Das Herzstück der Veranstaltung ist der große Kunstmarkt, der am 30. und 31. Mai jeweils von 10 bis 18 Uhr seine Tore öffnet. Insgesamt 35 Künstlerinnen und Künstler werden ihre Arbeiten präsentieren. Was als regionales Projekt begann, etabliert sich mittlerweile als internationales Kunstereignis in Wurzen. Neben Kreativen aus zahlreichen deutschen Städten reisen in diesem Jahr Teilnehmende aus Prag, München, Spanien, der Ukraine, Brasilien, Venezuela und Pakistan an.
Zu den besonderen Entdeckungen des diesjährigen Kunstmarktes zählt Franz Gabriel Walther, ein in Halle lebender Künstler, der sich einen Namen gemacht hat mit seinen feinsinnigen Stadtansichten – Meißen, Dresden, Leipzig und vor allem seine Wahlheimat Halle zählen zu seinen bevorzugten Motiven.
Als er zur Teilnahme am Wurzener Kunstmarkt eingeladen wurde, zögerte er zunächst: Würden die Wurzener überhaupt Interesse an Zeichnungen fremder Städte haben? Die Antwort kam in Form eines Angebots, das alles veränderte – ein zweiwöchiger Künstleraufenthalt im Atelier am Badergraben 16. Walther nahm an, und was folgte, war eine echte Begegnung zwischen Künstler und Stadt: Tag für Tag streifte er durch Wurzens Straßen, hielt inne, skizzierte, suchte nach den Perspektiven, die das Wesen einer Stadt verraten. Wurzen wurde zu seiner Muse.
Entstanden ist dabei nicht nur eine Reihe eindrucksvoller Zeichnungen, sondern ein ganzes Ensemble an Werken und Objekten – Postkarten, Kunstdrucke und stimmungsvolle Lichtobjekte, alle mit Wurzener Motiven. Für die Einheimischen ein Spiegel ihrer Stadt in neuen Augen, für Besucher aus anderen Städten ein Grund, Wurzen zu entdecken.
Nicht nur visuell, auch kulinarisch wird Neuland betreten. Erstmals findet an dem Wochenende ein „Kaffee- und Kuchen-Festival“ statt, bei dem die Besuchern eine große Auswahl an Kuchen nach deutschen und internationalen Rezepten probieren können. Ergänzt wird das Angebot durch weitere traditionelle und exotische Desserts – eine gute Gelegenheit, um ins Gespräch zu kommen.
Einen gewissen Kontrast zum bunten Markttreiben bildet die Einzelausstellung „Der Entzug des Blicks“ des Künstlers Esteban Velázquez von Wilhelm. Unter der fachkundigen Leitung von Kuratorin Ingrid Leps werden hier erstmals Werke der Öffentlichkeit präsentiert, die vollständig in seiner Dunkelkammer entstanden sind. Die Ausstellung ist mehr als nur eine Werkschau: Sie markiert einen entscheidenden Wendepunkt in von Wilhelms malerischem Schaffen in Deutschland. „Die ungewöhnliche Entstehungsweise seiner Bilder offenbart auf eine sehr eindringliche Art völlig neue Aspekte meiner psychologischen Welt“, sagt er.