Gottes guter Rhythmus
Gedanken zum Sonntag

„Lobet ihn mit Pauken und Reigen.“ So heißt es in Psalm 150. Vor vierzehn Tagen habe ich beim Dorffest in Kriebitzsch die Trommelformation Como Vento der Johanniter erlebt. Junge Menschen standen da, ganz unterschiedlich, jede und jeder mit eigener Art, eigener Kraft, eigenem Rhythmus. Und doch wurde aus ihnen ein gemeinsamer Klang.

Besonders beeindruckt hat mich der Chorleiter. Er dirigierte nicht einfach nur. Es sah fast so aus, als spiele er auf einem großen, lebendigen Klavier. Die Trommlerinnen und Trommler waren wie seine Tasten. Ein Zeichen mit der Hand, ein Blick, eine kleine Bewegung — und schon antwortete die Gruppe mit Klang, Energie und Bewegung. Trommeln braucht Kraft. Man sieht es den Armen an, den Schultern, dem ganzen Körper. Aber es braucht auch Aufmerksamkeit. Hören. Warten. Einsetzen. Sich einfügen. Und natürlich passieren Fehler. Ein Schlag kommt zu früh, einer zu spät. Doch auch das gehört dazu. Manchmal wird sogar aus dem Fehler etwas Neues. Der Rhythmus nimmt ihn auf, und die Musik geht weiter.

Vielleicht ist das ein schönes Bild für unser Leben miteinander. Niemand spielt immer fehlerfrei. In Familien nicht, in Dörfern nicht, in Gemeinden nicht. Wir vergreifen uns im Ton. Wir überhören andere. Wir setzen falsch ein.

Der christliche Glaube sagt: Gott lässt uns damit nicht allein. In Jesus Christus kommt er selbst in unseren unruhigen Takt hinein. Christus hört nicht nur die gelungenen Töne. Er nimmt auch das Brüchige auf, das Schiefe, das Unfertige. Und er schenkt einen neuen Anfang, Versöhnung, Frieden. Paulus schreibt: „Christus ist unser Friede.“

Im Juni liegt der Sommer vor uns: Feste, Begegnungen, offene Türen, Musik im Freien. Vielleicht erinnert uns diese Zeit daran: Gott hat Freude an lebendiger Vielfalt. Nicht jeder muss gleich klingen. Aber jeder kann etwas beitragen. Und manchmal schwappt diese Freude über — wie beim Trommeln in Kriebitzsch. Dann spüren Menschen: Hier ist Leben. Hier ist Gemeinschaft. Hier klingt etwas von Gottes guter Welt.

und Jörg BachmannPfarrer i.R.Kriebitzsch
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