Die Sammlung des Bach-Archivs Leipzig enthält viele Zeugnisse jüdischen Lebens. Sie berichten über die Bach-Begeisterung jüdischer Familien im 18. Jahrhundert, ihre Sammelleidenschaft und Musikpraxis. Sie erzählen von antijüdischen Haltungen und Vorurteilen zur Bach-Zeit oder zeugen von den Verbrechen der Nationalsozialisten. So verdankt das Bach-Archiv der Musikbibliothek Peters einige der wertvollsten Bachiana: Max Abraham (1831–1900), Inhaber des Musikverlags C. F. Peters, stiftete sie 1893. Sein Neffe Henri Hinrichsen (1868–1942) führte die Bibliothek fort und erweiterte sie um wertvolle Bestände. 1942 wurde er im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ermordet. Die Ausstellung stellt wertvolle Autographe und Drucke der „Max Abraham & Henri Hinrichsen Memorial Bach Collection“ vor und berichtet von ihren Provenienzgeschichten.
Die Bücher in Bachs theologischer Bibliothek spiegeln typische Positionen seiner Zeit wider: Während das biblische Judentum des Alten Testaments idealisiert wurde, begegnete man zeitgenössischen Juden mit Vorurteilen und Verachtung. Dass Bach zeitgenössischen Juden skeptisch gegenüberstand, belegen Korrekturen, die er in seiner Bibelausgabe des orthodoxen Lutheraners Abraham Calov vornahm.
Wohlhabende jüdische Familien – vor allem die Vorfahren von Felix Mendelssohn Bartholdy – spielten eine zentrale Rolle für die frühe Verbreitung der Werke Bachs und seiner Söhne. Kaum zwei Jahrzehnte nach Bachs Tod entwickelte sich im Haus des Bankiers Daniel Itzig (1723–1799) ein regelrechter »Bach-Kultus«. Die Ausstellung führt in die Besonderheiten der frühen jüdischen Bach-Rezeption ein und stellt ihre wichtigsten Protagonisten vor.
Temporäre Stationen im Bach-Museum stellen Bezüge zu Themen der Dauerausstellung her – aus jüdischer und christlicher Perspektive: So geht es um den Orgelstreit zwischen orthodoxen und reformorientierten Juden ebenso wie um die Verteidigung der Instrumental- und Orgelmusik im lutherischen Gottesdienst. Ein Ausstellungselement stellt jüdisches Leben und christliche Hebraistik zur Bach-Zeit gegenüber. Auch die Frage, ob Bachs Passionen antijüdisch sind, wird hier behandelt. Hörstücke vermitteln einen Eindruck von erbitterten Konflikten um jüdische Religionsausübung. Eine weitere Hörstation lässt ein Konzert mit jüdischer und christlicher Musik aus dem Jahr 1926 in der großen Gemeindesynagoge Leipzig erklingen. und red./jwDie Ausstellung läuft bis zum 13. Dezember.