In der Folge praktizieren Professorin Judith Gebauer – sie hat Sprechstunde am Universitären Krebszentrum Leipzig am UKL ins Leben gerufen – und ihr interdisziplinäres Team seit Januar mittlerweile an drei statt bisher nur zwei Tagen pro Woche. Um der stetig wachsenden Zahl von Langzeitüberlebenden einer Krebserkrankung gerecht zu werden, soll das Angebot weiter ausgebaut und langfristig auch für Ältere geöffnet werden. Bislang richtet es sich an Menschen, die ihre erste Krebsdiagnose als Kind oder junge Erwachsene erhalten und ihre Therapie vor mindestens fünf Jahre abgeschlossen haben.
Mit der „Cancer-Suvivorship“-Sprechstunde hat man offenbar einen Nerv getroffen: Seit Beginn der Sprechstunde erreicht das Team um Professorin Judith Gebauer Anfragen von Berlin über Thüringen bis nach Nordbayern. Denn offenbar haben viele auf genau dieses Angebot der speziellen Nachsorge gewartet. Der Satz, „endlich gibt es jemanden, der sich für mich und meine Themen zuständig fühlt“, habe sie von Beginn der Sprechstunde an begleitet.
Dabei sei der Begriff der Nachsorge mit Blick auf das, was die „Cancer-Survivorship“-Sprechstunde bietet, nicht optimal, so die Fachärztin für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie weiter, „weil die allermeisten damit eine Krebsnachsorge verbinden: Ist der Tumor zurückgekommen? Gibt es Metastasen? Wir dagegen schauen, wie sich die Erkrankung und deren Behandlung langfristig auf die Gesundheit unserer Patient:innen ausgewirkt hat.“
Aktuell richtet sich dieses Angebot an Menschen, die erstmals zwischen 0 und 39 Jahren an Krebs erkrankt sind und ihre Therapie vor mindestens fünf Jahren abgeschlossen haben. Diese Gruppe sei besonders relevant, erklärt Gebauer, weil sie die längste Lebenserwartung nach überstandener Krebserkrankung habe.
„In Zukunft aber wollen wir die Sprechstunde für alle Survivor öffnen, vorausgesetzt, wir haben die Kapazitäten dafür: räumlich, zeitlich und personell. Denkbar wäre auch eine Kooperation mit niedergelassenen Kolleg:innen, zumindest für die Überlebenden, die weniger von Spätfolgen betroffen sind.“ Ihr langfristiges Ziel aber wäre eine zentrale Survivorship-Ambulanz, in der alle Krebsüberlebenden einmal vorstellig werden – unabhängig von ihrem Alter und ihrer Diagnose. und red.