Warum Leipzig als Juniorpartner Berlins unbedingt mit dabei sein muss – und warum es an Optimismus in der Stadt gerade mangelt, erklärten Geschäftsstellenleiterin Stephanie Riedel vom Bürgerverein „GOLD for Leipzig“ und Frank Viereckl von der Leipziger-Gruppe in der Podcast-Folge „Die Rückfallzieher“ der Leipziger Volkszeitung im August.
„Wir sind ein Bürgerverein. Wir unterstützen die Olympischen Spiele. Wir wollen Olympia unters Volk bringen – in Leipzig, in der Region, in Sachsen, in Mitteldeutschland“, beschreibt Stephanie Riedel die Aufgabe von „GOLD for Leipzig“ im Podcast. Ziel sei es, „die Leute dafür zu begeistern, für Olympia 2036, 2040 oder 2044“. Der Verein wurde im Zuge der Bewerbung gegründet und zählt inzwischen rund 200 Mitglieder. Vorstandssprecher Frank Viereckl nennt dort ein konkretes Ziel: auf 10.000 aktive Unterstützer zu wachsen.
Auf die Frage von Podcast-Moderator Meigl Hoffmann, woher der Optimismus komme, dass ausgerechnet Berlin es schaffen könne, antwortet Frank Viereckl ganz offen: „Im Moment haben wir nur Pessimisten. Leipzig ist pleite, Deutschland ist pleite, wir haben einen Kanzler, bei dem der Osten überhaupt nicht stattfindet, und wir sagen, wir brauchen irgendwas, worauf man hinarbeiten kann.“ Die Olympische Idee habe in Leipzig schon einmal gezündet – „und ohne Leipzig wäre Berlin nix“. Meigl Hoffmann pflichtet bei: Es fehle „ein bisschen Optimismus, Euphorie“, man brauche „eine Vision, damit man weiß, wo man hin marschiert“.
Konkret könnte Leipzig laut Viereckl vor allem als Kanu-Standort profitieren: „Alle Kanu- und Wildwasser-Wettbewerbe würden in Markkleeberg bei Leipzig stattfinden. Die würden auch da stattfinden, wenn Köln den Zuschlag bekommt, weil es in Deutschland keine bessere Strecke gibt“ – gemeint ist der Kanupark Markkleeberg. Daneben nennt Viereckl Ballsportarten wie Handball, Basketball und Fußball sowie Kampfsportarten wie Ringen und Judo als denkbare Disziplinen für Leipzig. Stephanie Riedel ergänzt: An der Messe könnten neben Spring- und Dressurreiten auch Rollstuhlrugby und Rollstuhlbasketball ausgetragen werden. Zudem wird in eine neue Ballsporthalle sowie den Ausbau der QUARTERBACK Immobilien ARENA investiert – Projekte, die von kommunalen Haushaltssperren ausdrücklich ausgenommen wurden. Sachsens Kabinett hat der Bewerbung inzwischen mit einem Zuschuss von 60 Millionen Euro zusätzlichen Rückenwind gegeben. International rechnet Viereckl vor allem mit Budapest als härtestem Konkurrenten: „Wir haben im Moment eine IOC-Präsidentin aus Simbabwe, Afrika hatte noch nie Olympische Spiele, das ist sicherlich ernst zu nehmen.“ National sieht Stephanie Riedel klar Berlin vorn: „Natürlich ist München noch mit dabei, Rhein-Ruhr, die Region mit Köln – das sind unsere Konkurrenten. Hamburg hat sich selbst eliminiert durch den Bürgerentscheid.“ Warum Deutschland überhaupt wieder ins Rennen muss, erklärt Viereckl mit dem historischen Rückblick auf 2012, als Leipzig den nationalen Ausscheid gewann, aber international an London scheiterte: Jacques Rogge, damals IOC-Präsident, habe entschieden, dass Städte unter einer Million Einwohner keine Sommerspiele bekämen – „deswegen machen wir das jetzt auch nicht allein. Wir brauchen als einzige deutsche Metropole Berlin“.
Zentraler Aufruf ist die Aktion „Deine Stimme für Olympia“. Riedels ernüchternde Bilanz: „Stand jetzt haben wir gut 4500 von 10.000.“ Die Idee zur Stimmensammlung sei vom Verein selbst gekommen – auch weil es nie ein offizielles Bürgerreferendum gegeben habe: „Wir wollen ein Zeichen Richtung DOSB senden.“ Abstimmen kann übrigens jede und jeder unter gold-for-leipzig.de mit Namen und E-Mail-Adresse.Die Frist läuft nur noch bis kurz vor dem 26. September, dann entscheiden 144 Stimmberechtigte der DOSB-Mitgliederversammlung in Baden-Baden über den deutschen Bewerber. Alle Leipzigerinnen und Leipziger sowie die olympische Partnerstadt Markkleeberg sind für diesen Tag auf den Leipziger Marktplatz eingeladen, wenn ab 13.45 Uhr per ARD-Livestream die Abstimmung verfolgt wird.
Frank Viereckl zieht den Vergleich zur jüngsten LVB-Krise, als Leipziger gemeinsam die Straßenbahnschienen freikratzten: „So einen Zusammenhalt brauchen wir in Leipzig. Olympia nimmt niemandem was weg, Olympia ist eine verbindende Idee.“ Stephanie Riedels Schlusswort ist ein Appell an alle Hörerinnen und Hörer: „Jeder darf mitmachen, jeder darf uns unterstützen, jeder darf dabei sein.“ und red.Weitere Infos zur Aktion unter www.gold-for-leipzig.de und den Podcast zum Nachhören findet man unter weiteren Folgen hier: die-rueckfallzieher.blogs.julephosting.de