Dörfer, die auf Stelzen stehen ...
Das Leben am Tonle Sap in Kambodscha ist geprägtvom Leben auf dem Wasser und uralten Traditionen

Dorfbewohner am Tonle Sap kehren vom Fischen zurück.Foto: Zacharie Scheurer/dpa

Straßen gibt es hier nicht: Stattdessen tuckern bunte Boote zwischen Häusern hindurch, Fischer stehen hüfttief im Wasser und ganze Dörfer scheinen zu schweben – auf meterhohen Stelzen. Eine Bootstour auf dem Tonle Sap entführt Besucher in eine fremde Welt, in der Wasser vollkommen den Alltag und den Takt bestimmt.

Der größte See Südostasiens liegt nur eine Fahrstunde von Siem Reap entfernt. Die Kleinstadt mit internationalem Flughafen ist das Tor zu den weltberühmten Tempeln von Angkor - und gewissermaßen auch das Tor zum Tonle Sap. Hier im Zentrum von Kambodscha lässt sich eine Lebensweise entdecken, die aus der Zeit gefallen scheint – zugleich geht man am Tonle Sap aber auch mit der Zeit: Mehrere der „floating villages“ (schwimmenden Dörfer) sind auf Touristen eingestellt.

Besonders beliebt für einen Tagesausflug sind die Gemeinden Kampong Phluk und Kampong Khleang. Zum typischen Programm gehören Fahrten durch die Dörfer, vorbei an Wohnhäusern, Schulen und Pagoden. Die Kinder lernen hier schon früh den Umgang mit Booten und paddeln am Morgen meist selbstständig zur Schule. Ihre Väter sind größtenteils Fischer. Je nachdem wie das Wasser steht, werfen sie ihre Netze von Booten aus. Oder im Wasser stehend. Der Tonle Sap ist eines der fischreichsten Binnengewässer der Welt und eine wichtige Lebensader für ganz Kambodscha. Das Boot tuckert derweil immer weiter über das braune Wasser, vorbei an Mangroven und Reisfeldern. Nach etwa einer Stunde wird der Blick auf den offenen See frei, der sich wie ein Meer bis zum Horizont ausdehnt. In der Regenzeit von Mai bis Oktober vervielfacht der See seine Größe. Er kann bis zu 250 Kilometer lang und 100 Kilometer breit werden.Auf der Rückfahrt nach der Bootstour kann man am Straßenrand die Verarbeitung der Fische nach einer uralten Technik beobachten: Die Tiere werden nach dem Fang ausgenommen, in Salzlaken eingelegt und später über offenen Holzfeuern langsam geräuchert. Ein würzig-süßer Rauchduft wabert allerorts durch die feuchte Luft. 

Das Räuchern dient nicht nur dem Geschmack, sondern vor allem der Haltbarmachung. Fisch ist die wichtigste Eiweißquelle und sichert einen Großteil der Ernährung der Bevölkerung ab. In lokalen Restaurants können Touristen den geräucherten Fisch in Suppen oder Salaten kosten – ein passender Abschluss für jeden Trip zum Tonle Sap.

Von verschiedenen Metropolen in Südostasien – etwa Bangkok, Singapur oder Kuala Lumpur – gibt es Direktflüge nach Siem Reap. Der See Tonle Sap liegt eine Autostunde von der Kleinstadt entfernt. Am einfachsten ist es, direkt beim Hotel nach Touren zu fragen, die von dort schnell organisiert werden können. Es gibt alternativ zahlreiche Tourenanbieter im Internet. Ein Tagesausflug kann mit einem Besuch des beeindruckenden Khmer-Tempels Beng Mealea aus dem zwölften Jahrhundert verbunden werden. Speziell in der Regenzeit zwischen Mai und Oktober lohnt ein Ausflug: dann erreicht der See seine maximale Ausdehnung und die Stelzenhäuser stehen tief im Wasser. und dpa
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