Leipzigs schönste Gärten
Floristin Yvonne Penter aus Schleußig gewinnt mit naturnahem Kleinod

Siegerin wurde Yvonne Penter (M.), Platz 2 ging an Gregor Helmecke (l.) und über den dritten Platz freute sich Denise Keil.Fotos: André Kempner (2), Regina Katzer (Mitte)
Leipzig. Der schönste Garten Leipzigs wirkt weitläufig, ist kaum zu überblicken. Eigentümerin Yvonne Penter erklärt, sie habe „Räume geschaffen, durch die man wandeln kann“. Da steht eine Königsskulptur auf einem Holzpfahl, liegt eine schlängelnde Wurzel an einem Wasserlauf, und mitten im Grünen lädt eine Bank zum Verweilen ein. Für Yvonne Penter ist ein schöner Garten „ein Kunstwerk, das so gestaltet wird, dass es natürlich wirkt“.

Nun steht fest: Diese Gestaltungsidee kommt an – bei der finalen Abstimmungsrunde mit den zehn schönsten Gärten der Stadt haben die Leserinnen und Leser Herzen der LVZ diesen Garten im Kleingartenverein Dammstraße auf Platz 1 gewählt – insgesamt 327 Herzen hat ihr Gartenfoto bekommen. Auf dem zweiten Platz landete der Kleingarten von Gregor Helmecke landete auf dem zweiten Platz: Mit seiner Parzelle im Verein für naturgemäße Gesundheitspflege in Kleinzschocher sammelte er 201 Herzen ein. Mit 188 Herzen kam der Garten von Denise Keil auf den dritten Platz: Sie bewirtschaftet gemeinsam mit ihrem Partner einen Kleingarten in Leipzig-Schleußig.

Seit 18 Jahren bewirtschaftet Yvonne Penter die 280 Quadratmeter große Parzelle in der Gartenanlage „An der Dammstraße“, die mit mehr als 800 Gärten als größter Kleingartenverein in Sachsen gilt. Die heute 50-Jährige wuchs in Radebeul auf und stammt aus einer Gärtnersfamilie. „Da, wo ich als Kind mit meiner Familie wohnte, war vorher eine Gärtnerei“, erzählt dieFloristin. Neben ihrem Beruf arbeitet sie auch als Porzellan-Designerin und bringt sich ehrenamtlich als Gartenfachberaterin in ihrem Kleingartenverein ein. Sie gärtnert mit Herzblut, bildet sich kontinuierlich weiter und gibt ihr Wissen gern weiter. „Ich will andere ermutigen, sich ins Grün zu stürzen und am Anfang die Geduld aufzubringen, den Garten zu beobachten. Wichtig finde ich, einen ökologisch wertvollen Garten mit heimischen Pflanzen anzulegen.“ Ihr Garten ist nicht eingezäunt und eröffnet weite Blickachsen. Zugleich sei er ihre Ruheinsel und ein Ort für Naturbeobachtungen, den sie alle zwei Tage besuche. „Als Erstes schaue ich mir meine selbstgezogenen Staudenbabys an und frage mich, welche Gartenarbeit mich laut ruft“, sagt die Expertin und lacht.

Heiße, trockene Sommer verändern auch die Gartenarbeit. Worauf ist zu achten? „Die Pflanzenauswahl muss angepasst, für reichlich Beschattung gesorgt und Bäume als Sonnenschutz genutzt werden.“ Auch Mulch helfe: Er halte die Feuchtigkeit im Boden. „Seitdem ich organisch arbeite, komme ich wieder mit den Händen in den Boden“, erklärt sie.

In ihrem Garten wachsen neben Tomaten, Kohl und Mangold auch Shiso, eine japanische Basilikumart, die zu Pesto verarbeitet werden kann, sowie Bohnen, Kartoffeln, Zwiebeln und mehrjährige Pflanzen. Leere Dosen, die sich wie ein Windspiel bewegen, halten Wühlmäuse fern. Ach ja: Den Gutschein für den Baumarkt, den die drei Erstplatzierten erhalten haben, will die Siegerin für ein neues Teichprojekt nutzen: als große Wasserstelle für Vögel.

Dass sein Garten mit dem alten Kirschbaum, der dem gepflegten Rasen Schatten spendet, bei der Abstimmung auch bei anderen gut ankam, freut Gregor Helmecke. „Wir sind hierhergekommen, um zu bleiben. Es ist so unglaublich ruhig hier“, betont der 40-Jährige. Er übernahm die Parzelle im Verein für naturgemäße Gesundheitspflege (kurz Nat’l) vor fünf Jahren in einem „desaströsen Zustand“. Sieben Kubikmeter Bauschutt, Kies und vergrabenen Müll habe er entfernt, um den 230 Quadratmeter großen Garten zu einem Gartenidyll zu gestalten. Gärtnern macht Spaß, besonders mit der Unterstützung der Nachbarn. „Ich teile mir seit zwei Jahren einen Rasenmäher, und auch Pflanzen werden verschenkt.“

Zehn Bäume prägen die beiden historischen Parzellen. „Das hat Seele und lässt sich nicht einfach ersetzen“, sagt Helmecke. An der Laube entdeckt man auf den zweiten Blick eine charmant umgebaute alte Torkonstruktion mit historischen Beschlägen. Eine hölzerne Pergola, die von Weinreben bewachsen ist, bildet ein grünes Dach über einer geschützten Sitzecke. „Ein Naschgarten für alle ist das Schönste“, erklärt der Familienvater. Brombeeren, Erdbeeren, Himbeeren, Stachelbeeren und Weintrauben landen direkt vom Strauch im Mund.

Auf einer grünen Insel zwischen Elsterflutbett und Elster haben sich Denise Keil und ihr Partner im Coronajahr einen Garten zugelegt. „Während wir in den ersten Jahren nur gerödelt und alles auf links gedreht haben, können wir heute einen Ort der Ruhe und Entspannung genießen“, sagt die 45-Jährige. Früher habe sie nur auf dem Balkon gegärtnert, weil sie einen Kleingarten für „spießig“ hielt. Dass so eine Parzelle auch urig sein kann, beweist heute ihr eigener Garten mit fünf Bäumen.

Das Paar verfolgt das „Prinzip des geordneten Chaos“ und im Garten blüht es das ganze Jahr über, erzählt die Leipzigerin. Seit zwei Jahren hält sie zudem vier Bienenvölker. Bienen und andere Insekten freuen sich über die fast ausschließlich ungefüllten Blüten im Garten. Nektar und Pollen sind leicht erreichbar und bieten reichlich Nahrung. Auch Katzenminze mit ihrer langen Blütezeit zieht die Tierchen an und versorgt sie. Zudem lassen sich hier viele Vögel beobachten: Amseln, Buntspechte, Rotkehlchen und Sumpfmeisen.

„Wir versuchen, mit den Tieren zu arbeiten. Der Fuchs holt sich die Mäuse, und der Igel frisst die Schneckeneier“, sagen beide unisono. Nistkästen habe man aus Naturbeton gebaut, um Waschbären abzuhalten. Das habe leider nicht funktioniert.

Das Paar versucht, die Prinzipien der Misch- und Permakultur zu berücksichtigen. Letztere basiert darauf, die Kreisläufe der Natur nachzuahmen. In den Beeten wachsen Bohnen, Tomaten, Paprika, Möhren, Zwiebeln und Süßkartoffeln. Gegen Wühlmäuse soll ein „Wühlmausschreck“ helfen. „Einen Großteil unserer Wassermelonen haben wir an Schnecken und Wühlmäuse verloren“, erklären die Hobbygärtner. Auch im Winter sind die beiden gern auf ihrer Scholle. Sie trinken Tee und beobachten die Natur: „Garten ist etwas für die Seele.“und Regina Katzer
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