Und die gibt gleich zum Festival-Auftakt mit drei Aufführungen eine Visitenkarte ab in der Messestadt: Manuel Roque kommt nach seinem Erfolg im vergangenen Jahr zum Auftakt mit der Welt-Uraufführung von „Sweet Rodeo“ zurück nach Leipzig – und zwar erstmals am 3. November in der Diskothek vom Schauspiel. Auf der großen Schauspiel-Bühne des Schauspiels bringt die international gefeierte Compagnie Marie Chouinard am gleichen Tag das 1723 entstandene „Magnaficant“ von Johann Sebastian Bach als paradiesisch-barockes Ballett an seinen Entstehungsort. Dann folgt im zweiten Teil „Henri Michaux: Mouvements“ – dabei verwandeln sich die Tuschezeichnungen des Lyrikers und Künstlers Michaux in elektrisierte, zerfließende Körper. Und zum dritten präsentiert Athena Lucie Assamba präsentiert mit „Nkul Nnam (Die Trommel des Dorfes)“ an diesem Tag in der naTo eine Europapremiere, in der sie traditionelle Rituale aus Zentralafrika mit dem Geist der Ravekultur verbindet.
Dabei ist Ravekultur ein gutes Stichwort – der Fokus auf Quebec ist das eine, die Einflüsse aus Hip-Hop-, Street- und Clubkulturen das andere. Diese haben nach Einschätzung von Festivalleiter Christian Watty „den zeitgenössischen Tanz in jüngerer Zeit tatsächlich revolutioniert“. Seine Einschätzung dazu: „Diese Energie, die Spielfreude, die Lust am Risiko und die enorme Präsenz der Tänzer:innen bringen eine mitreißende Dynamik auf die Bühne.“
Was man dann auch sehen kann bei der euro-scene-Auflage im Jahr 2026: Zum Beispiel am 5. November auf der großen Schauspiel-Bühne mit „Trailer Park“ von Moritz Ostruschnjak und dem Ensemble tanzmainz – ein hochrasantes Stück über die Mechanismen der digitalen Kultur. Oder am 6. November an gleicher Stelle in „In My Body“, das mehrere Generationen der Hip-Hop-Szene zusammenbringt – und sich der spannenden Frage stellt, wie das Älterwerden als B-Boy und B-Girl funktionieren kann.
Aller guten Dinge sind drei – so steht noch ein weiteres Thema im euro-scene-Fokus. Es geht um Heimat. Darum, welche unterschiedlichen Perspektiven man haben kann, wenn es um Heimat geht. Was bedeutet Heimat für migrantische Saisonarbeitskräfte, die Jahr für Jahr nach Sizilien zur Olivenernte kommen? Dieser Frage geht Eva-Maria Bertschy am 7. November im Stück „Campobello“ nach, zu sehen in der Schaubühne Lindenfels. Und mit Humor reflektiert Jaha Koo in „Haribo Kimchi“ am 4. November an gleicher Stelle über sein Leben zwischen Europa und Korea.
Ach ja: Es gibt noch jede Menge Drumherum vom 3. bis 8. November – Workshops, Tanz-Masterclasses, Gesprächsrunden, Filme, wobei es im plus-Programm auch zahlreiche Veranstaltungen bei freiem Eintritt gibt. Noch eine Info: Das Programmheft gibt es auch schon auf der Festival-Webseite zum Download; der Vorverkauf hat schon begonnen. und red./jwInfos: www.euro-scene.de