„Die Volkshochschule ist ein Ort der Begegnung“
Die Leiterin der Volkshochschule Altenburger Land, Kristin Treichel, spricht über neue Wege und einen gemütlichen Sonntag

Altenburg. Kristin Treichel lächelt und wirkt überraschend entspannt. Schließlich hat sie erst am 1. April die Leitung der Volkshochschule Altenburger Land (VHS) von Gudrun Pfeifer übernommen. Die verabschiedete sich Ende März als dienstälteste VHS-Leiterin Thüringens in den wohlverdienten Ruhestand, nachdem sie die Leitung seit 2001 innehatte. Ganz schön große Fußstapfen, oder?

„„Die Arbeit meiner Vorgängerin, Frau Pfeiffer, war in Führung, Haltung und Entwicklung für mich ein klares Vorbild. Sie hat die Einrichtung mit hoher Kontinuität und großem Verantwortungsbewusstsein geprägt. Daran möchte ich anknüpfen und diese Grundlage weitertragen. Gleichzeitig möchte ich neue Impulse setzen, besonders in Richtung Digitalisierung, Strukturentwicklung und Zielgruppenarbeit“, sagt Kristin Treichel, die bereits seit September 2021 als Programmbereichsleiterin für Beruf, Digitale Kompetenzen und Gesundheit und als stellvertretende Leiterin in der VHS Altenburger Land arbeitete: „Mein engagiertes Team hat mich in meiner neuen Position gut aufgefangen. Ich habe viel Zuspruch erhalten und Freude darüber erlebt, dass ich die Leitung übernehmen darf. Für mich ist das ein Vertrauensbeweis, der mir viel bedeutet. Die neue Aufgabe ist für mich ein nächster Schritt mit mehr Verantwortung, aber auf einer vertrauten Grundlage.“

Die Wahl-Thüringerin, die zusätzlich auch weiterhin den Programmbereich Gesundheit leitet, geht bei ihrer Arbeit in der Volkshochschule richtig auf. Ihr liegt vor allem die Entwicklung der VHS am Herzen. „Wir sind eine lernende Institution und entwickeln unsere Angebote und Arbeitsweisen kontinuierlich weiter. Wir hinterfragen Bestehendes, lernen aus Erfahrungen und passen uns neuen Anforderungen an.“

Stolz ist Kristin Treichel auf die Installation des Digitalcafés in Altenburg und Schmölln, denn digitale Grundbildung bleibt ein großes Thema. Hier kommen vor allem Senioren zusammen, um digitales Grundwissen und manches darüber hinaus zu erlernen. Neben dem Umgang mit Smartphone und Tablet gehören hier auch KI, die elektronische Patientenakte und Gesundheits-Apps zu den Themen. „Die Leute verlieren nach und nach die Berührungsängste mit diesen Themen. Das zu sehen, ist toll“, sagt Kristin Treichel mit einem Lächeln. Dabei müsse die Volkshochschule auch den Spagat zwischen Digitalisierung und Begegnung meistern. „Es ist unsere Aufgabe, wohnortnahe Bildung und Wissen in vielfältigen Formaten zugänglich zu machen und Menschen dabei zu unterstützen, sich in einer zunehmend digital geprägten Welt sicher zu orientieren. Gleichzeitig bleibt die Volkshochschule ein Ort der persönlichen Begegnung. Gerade in einer Zeit, in der digitale Kommunikation immer mehr Raum einnimmt, gewinnen analoge Lern- und Begegnungsräume zusätzlich an Bedeutung.“

Die Kurse orientieren immer mehr an den Bedürfnissen und Interessen der Besucherinnen und Besucher. Das Altenburger Land steht zunehmend vor einer demografischen Entwicklung mit weniger und älteren Einwohnern. Das wirkt sich direkt auf Bildungsbedarfe aus. Gleichzeitig entstehen neue Chancen, weil Weiterbildung noch wichtiger wird, um Teilhabe zu sichern und Fachkräfte zu entwickeln.

„Wir möchten aber nicht nur Bildungsbedarfe erkennen, sondern gleichzeitig auch neue Interessen wecken und Menschen ermutigen, sich mit bislang unbekannten Themen auseinanderzusetzen. Kürzere Formate werden wichtiger, so werden auch „kleine Häppchen-Kurse“, Kurse die aus drei bis fünf Einheiten bestehen, im Bereich Beruf und Digitale Kompetenzen immer beliebter. Viele möchten sich nicht mehr über Wochen binden. Die kurzen Formate bieten mehr Flexibilität“, berichtet die neue VHS-Leiterin, die die positive Entwicklung der VHS weiterführen möchte. Im Jahr 2025 fanden in den sechs Fachbereichen insgesamt 536 Veranstaltungen mit etwa 7100 Teilnahmen statt. Die Volkshochschule Altenburger Land bietet dafür eine große thematische Vielfalt. Online- und Präsenzangebote ergänzen sich stärker. Und natürlich gibt es auch den einen oder anderen ausgefallenen Kurs wie „Wander-Yoga“ oder „Kochkurs mit Wildkräutern“ im Programm.

Gesundheitsangebote, politische Bildung, Sprachen und Integrationskurse bilden wichtige Schwerpunkte. Politische Bildung gewinnt an Bedeutung, gerade in einer Zeit, in der Orientierung wichtig ist. Gesundheitsbildung, mentale Stabilität und nachhaltiges Leben gehören ebenfalls dazu. Sprachen und Integration sind von großer Bedeutung, weil sie gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen und Menschen miteinander verbinden. Ebenso wichtig sind die Bereiche Gesellschaft, Kultur und Gestalten. Sie schaffen Räume für Kreativität, Austausch und persönliche Entwicklung.

Kristin Treichel selbst hatte mit 15 Jahren erstmals Kontakt mit der Volkshochschule. Damals besuchte sie gemeinsam mit einer Freundin den Kurs „Zehnfingerschreiben mit der Schreibmaschine“ in ihrer Heimatstadt Lutherstadt Eisleben.

„Kein Touchscreen, kein Autokorrektur-Schutz, nur Tasten, Papier und Geduld. Jeder Anschlag ein kleines Training in Disziplin und Geschwindigkeit. Heute würde ich sagen, ich beherrsche das ziemlich perfekt“, sagt Kristin Treichel. Nach der Schulzeit studierte Kristin Treichel in Dresden und Halle/Saale Erwachsenenbildung.

Danach arbeitete sie acht Jahre lang in Dessau-Roßlau für einen deutschlandweit aktiven Bildungsträger. Nach acht Jahren im Leipziger Land zog es sie im Herbst 2021 mit der Familie ins Altenburger Land. „Mein Lebenspartner war hier bereits seit vielen Jahren beruflich tätig und die Einschulung unseres Sohnes stand 2022 bevor, sodass wir uns bewusst für diesen Schritt entschieden haben. Ich habe zwei Kinder, sie sind heute zehn und sieben Jahre alt. So haben wir in der Gemeinde Nobitz ein Haus gebaut und sind hier heimisch geworden“, erinnert sie sich. Das eigene Engagement in der Kita und in der Grundschule sowie als Übungsleiterin im Kindersport habe das Ankommen erleichtert.

Wenn Kristin Treichel nicht für die Volkshochschule oder für ihre Familie im Einsatz ist, kümmert sie sich um ihren Garten und sitzt dabei gern auf dem Rasentraktor. Außerdem spielt sie Badminton beim TSV 1876 Nobitz oder liest gern einmal ein gutes Buch. Gern hätte sie die Zeit, selbst noch einen VHS-Kurs zu besuchen. „Am liebsten Yoga“, sagt sie. Die Sonntage verbringt die Familie bewusst ohne feste Termine und Verpflichtungen. Statt eines strikten Zeitplans beginnt der Tag ruhig und entschleunigt. Man lässt sich Zeit für den Morgen, genießt die Ruhe und kommt erst nach und nach zusammen. Im Laufe des Vormittags trifft sich die Familie zu einem ausgedehnten Frühstück. So wird der Sonntag zu einem kleinen Inselmoment im Alltag, geprägt von Gemeinschaft, Ruhe und einen bewussten Start in den Tag.

und Andreas Wendt

Veranstaltung: Am 2. Juni findet in der Volkshochschule Altenburg (Hospitalstraße 6) ein Vortrag innerhalb der Vortragsreihe „Seelische Gesundheit“ statt, mit dem Titel „Ambulante Psychotherapie – Wie läuft das eigentlich?“. Referentin ist Pauline Baßler, Psychologin (M. Sc.) von der Evangelischen Lukas-Stiftung Altenburg. Die Veranstaltung dauert von 18 bis 19:30 Uhr an und ist entgeltfrei. Weitere Informationen zum aktuellen VHS-Programm unter www.vhs-altenburgerland.de



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