Lebenskapitel schon begonnen. Das Irrgarten-Personal haben sie übernommen und aufgestockt. Ihr Dienstleistungsunternehmen läuft ohne Abstriche weiter. Irrgarten und Bullumpy werden kein Saisongeschäft sein. Selbst im Winter soll es sich lohnen, nach Linda zu kommen. E. scund hulreichGeöffnet ist täglich – Montag bis Mittwoch von 14 bis 18 Uhr, Donnerstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr.