Die Combo hatte sich in vergangenen DDR-Zeiten 1964 gegründet und mit unverkennbarer Musik etabliert hat. Manuel Schmid gehört seit 2012 zur neuen Generation, die die aktuelle Besetzung der Band ausmacht. Für ihn war der Weg zur Musik früh gezeichnet. Er erinnert sich: „Mein Interesse für die Musik war sehr zeitig lebendig. Ich habe in der Kinderschola gesungen, ich habe an verschiedenen musikalischen Projekten für Kinder teilgenommen. Meine Eltern Beate und Siegfried waren die antreibenden Unterstützer, sie haben in der Freizeit musiziert. Mama hat Gitarre gespielt, Papa Geige.“
Der Junge muss an ein Instrument. Der Junge wollte das inzwischen auch. „Im Alter von sieben Jahren bekam ich erstmals Klavier-Unterricht. Den gab mir mein damaliger Onkel Michael Scholler, der auch Komponist ist. Ich gebe zu, dass ich anfangs nicht der fleißigste Schüler war. Aber wir hatten ein spezielles Lehrer-Schüler-Verhältnis, mein Onkel und ich. Er wandte eine sehr intelligente Art der Musik-Pädagogik an. Er stellte mir Aufgaben am Klavier, die ich lösen sollte, lösen durfte. So konnte ich für mich das musikalische ABC entdecken und mir erarbeiten.“
Manuel Schmid probierte aus, was er sich damals aneignete, was er gelehrt bekam. Heute ist Schmid für all die Zeit mit Mühen und Lehrjahren dankbar: „Ich habe eine gute Basis bekommen. Ich war von Anfang an und bis es heute noch offen für viele Musik-Genre und -Richtungen. Ich habe damals schon Jazz und Klassik gehört. Ich habe zum Beispiel später auch Kammermusik gemacht. Ich hatte immer mit guten Musikern zu tun.“ Übrigens: Der Fleiß hat inzwischen auch längst entdeckt, dass er bei Schmid gut aufgehoben ist, die beiden sind starke Partner geworden.
Manuel Schmid ist seit 18 Jahren Musiker, er ist außerdem studierter Tontechniker, Fotograf ist er auch. Davon profitiert die Stern-Combo Meißen derart, wie der Keyboarder und Sänger erklärt: „Ich kann als Produzent agieren. Für unser Platten-Cover der ´Himmelsscheibe von Nebra´ habe ich die Designarbeiten erledigt.“ Das spart der Band Kosten und Abhängigkeiten externer Dienstleister.
Apropos Kosten: Das Engagement bei den Sternen würde die Kasse von Schmid nicht ausreichend füllen. Er verrät: „Wir haben circa 30 Auftritte pro Jahr. Die Einnahmen daraus würden nicht genügen, einen Lebensunterhalt zu bestreiten.“ Den Reichtum der Welt, definiert er aber ohnehin nicht über monetäre Inhalte. Er sagt: „Neben den logistischen Wichtigkeiten ist in erster Linie mein Dasein als Musiker für mich die größte Form von Freiheit!“
Zur Mitgliedschaft in der Combo weiß Schmid weitere Projekte mit wichtigen Partnern als liebens- und erstrebenswerte Lebensinhalte: Er musiziert mit Marek Arnold, er tut das mit Dirk Zöllner und ebenso gibt es die Auftritte mit Wolfgang Martin. Dazu sagt Manuel Schmid: „Er war das Gesicht, er war die Stimme von DT64. Er ist Autor von Büchern über Holger Biege, The Beatles und Silly. Zu diesen Komplexen und zu seiner Arbeit beim Radio gestalten wir musikalische Lesungen.“
Die Medien, die Musik spiegeln, sind in den letzten Jahren zahlreicher geworden. Schmid weiß: „Wir bedienen mit unseren Produkten die Streamingdienste, Download-Plattformen. Es gibt auch die gute, alte CD und zum Glück auch das Produkt in Vinyl.“ Ja, die Schallplatte ist längst in die Regale der Musikläden und die der Fans zurückgekehrt.
Und Manuel Schmid ist glücklich darüber, er gesteht: „Das ist lebendig, das ist natürlich. Wenn man die Nadel pflegt, behutsam die Platte reinigt, die Geschwindigkeit einstellen muss. Darauf muss man sich einlassen, da muss man Geduld und Zeit investieren, um genießen zu dürfen.“
Für Schmid gibt es einen weiteren Faktor, der Genuss ausmacht. Mag ein Auftritt vor mehreren tausend Fans Erfüllung bringen, ein Konzert in ausverkauften Hallen oder Sälen erzeugt wohl ähnliche Empfindungen. Der Club-Abend vor 30 Gästen ist es, den Schmid mindestens ebenso schätzt: „Da kann ich mit dem Publikum verschmelzen. Diese Verschmelzung mit den Besuchern ist immer das Ziel, das ich mit einem Auftritt verbinde. Wenn Menschen Texte mitsingen, hat das etwas von Idealzustand. In den Dialog treten mit den Menschen, eine Art Moderation wagen. Es gab auch bereits Momente, da überreichten mir Gäste ihre Texte zu unserer Musik. Sie hätten sich halt auch ihre Gedanken gemacht. Das ist wunderbar, wenn man so eine intensive Auseinandersetzung anderer Menschen mit der eigenen Arbeit erleben darf.“
Das ist für Schmid dann auch eine Art des Reichtums der Welt. Biege und Gertz haben das o.g. Werk erschaffen, welches in der heutigen Zeit leider die Unvernunft der Menschheit bestätigt, weil ihm ein Text immanent ist, der bewegt, der mahnt, der Wahrheiten transportiert. Solche Texte waren und sind charakteristische Inhalte der Combo. Schmid sagt: „Stern war mit seinen Texten immer global, international. Wir haben das Menschliche vor Augen. Wir wollen Impulse setzen, wer das Literarische mag, der ist bei unseren Texten gut aufgehoben.“
Das Texten ist für Schmid akribische und oft für längere Phasen der Suche auch experimentelle Arbeit. Es weiß: „Der Text ist schwieriger, als die Musik. Die Musik dient als Fragment für eine Stimmung des Liedes, der Text wird daraufgesetzt.“ Schmid hat eine ganz eigene Art und Weise gefunden, wie er sich dem Endergebnis aus Musik und Text nähern kann. Er erklärt: „Nach der Musik singe ich zunächst für Demozwecke ein Kauderwelsch auf Englisch darauf, um zur Musik eine Phonetik zu geben. Erst wenn das eine Harmonie ergibt, baue ich den endgültigen Text darauf.“
Es passt, was Schmid mit der Stern Combo, mit Arnold, mit Zöllner und mit Martin baut und zur Aufführung bringt. Der Terminkalender ist prall gefüllt. Zuletzt gab es ein Konzert in Baabe, Schmid: „Meine Eltern waren dabei, sie haben gerade an der Ostsee Urlaub gemacht. Aber sie sind auch sonst sehr oft dabei, wenn ich musiziere.“ Schmid gibt zurück, was seine Eltern in den späten 80er bzw. frühen 90er Jahren in ihn investiert haben. Jetzt treffen sie sich als Familie immer mal wieder, um den Reichtum der Welt als gemeinsame musikalische Momente zu genießen.
und Lars PreußerInfos:
www.manuel-schmid.com