Es sind die Einladungen Nummer 9 und Nummer 10, die da im Schauspiel eintrudeln und zwar seit Beginn der Intendanz von Enrico Lübbe. Durchaus ein echter Ritterschlag, gilt der Mülheimer Dramatikpreis doch als angesehenster Preis im Bereich Neue Dramatik im Lande. Und der wird vergeben unter jenen sieben bis acht Stücken, die seit 1976 zu den Theatertagen eingeladen werden.
Diesmal sind also „Der Girschkarten“ und die „Aufzeichnungen aus einem weißen Zimmer“ dabei. Ersteres Stück ist ein Auftragswerk des Schauspiel Leipzig von Lukas Rietzschel in der Regie von Enrico Lübbe: Umstellt von zwei Neubausiedlungen steht ein altes Haus in seinem verwilderten Garten. Dort kommt die Familie zusammen, um zu entscheiden, wie es mit Haus und Grundstück weitergeht. Emotionen und Erinnerungen stehen einer neuen Wirklichkeit gegenüber, die zunehmend schwer zu fassen ist. „Der Girschkarten“ ist eine Komödie nach Anton Tschechow über den Wandel der Zeit und den Umgang mit der Realität.
Das Stück von Anna Behringer – auf die Bühne gebracht in der Regie von Thirza Bruncken – handelt von einem Geschwisterpaar, das sich bemüht, in die Welt der Anderen hineinzufinden, sie zu verstehen und sich anzupassen. Welche unausgesprochenen Regeln gelten und warum, ist ihnen oft ein Rätsel. Ihre Aufzeichnungen werden zum Ausgangspunkt einer szenischen Collage über das „Anders-Sein“ und darüber, dass Normalität eine Setzung und zugleich ein Ausschlusskriterium ist. Ach ja – die Termine: „Der Girschkarten“ wird am 22. und 23. Mai in Mülheim aufgeführt; „Aufzeichnungen aus einem weißen Zimmer“ kann man sogar am 12. Mai noch einmal in der Diskothek sehen, ehe das Stück am 24. und 25. Mai in Mülheim gastiert.
Infos:
www.schauspiel-leipzig.de