Sprudelndes Wasser
Gedanken zum Sonntag

Wasser, wer von uns hat es nicht schätzen gelernt in den heißen Juni-Tagen. Hitzewarnungen in Rundfunk, TV, Zeitung und Internet wiesen darauf hin, wie lebens-not-wendig es ist, genug Wasser zu trinken. Trinkbrunnen an unterschiedlichen Orten in der Stadt zogen Erschöpfte an. An Springbrunnen kühlten sich Kinder und Erwachsene. Gott sei Dank! – steht uns genügend Wasser zur Verfügung. Zugleich weiß ich, nicht alle Menschen haben Zugang zu sprudelnden, lebenswichtigen Quellen. Die Hitze, der Durst der heißen Junitage weckt in mir auch die Frage: Aus welchen Quellen schöpfe ich, schöpfen wir Lebenskraft? Eine alte Frage, so alt, wie die Menschheit, wie der Durst nach Leben.

„... es ströme das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“ (Die Bibel, Amos 5,24)

Der Prophet Amos ist Viehhirte in einer kargen Gegend. Er kennt den Durst, seinen eigenen, den seines Viehs, den Durst der Erde. Den Durst nach Wasser und Leben. Amos lebte fast 800 Jahre v. Chr. Es ist eine Zeit, in der sich im Nordreich Israel die bäuerliche Gesellschaft zur Stadtkultur wandelt. Große Unterschiede zwischen Armen und Reichen bringen das soziale Gefüge ins Wanken. Amos (der „Seher“) – sieht die Not. Von Gott berufen soll er denen eine Stimme geben, die keine haben. Er erhebt seine Stimme für die, denen andere das Wasser abgraben. Amos ahnt, ja weiß, dass wir am Rande des Abgrunds leben, in einer Welt, die von heute auf morgen vergehen kann.

Mit starken bildhaften Worten redet er. Er sieht und ruft, um eine Welt, die sich von Gott entfernt hatte, an Gott zu erinnern. Er erinnert an den lebendigen Gott, der das Leben verbürgt. Gott will, dass wir – seine unterschiedlich begabten Menschen und Geschöpfe – miteinander leben und zurechtkommen.

Die uralten Worte des Amos berühren mich. Der Durst nach Gerechtigkeit und Recht ist heut nicht geringer.

Ich bete: Gott, wehe doch mit deinem Geist in unsere Stadt ... und schärfe mir und uns die Sinne für Gerechtigkeit und Recht in unserer kleinen und großen Welt! So kann das Leben sprudeln zwischen uns ...!

Einen erfrischenden Juli wünscht –

und Ihre Pfarrerinund Angelika Biskupski
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