In diesen Tagen und Wochen gibt es manches Heimat- und Dorffest. Menschen kommen zusammen, die sich lange kennen oder neu begegnen. Es wird erzählt, gelacht, gegessen, gesungen. Man sieht vertraute Gesichter, hört alte Namen und geht Wege voller Erinnerungen.
Heimat ist mehr als ein Ort auf der Landkarte. Sie hat einen Klang: Glocken, Stimmen, vielleicht auch ein Wort in Mundart. Sie hat Gerüche: frisches Heu, nasse Erde, Kuchen aus der Küche. Heimat ist das stille Gefühl: Hier bin ich nicht ganz fremd.
Und doch ist Heimat zerbrechlich. Orte verändern sich. Familien wohnen weit auseinander. Gewohntes verschwindet. Manche haben Heimat durch Krieg, Flucht oder persönliche Brüche verloren. Andere fühlen sich innerlich heimatlos, obwohl sie äußerlich angekommen sind. Da ist ein Gebet, das viele Menschen kennen: das Vaterunser. Christen beten es bis heute. Aber auch Menschen, die selten in die Kirche gehen, tragen manche seiner Worte noch in sich. Sie klingen vertraut, wie eine Sprache des Vertrauens.
„Vater unser im Himmel“ — das ist mehr als ein religiöser Satz. Es ist eine Einladung. Wer so betet, muss sich nicht erst beweisen. Er darf da sein: mit Dankbarkeit und Zweifel, mit Schuld und Sehnsucht, mit Freude und Müdigkeit. Mit „Vater“ ist nicht gemeint, dass alle menschlichen Vatererfahrungen gut wären. Gemeint ist: Gott wendet sich Menschen zu und lässt sie nicht allein. Auch die Bitte um das tägliche Brot ist nah am Leben. Sie meint alles, was Menschen heute brauchen: Nahrung, Frieden, Arbeit, Gesundheit, ein gutes Wort, einen Menschen an der Seite. Weil es „unser“ Brot heißt, richtet sich der Blick auch auf Einsame, Überforderte, Hungrige und Vergessene.
Christlicher Glaube verklärt Heimat nicht. Er dankt für sie, auch hier im Altenburger Land. Aber er erinnert: Die tiefste Geborgenheit liegt nicht in dem, was wir festhalten können. Sie liegt bei Gott, zu dem Jesus Christus Menschen beten lehrt — und der uns hält, wenn eigene Sicherheiten brüchig werden.
und Jörg BachmannPfarrer i.R.Kriebitzsch