Acht der Briefe stammen von Felix Mendelssohn Bartholdy selbst und entstanden zwischen 1835 und 1847 – jener Zeit, in der er als Gewandhauskapellmeister in Leipzig wirkte. Adressiert sind sie an Weggefährten aus seinem beruflichen Umfeld, etwa die Verleger Friedrich Kistner und Heinrich Brockhaus, aber auch an internationale Kontakte wie den Londoner Musikverleger C.R. Wessel oder den Bankier Ignatz Seydlitz. Aufschlussreich ist ein Brief vom 1. September 1835: An diesem Tag trat Mendelssohn sein Amt als Gewandhauskapellmeister an und bat den Musikverleger Hermann Härtel eilig um die Zusendung von Partituren – „wo möglich im Lauf des morgenden Tages“, wie es dort heißt. Ein anderer Brief zeigt Mendelssohn als Mann mit klaren künstlerischen Vorstellungen: 1843 lehnte er gegenüber dem Dramatiker Otto Prechtler dessen Vorschläge für ein Opernlibretto ab – höflich, aber bestimmt.
Der neunte Brief stammt von Cécile Mendelssohn Bartholdy. Sie schrieb ihn am 22. Oktober 1847 im Auftrag ihres schwer erkrankten Mannes an den Bonner Verlag N. Simrock und bedankte sich für zugesandte Partituren des Oratoriums „Elias“. Keine zwei Wochen später starb Felix Mendelssohn im Alter von nur 38 Jahren. Museumskuratorin Kerstin Sieblist zeigt sich begeistert: „Die Briefe verbinden historischen Wert mit persönlicher Geschichte und ergänzen unseren Bestand perfekt.“ Möglich wurde der Ankauf durch die Unterstützung der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen, den Förderverein Hieronymus-Lotter-Gesellschaft sowie einen Freund des Museums, der die Briefe deutlich unter Marktwert anbot. Damit wächst der ohnehin umfangreiche Mendelssohn-Bestand des Museums – mit Autografen, Noten, Bildern und Büchern – auf über 3000 Objekte.
Zusätzlich erwarb das Museum einen Brief von Rosalie Wagner, der Lieblingsschwester Richard Wagners, aus dem März 1835. Sie bittet darin den Jugendfreund des Komponisten, Theodor Apel, kurzfristig nach Magdeburg zu reisen, um bei einer Aufführung von Wagners Oper „Das Liebesverbot“ zu helfen – die Einnahmen sollten dem jungen Komponisten zugutekommen. Ob Apel der Bitte tatsächlich nachkam, ist ungewiss: Die damalige Kutschfahrt dauerte ein bis zwei Tage. Die Aufführung selbst platzte am Ende ohnehin – wegen mangelndem Publikumsinteresse und einer Prügelei unter den Schauspielern. Die neuen Schätze sollen künftig der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.