Ein Historiker, eine Kleingartenserie und ein Künstler

Sachen gibt’s, die gibt es gar nicht! Da kommt man aus dem Staunen nicht heraus: Da schreibt Traudel Thalheim – ihres Zeichens Journalistinnen-Urgestein von SachsenSonntag und Co. – ein ausführliches Sonntagsfrühstücks-Porträt über Erwin Leister. Auch darüber, dass der 101-jährige Schauspieler und Regisseur einst auch in den Zweiten Weltkrieg ziehen musste und er diese Erlebnisse in einem Hörbuch verarbeitete.Und jetzt kommt’s – das wurde sogar im fernen US-Bundesstaat Ohio gelesen und zwar vom Historiker Kyle Nappi: Der beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit der Geschichte des Zweiten Weltkriegs und sammelt dabei vor allem die Erfahrungen der einfachen Soldaten aus erster Hand ein.Klarer Fall, da musste ein Kontakt her: Via Traudel Thalheim konnte dieser geknüpft werden und nun gibt es einen regen Austausch hin und her über den großen Teich. Inklusive eines spannenden Fragenkatalogs, mit dem sich Erwin Leister in diesen Tagen beschäftigt. Sein großes Ziel beschreibt Kyle Nappi wie folgt: „Ich möchte ein Buch oder mehrere veröffentlichen, in dem ich in jedem Kapitel die Erfahrungen der einst verfeindeten Kämpfer gegenüberstelle. Über die Schlacht um Berlin, wie sie von sowjetischen und Wehrmachtskämpfern erzählt wird. Oder die Schlacht um Okinawa, wie sie von amerikanischen Infanteristen auf der Insel und japanischen Kamikaze-Piloten auf dem Festland erzählt wird. Meines Wissens existiert ein solches Kompendium der Perspektiven nicht.“Zack, rein in die „Kleingarten-Szene“ und zwar in einer Undercover-Mission – diese Geschichte wird in der Komödie „Morgensonne“ erzählt, die aktuell in Leipzig gedreht wird: Es geht um die ehrgeizige Immobilienmaklerin Lara aka Nina Proll, die sich in die namensgebende Sparte „Morgensonne“ einschmuggelt – mit dem Ziel, Gründe für die Auflösung zu suchen.Denn aus dem grünen Idyll ließe sich doch prima ein Wohnviertel machen ... Mit vor der Kamera stehen Lina Wendel, Mai Duong Kieu, Steve Windolf oder Uwe Preuss; die Regie führen Franka Bauer für den MDR und Sabine Renner-Lehner für den ORF. Am Ende des Tages kommt es, wie es kommen muss – Lara steht zwischen Karriere und Gewissen. Ach ja, sehen kann man das Ganze dann voraussichtlich 2027.Glückwunsch Eva Schulze! Der Ökumenepreis 2026 geht nämlich in das Evangelische Schulzentrum in Leipzig und zwar für die „Aktion Schöpfung bewahren – Verantwortung übernehmen – Gesellschaft gestalten“, ein jährlich wiederkehrendes Engagement des jeweiligen Abiturjahrgangs. Der Hintergrund: Seit 2004 beenden die Abiturientinnen und Abiturienten hier ihre Schulzeit mit dem meist zehntägigen Freiwilligeneinsatz. Dabei arbeiten die Schülerinnen und Schüler ehrenamtlich in Mahn- und Gedenkstätten mit, in evangelischen und katholischen Jugendbildungseinrichtungen, in Kirchengemeinden, auf Friedhöfen oder in ökologischen Projekten. „Unser Ziel ist es, soziale Bildung, der wir uns mit unserem christlichen Profil besonders verpflichtet fühlen, nach den Prüfungen noch einmal in ein wirklich aktives Engagement zu überführen. Das prägt“, so Lehrerin Amélie Meyer, die ihre Schützlinge als Projektverantwortliche mit dieser Erfahrung ganz praktisch aus dem Schultor hinein ins Leben treten lässt.So war Abiturient Frederik Ringeis in den vergangenen Tagen in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück im Einsatz, einem einstigen Konzentrationslager. Zusammen mit Mitschülerinnen und -Schülern hat er sich dort nicht nur inhaltlich mit der Baracke 32 auseinandergesetzt, sondern auch bei archäologischen Ausgrabungen geholfen. „Wir haben intensive Erlebnisse geteilt und sind stolz darauf, etwas Sinnvolles und Bleibendes, unabhängig von Schulstoff und Noten, geleistet zu haben.“Auf dem Spinnereigelände in Halle 12 läuft derzeit die renommierte 32. Leipziger Jahresausstellung – und sie hat bereits einen Gewinner: Kai Wildemann, Absolvent der Hochschule für Grafik und Buchkunst, erhielt den diesjährigen Ausstellungspreis in Höhe von 10 000 Euro für seine Ölgemälde „Buntwerkstadel“, „Laufrad“ und „Am Lagerfeuer“.Professor Rainer Schade eröffnete die Ausstellung, die in diesem Jahr dem Schriftsteller Erich Loest gewidmet ist. Kulturbürgermeisterin Dr. Skadi Jennicke würdigte den Preisträger mit lobenden Worten. Der Preis wird von der Leipziger Sparkasse, Elke und Thomas Loest sowie der Doris-Günther-Stiftung gestiftet.Insgesamt präsentieren 34 Künstlerinnen und Künstler ihre Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Grafik, Fotografie, Installation, Plastik, Medienkunst und Skulptur – darunter bekannte Namen wie Johannes Heisig, Katrin Brause, Martin Ziegler und Gerhard Gäbler. „Der Rundgang ist immer wieder eine Augenweide. Ich habe bisher keine Ausstellung verpasst“, schwärmt Besucherin Birgit Zimmermann.

Übrigens: Die Leipziger ­Jahresausstellung ist noch bis zum 11. Juli, dienstags bis samstags von 13 bis 18 Uhr, in der Spinnereistraße 7 zu sehen – bei freiem Eintritt.







Druckansicht