Versucht man, Naturheilkunde und Sachsen in einem Wort zusammenzufassen, fällt häufig Homöopathie. Die alternativmedizinische Lehre des Meißners Samuel Hahnemann beruht auf der Ähnlichkeitsregel und der Behauptung energetischer Information. Die Wirksamkeit der sogenannten Globuli konnte nie nachgewiesen werden. Wenn sie dennoch wirken, hat das mit dem viel beschworenen Placebo-Effekt zu tun. Hahnemanns Homöopathie-Lehre und Naturheilkunde sind nicht synonym. Phytotherapie beruht nicht nur auf zuweilen Jahrtausende altem Kräuterwissen, sondern häufig auf biologisch messbaren Wirkmechanismen. Und nicht nur Homöopathie hat ihre Wurzeln in Sachsen.
Im ausgehenden 19. Jahrhundert war die Lebensreform-Bewegung hierzulande „in“. Das lag u. a. an der Industrialisierung. Sachsen profitierte nach 1871 besonders vom Aufschwung im neu gegründeten Deutschen Reich. Es war das Land mit der höchsten Dichte moderner Industrie: Als Reaktion auf die dampfkeuchende Industrialisierung suchten die Menschen Rückzug in der Natur.
In Radebeul entwickelte Friedrich Eduard Bilz seine Naturheilverfahren, die in den 1920er Jahren zum Renner in Europa wurden. Sein Buch „Bilz, das neue Heilverfahren, ein Nachschlagebuch für Jedermann in gesunden und kranken Tagen“ wurde bis 1925 2,5 Millionen Mal verkauft.
Aus Dresden trat 1892 das Odol-Mundwasser seinen Siegeszug an. Der Unternehmer Karl August Lingner investierte hier eine Menge Geld und viel Herzblut in medizinische Themen. In diese Reihe passt ebenso Johann Heinrich Lahmann. Er kam aus Norddeutschland nach Sachsen, war Arzt und eröffnete 1888 ein Sanatorium auf dem Weißen Hirsch in Dresden. Hier setzte er auf Wasserkuren und Bewegung – und zudem auf das, was wir heute vegetarische Ernährung nennen.
Auch die 1904 in Freital gegründeten Bombastus-Werke gliedern sich in die Riege naturmedizinischer Akteure ein. Seit 1914 ist Bombastus europaweit der einzige Betrieb, der mehrjährigen Salbei anbaut und von der Wurzel bis zur Blüte verarbeitet.
Und heute? Legt moderne Wissenschaft in Sachsen den Grundstein für Innovation. Seit dem Start der Biotechnologie-Offensive vor einem Vierteljahrhundert hat der Freistaat Sachsen mehr als eine Milliarde Euro in Forschung und Unternehmen investiert und sich zu einem der führenden Standorte für Life Sciences in Deutschland entwickelt: Mit über 15 000 Beschäftigten in den Kernbereichen Biotechnologie, Pharma und Medizintechnik gilt die Branche als entscheidende Triebfeder. und vda