„Wir sind froh, dass es nach der anstrengenden Vorbereitung endlich los geht“, blickt Pauline Uhlmann mit einer Mischung aus Aufregung und Vorfreude auf den Saisonstart: „Wir wollen auf jeden Fall den Klassenerhalt schaffen und uns in der Liga etablieren.“ Dafür wurde in den vergangenen Wochen natürlich ordentlich trainiert. „Die Vorbereitung war schon sehr anstrengend, intensiver als in der 2. Bundesliga. Der Muskelkater war täglich da.“ Getreu ihrem persönlichen Motto „Den Mutigen gehört die Welt“ blickt sie optimistisch auf die bevorstehende Saison.
Für Pauline Uhlmann schließt sich mit der Rückkehr in die 1. Bundesliga auch ein ganz persönlicher Kreis beim HC Leipzig, ihrem absoluten Herzensverein. Nachdem sie ab 2008 alle Nachwuchsteams durchlaufen hatte, erlebte die Außenspielerin mit der Trikotnummer 2 noch die letzten Jahre der großen Erstliga-Zeiten des HC Leipzig – erst als Einlaufkind und Wischerin, später sogar als Spielerin. Beim letzten Erstliga-Spiel vor der Insolvenz gegen FrischAuf Göppingen (33:27) am 20. Mai 2017 war sie mit der Nummer 49 auf dem Feld dabei.
Einen Monat nach Bekanntwerden der Insolvenz feierte Pauline Uhlmann ihren größten internationalen Erfolg. Bei der U17-Europameisterschaft in der Slowakei holte sie sich mit dem deutschen Team den Titel – mit einem 23:18-Sieg im Finale gegen Norwegen. Kurz vor ihrem 17. Geburtstag startete sie und die komplette Jugendmannschaft des HCL in der dritten Liga neu durch.
Im kommenden Jahr macht Pauline Uhlmann die zehn Jahre in der Ersten Mannschaft „voll“. „Mir persönlich bedeutet dieser Aufstieg unglaublich viel. Die Gedanken an das Spiel gegen Göppingen und die schwere Zeit danach sind bei mir nach wie vor präsent. Ich habe den Absturz nach der Insolvenz miterlebt. Jetzt sind wir wieder in der ersten Liga angekommen und wollen uns dort etablieren.“
Seit 2017 gehört Pauline Uhlmann zur ersten Mannschaft, die nach der Insolvenz in der 3. Liga neu startete. Seit einigen Jahren führt die Vollblut-Handballerin das HCL-Team als Kapitänin an. Sie ist längst eine Identifikationsfigur für Fans und Nachwuchs.
„Seit meinem siebenten Lebensjahr trage ich schon das Trikot des HCL. Mittlerweile ist es so, dass ich nicht mehr zu den Küken zähle, die zu den älteren aufschaut, sondern ich gehöre selbst zu den erfahreneren Spielerinnen und darf jetzt unsere Jüngsten mit an die Hand nehmen und sie leiten. Das ist eine Rolle, die ich mit sehr viel Freude und Verantwortung übernehme. Der HCL ist für mich mehr als nur ein Verein. Ich fühle mich sehr wohl, habe hier quasi mein ganzes Leben verbracht und bin sehr dankbar ein Teil der HCL-Familie zu sein. Ich freue mich auf alles, was noch kommt.“
Noch bevor Pauline Uhlmann 2008 als Siebenjährige bei den Minis des HCL den Handball für sich entdeckte, war sie bereits sportlich aktiv – erst beim Schwimmen, dann in der Leichtathletik. Letzteres betrieb sie drei Jahre lang parallel, bevor mit zehn Jahren endgültig die Entscheidung zu Gunsten des Handballs fiel.
Nicht nur auf dem Parkett, sondern auch abseits des Handballs zeigt sich Pauline Uhlmann zielstrebig und durchsetzungsstark. Seit einigen Jahren meistert die Rechtsaußen-Spielerin den schwierigen Spagat zwischen Medizinstudium und Leistungssport.
Das zehnte Semester Humanmedizin an der Uni Leipzig hat sie hinter sich, demnächst beginnt Semester Nummer elf. Diese Doppelbelastung meistert sie mit einem (scheinbar) einfachen Erfolgsgeheimnis: „Tägliches Training und Studium ist natürlich ein straffes Programm. Aber wenn man sich gut organisiert, bekommt man das gut hin“, sagt sie lächelnd: „Ich habe für mich persönlich einen guten Weg gefunden, auf dem mir der Verein auch sehr gut entgegenkommt.“
Das Lernen bleibt Pauline Uhlmann und ihren studierenden Mitspielerinnen natürlich nicht erspart. Deshalb gehören Laptop, Tablet und Bücher bei den Studentinnen auch bei den Auswärtsfahrten immer zum Handgepäck. Für Pauline Uhlmann kein Problem: „Ich kenne das gar nicht anders. Auf den langen Fahrten haben wir ja Zeit.“
Und sie sieht noch einen großen Vorteil für die Verbindung von Sport und Studium. „Sport und Studium ergänzen sich aus meiner Sicht richtig gut. Sport ist für den Körper, da wird der Kopf ordentlich leer geblasen. Danach habe ich wieder Kraft zum Lernen“, erklärt sie selbstbewusst: „Und irgendwann will ich ja auch mit dem Studium fertig sein.“ Bislang konnte sie Handball und Studium sehr gut miteinander vereinbaren. „Nur die Zeit des ersten Staatsexamens war wirklich stressig. Da hatten wir aber glücklicherweise Spielpause“, erinnert sie sich und fügt in ihrem ihr eigenen Optimismus an: „Wo ein Wille ist, findet man in Leipzig immer einen Weg!“
und Andreas WendtZum Saisonauftakt empfängt der HC Leipzig am Samstag (29. August/Anwurf: 19.30 Uhr) den Deutschen Vizemeister Borussia Dortmund im Sportcenter Markranstädt. Weitere Informationen unter www.hc-leipzig.de