In den frühen 1960er Jahren gehörte Carlfriedrich Claus zu den Mitbegründern und Exponenten der internationalen visuellen Poesie. Sprache war bei ihm nicht nur das Material seiner Kunst, sondern auch ihr ureigenes Thema. Indem er schrieb, lösten sich die Zeichen unter seiner Hand und gewannen grafische Qualität. Statt verbaler Botschaften werden so Affekte und Stimmungen sichtbar, die in die Entstehung dieser Schriftbilder hineingewirkt haben. Sowohl die Zeichnungen und Grafiken von Gerhard Altenbourg als auch die Sprachblätter von Carlfriedrich Claus fielen aus dem Raster des normativen DDR- Realismus heraus. Stattdessen genossen diese Künstler früh eine internationale Aufmerksamkeit, was wiederum Repressionen in der DDR nach sich zog und damit ihr solidarisches, wertschätzendes, wenn auch nicht immer unkritisches Verhältnis zueinander stärkte.
Carlfriedrich Claus wurde als einziges Kind des Schreibwaren- und Kunstbuchhändlers Johannes Friedrich Emil Claus (1887–1944) und dessen Frau Johanna Luise Claus (1893–1969) in Annaberg/Erzgebirge geboren. 1933 zog die Familie in die Buchholzer Straße 10 Souterrainwohnung unter dem Kino „Gloria-Palast“). Zum 75. Geburtstag von Carlfriedrich Claus wurde seine Wohnung, in der er über Jahrzehnte gewohnt und gearbeitet hatte, vom Förderverein Carlfriedrich Claus – Lebens- und Arbeitsort in Annaberg-Buchholz e. V. Sponsoren und Leihgebern renoviert und der Öffentlichkeit als Begegnungsstätte übergeben. Die Wohnung/Studienraum Buchholzer Str. 10, Eingang Johannisgasse in Annaberg-Buchholz ist für Interessierte besuchbar.
Im August 2008 wurde zwischen dem Annaberger Förderverein Carlfriedrich Claus und der Stiftung Carlfriedrich-Claus-Archiv in Chemnitz eine Kooperation vereinbart, um das Werk von Claus zu bewahren. Die Ausstellung ist eine Kooperation zwischen der Stiftung Siebeneichler und dem „Kunstkeller Annaberg e.V“. Zum Künstlergespräch ist Jörg Seifert, Kenner und Sammler von Carlfriedrich Claus, zur Ausstellungseröffnung anwesend.