Die Bahnenrollen wieder
Nach elf chaotischen Tagen hat Leipzig nunseine Straßenbahnen zurück

Seit Freitag fahren Straßenbahnen fahren in Leipzig wieder normal.Foto: André Kempner
Leipzig. Es war eine Hitzewelle, wie Leipzig sie noch nie erlebt hatte: Am 27. und 28. Juni kletterte das Thermometer auf 40 Grad – ein historischer Höchstwert, gemessen vom Deutschen Wetterdienst in Leipzig-Holzhausen. Die Folgen spürten Zehntausende Fahrgäste schmerzhaft: Fugenschäden an den Gleisen legten das Straßenbahnnetz der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) weitgehend lahm. Seit diesem Wochenende aber ist die schlimmste Phase überstanden.

Bereits in den vergangenen Tagen nahmen nach und nach die einzelnen Linien ihren Betrieb wieder auf. Seit Donnerstag verbinden die Linien 3, 7 und 15 wieder Angerbrücke und Goerdelerring, die Kombilinie 12 fährt erneut von Gohlis-Nord in die Innenstadt. Den Schlusspunkt setzte am Freitag die Linie 8 mit ihrer Rückkehr ins Netz. „Nach elf außergewöhnlichen Tagen gilt wieder der Normalzustand“, sagte LVB-Geschäftsführer Ulf Middelberg – zumindest im Rahmen des ohnehin geplanten Baustellen-Sonderfahrplans für die Sommerferien.

Denn ganz ohne Einschränkungen geht es noch nicht: Wegen laufender Gleiserneuerungen am Hauptbahnhof und in Gohlis fahren die LVB weiterhin bis zum 16. August im Baustellen-Liniennetzplan. Auch der Nachtverkehr ist angepasst – die Nightliner starten in diesem Zeitraum zentral an der Goethestraße, dem letzten Nadelöhr im Netz, das derzeit noch von Fugenvergussmasse befreit wird.

Was die vergangenen elf Tage bedeuteten, lässt sich in Zahlen fassen: 30 Kilometer verunreinigtes Gleis wurden gesäubert, 150 Weichen instandgesetzt. Rund 1500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der LVB und der Leipziger Gruppe schufteten im Einsatz – unterstützt von 550 freiwilligen Helferinnen und Helfern. „Das war gelebtes Leipziger Team-Play“, betonte Middelberg.

Doch die LVB schauen nicht nur zurück. Angesichts des weiter laufenden Hochsommers bereiten sich die Verkehrsbetriebe auf mögliche erneute Extremhitze vor. Ein bestellter TÜV-Süd-Rail-Gutachter soll künftig dabei helfen zu entscheiden, wann Fugen abgestreut oder mit Wasser gekühlt, Linien aus dem Netz genommen oder Strecken gesperrt werden müssen. Technik-Geschäftsführer Toralf Müller kündigt außerdem an: „Wir werden hitzekritische Bereiche wie den Innenstadtring engmaschiger und intensiver kontrollieren.“ Das Fahrpersonal sei nochmals besonders sensibilisiert worden, Veränderungen am Gleis sofort zu melden.

Langfristig soll ein Hitzeplan entstehen – analog zum bestehenden Konzern-Notfallkonzept für Winterwetter. Die Botschaft der LVB an ihre Fahrgäste ist dabei ehrlich: „Im Extremfall könnte sich das Lagebild bei Hitze wieder verschärfen“, so Middelberg. Der Hochsommer kommt erst noch – und kann weitere heiße Tage bringen.

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