Elf Familien, die einst in Leipzig ihre Heimat hatten. In einer der größten jüdischen Gemeinden in Deutschland. Und die auch die bildenden Künste in der Messestadt prägten etwa durch jene Werke, die sie einst dem MdbK stifteten. Wie groß diese Prägung war, wird bei einem Entdeckungsgang durch „Vier Wände voller Kunst“ rasch klar: Da reihen sich Gemälde an Skulpturen und Arbeiten auf Papier – sie stammen allesamt aus den Privatsammlungen von Erna und Wilhelm Breslauer, Hermann und Toni Halberstam, Franziska und Max Heilpern, Margarete und Max Hermann Heine, Henri und Martha Hinrichsen, Clara (Cläre) und Gustav Kirstein, Moritz Kraemer, Karl Lilienfeld, Friedrich und Marie Nachod, Carl und Laura (Lore) Sonntag sowie Moritz und Selma Ury.
Namen, die verschwunden sind. Nach der Machtübernahme haben die Nationalsozialisten das jüdische Leben in Leipzig vollkommen ausgelöscht. Und damit auch die Impulse, die von den elf Familien in Sachen Kunst ausgegangen sind – doch immerhin sind entsprechende Kunstwerke immer noch da. Und über 120 von ihnen sind nun unter dem MdbK-Dach zu sehen. Kunstwerke des französischen und deutschen Impressionismus, der Klassischen Moderne sowie Werke weiterer herausragender Vertreterinnen und Vertreter der Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts. Quasi das Spektrum einer bürgerlichen Kultur, das zu dieser Zeit von einem breiten Publikum rezipiert wurde. Angefangen von Max Klingers Skulptur „Galathea“, die seit ihrer Restitution an die Nachfahren der Familie Kirstein im Jahr 2001 nun als Leihgabe des Metropolitan Museum of Art wieder im MdbK zu sehen ist. Oder als Leihgaben namhafte Werke der Klassischen Moderne aus der Sammlung Karl Lilienfeld gezeigt werden, darunter Max Pechsteins „Bildnis in Rot“ oder Karl Schmidt-Rottluffs „Haus am Bahnhof“.
Bei dieser Gelegenheit nimmt man noch ein weiteres Thema in den Blick: Die deutschen Museen haben vom nationalsozialistischen Kunstraub enorm profitiert. Einige Kunstwerke aus den Sammlungen sind im Kontext der nationalsozialistischen Verfolgung in den Bestand des MdbK gelangt. Das Ausstellungskapitel „Raub und Restitution“ gibt anhand ausgewählter Werke Einblick in die Rolle des MdbK bei der Beschlagnahme und Verwertung von Kunstwerken während der NS-Diktatur und thematisiert die ausbleibenden Rückgaben an die Familien durch die DDR-Regierung. und red.Infos: www.mdbk.de