Das Problem war alt, sehr alt sogar. Die Eisenbahnunterführung, die den Verkehr unter den Gleisen hindurchführte, stammt aus dem Jahr 1866. Über 150 Jahre lang quetschten sich Autos, Fahrräder und Fußgänger durch das schmale Gewölbe. Begegnungsverkehr? Nicht möglich. Für Radfahrer und Fußgänger war die Passage schlicht gefährlich. Ein Nadelöhr mitten in einer wichtigen Verbindungsachse zwischen Grimma Süd und Grimma West.
Nun steht daneben ein moderner Tunnel mit zwei breiten Fahrstreifen – je 3,25 Meter – sowie beidseitigen Notgehwegen. Insgesamt 7,50 Meter Fahrbahn, die klare Verhältnisse schaffen. Kein Zögern, kein Rangieren mehr.
Das Besondere: Die alte Gewölbebrücke wurde nicht einfach abgerissen. Auf Betreiben der Denkmalschutzbehörde bleibt sie erhalten, wurde saniert und dient künftig ausschließlich Fußgängern und Radfahrern als eigene Unterführung. Alt und neu stehen hier buchstäblich nebeneinander.
Gebaut wurde das Projekt in zwei Phasen. Zunächst übernahm die DB InfraGO AG den Neubau der Eisenbahnüberführung – ein Kraftakt für sich. Am 27. August 2025 erlebten Schaulustige einen seltenen Moment: Die fertige Betonkonstruktion wurde mit hydraulischen Pressen auf Gleitlagern innerhalb von nur zwei Stunden um 17 Meter in ihre endgültige Position geschoben. Danach übernahm die Stadt Grimma die Straßen- und Tiefbauarbeiten.
Oberbürgermeister Tino Kießig zog bei der Eröffnung ein positives Fazit: „Die Husarenstraße als wichtige Achse zwischen Grimma Süd und Grimma West ist nun fit für die Zukunft. Ich freue mich, dass wir dieses wichtige Infrastrukturprojekt gemeinsam erfolgreich abschließen konnten.“
Die Gesamtkosten beliefen sich auf 2,9 Millionen Euro. Den Löwenanteil übernahm der Freistaat Sachsen mit 2,1 Millionen Euro Förderung. Die Deutsche Bahn steuerte rund 578 000 Euro bei, die Stadt selbst 244 000 Euro Eigenmittel.