Pfingsten: Nicht allein zurückgelassen
Gedanken zum Sonntag

Abschiede verändern Räume. Eben war noch jemand da, und plötzlich bleibt ein Platz leer. Nach einem Wegzug, einem Verlust, einer Trennung macht man weiter — aber etwas fehlt. Die Zukunft liegt offen da und wirkt nicht nur verheißungsvoll, sondern auch unsicher.

So beginnt die Geschichte vor Pfingsten. Jesus ist nicht mehr sichtbar bei seinen Jüngern. Himmelfahrt heißt: Christus entzieht sich ihrem Blick. Er geht zu Gott. Zurück bleiben Menschen, die ihn lieben, aber nun ohne seine vertraute Nähe leben müssen. Sie haben Ostern erlebt. Sie glauben: Er lebt. Und doch steht die Frage im Raum: Wie sollen wir ohne ihn weitergehen? Pfingsten ist Gottes Antwort auf dieses Alleinsein. Jesus lässt seine Freunde nicht verwaist zurück. Was er versprochen hat, geschieht: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird“ (Apostelgeschichte 1,8). Dann erzählt die Bibel von Wind und Feuer. Von Flammen, die sich auf die Jünger setzen. Von Menschen, die plötzlich Worte finden, wo vorher Angst war. Aus Rückzug wird Aufbruch. Aus Verunsicherung wird Sendung. Aus einer kleinen Gruppe wird eine Bewegung, die bis heute weitergeht.

Christen glauben: Dieser Geist ist der Geist Jesu Christi. Seine Nähe in neuer Weise. Nicht mehr nur neben ihnen, sondern in ihnen. Christus ist nicht verschwunden. Er ist anders gegenwärtig: tröstend, stärkend, erneuernd. Das ist erstaunlich aktuell. Viele Menschen fühlen sich heute allein gelassen: von der Politik, von Institutionen, von anderen Menschen, manchmal sogar vom Leben selbst. Pfingsten widerspricht dieser Verlassenheit. Es sagt: Gottes Zukunft beginnt dort, wo Menschen neuen Mut empfangen.

Das Feuer von Pfingsten brennt nicht nieder. Es macht hell. Es wärmt. Es erneuert. Es entzündet Hoffnung, die nicht im Gefühl stecken bleibt, sondern Hände und Füße bekommt: im Zuhören, im Vergeben, im Brückenbauen, im Eintreten für andere.

Pfingsten heißt: Christus lässt seine Menschen nicht allein. Sein Geist schafft Gegenwart, wo Leere war. Und Zukunft, wo Angst das letzte Wort haben wollte. und Jörg BachmannPfarrer i.R.Kriebitzsch
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