Gedenktafel erinnert an Opfer der Bodenreform
Die Bronzetafel ersetzt eine beschönigende Vorgängertafel und mahnt an Enteignung, Vertreibung und Internierung von rund 1400 Menschen ab 1945

Georg-Ludwig von Breitenbuch (l.) und Dr. Hubertus von Below bei der Enthüllung der neuen Bronzetafel auf Schloss Colditz, die an die Opfer der Bodenreform erinnert.Foto: LK Leipzig
Colditz. Auf Schloss Colditz wurde kürzlich eine neue Bronzetafel zur Erinnerung an die Bodenreform in der sowjetischen Besatzungszone eingeweiht. Sie erinnert an Menschen, die ab Herbst 1945 enteignet, vertrieben oder interniert wurden. Im Zuge der sogenannten demokratischen Bodenreform verloren alle land- und forstwirtschaftlichen Betriebe mit mehr als 100 Hektar (teilweise auch unter 100 Hektar) Nutzfläche entschädigungslos ihren Besitz.

Die meisten der Eigentümer und ihre Familien mussten ihre Heimat verlassen und sich unter schwierigen Bedingungen in fremden Regionen ein neues Leben aufbauen. Einige verhungerten oder verstarben in der Haft, andere konnten fliehen oder wurden weiter deportiert.

Auch auf Schloss Colditz wurden Menschen interniert. Im Oktober und November 1945 wurden hier rund 200 Personen inhaftiert. In einem achttägigen Sammeltransport brachte man diese Menschen unter menschenverachtenden Bedingungen in geschlossenen Viehwaggons auf die Insel Rügen. Insgesamt wurden circa 1400 Personen als Bodenreformopfer verschleppt.

Bereits 2012 hatte der Staatsbetrieb „Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen“, dem Schloss Colditz seit 2003 gehört, eine Gedenktafel anbringen lassen. Die neue Tafel korrigiert die bisherige beschönigende Erinnerungskultur vor Ort und verdeutlicht die zuvor nicht genannte Irreversibilität der durchgeführten Maßnahmen. Nur sehr wenige Familien konnte durch Rückkauf wieder in der sächsischen Heimat Wurzeln schlagen.

An der Einweihung nahmen unter anderem Sachsens Landwirtschaftminister Georg-Ludwig von Breitenbuch, Dr. Hubertus von Below, Landrat Henry Graichen, Colditz’ Bürgermeister Robert Zillmann, Dr. Christian Striefler, der Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsens, die Museumsleiterin Regina Thiede, die Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Dr. Nancy Aris, Pfarrer Ulrich Jasmer und Vertreter des Gymnasiums St. Augustin Grimma teil. Gesprochen haben als Zeitzeugen zudem Dr. Rüdiger Freiherr von Schönberg und der ehemalige Landtagsabgeordnete Wilhelm von Carlowitz. Die Initiatoren wollen an das geschehene Unrecht erinnern und dafür sensibilisieren, dass Enteignung, Vertreibung und Entrechtung sich nicht wiederholen dürfen.

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