Ganz in Orange unterwegs
Hunderte Besucher strömten zur Autobahnmeisterei Döbeln-Gadewitz.Der Standort ist für 76 Kilometer Autobahn zuständig, aber bei weitem nicht nur für die Fahrbahnen.

Lisa Ann Kurtze arbeitet seit 2012 bei der Autobahnmeisterei Döbeln und ist dort bislang die einzige Straßenwärterin. Foto: Sven Bartsch
Döbeln. Die Autobahn-Gesellschaft des Bundes hatte im fünften Jahr ihres Bestehens zum Tag der Autobahn eingeladen. In der Niederlassung Ost – der größten Niederlassung, die für die Autobahnen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zuständig ist – öffnete die Döbelner Autobahnmeisterei in Gadewitz ihre To re.

„Wir wollen zeigen, was alles gemacht werden muss, damit der Verkehr sicher auf den Autobahnen rollen kann“, sagt Julia Grotjahn, Pressereferentin der Autobahn GmbH. Das interessierte hunderte Menschen, die auf den Hof des erst umfassend modernisierten Straßenbetriebes strömten und dort viel zu sehen bekamen.

Für 76 Kilometer der A4 und der A14, von Hainichen bis kurz hinter das Nossener Dreieck und von dort bis Grimma, sind die 31 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Döbeln verantwortlich. Dabei geht es nicht nur um die Fahrbahnen, sondern auch um Schutzeinrichtungen, Wildschutzzäune, Anschlussstellen, Park- und Rastanlagen, Regenrückhaltebecken, Brücken, Verkehrszeichen...

Die Beschäftigten in Orange leisten bauliche Unterhaltung, Grünpflege, sie warten die Straßenausstattung, reinigen und natürlich streuen sie Salz und schieben Schnee im Winter. Darunter sind Arbeiten, die nicht sein müssten, wenn sich alle vernünftig benehmen würden: „Pro Woche füllen unsere Leute einen 20 Tonnen fassenden Presscontainer mit Müll von der Autobahn. Einen Großteil davon sammeln sie per Hand auf“, verrät Stefan Reich, Autobahnmeister und damit Betriebsleiter in Döbeln-Gadewitz.

Gar nicht hinterher kommen die Straßenwärter beim Beseitigen von Schmierereien und Aufklebern, die sie oft sogenannten Fußballfans zu verdanken haben. Das Problem, so Grotjahn: „Reinigen wir ein Schild oder eine Brücke, können sie zwei Tage später schon wieder beschmiert sein.“ Um das wenigstens an den Toilettenhäuschen von Parkplatzanlagen einzuschränken, gestalten Künstler die Wände mit bunten Motiven, die dann mit einem Graffitischutz versehen werden, wie Stefan Reich berichtet. Zu sehen sind solche Bilder zum Beispiel am Steinberg bei Nossen, Hansens Holz bei Roßwein oder am Mühlenberg bei Leisnig.

Gerufen werden die Straßenwärter auch zu Unfällen, durchschnittlich 280 im Jahr. Sie helfen dann beim Absperren oder wenn Betriebsmittel ausgelaufen sind. Es gibt auch kuriose Einsätze: „Erst kürzlich hat ein Motorradfahrer auf der A4 zwischen Chemnitz und Nossen seinen Motorradschlüssel verloren. Keiner weiß, wie das überhaupt möglich war. Oder die Dachbox vom Urlauberauto öffnet sich und der Inhalt verteilt sich auf der Autobahn“, nennt Stefan Reich zwei Beispiele.

Streusalz für den bevorstehenden Winter ist schon eingelagert - 3500 Tonnen. Der Verbrauch ist je nach Witterung sehr unterschiedlich. Waren für den Winterdienst 2012/13 rund 8200 Tonnen Streusalz benötigt worden, waren für 2019/20 nicht mal 400 Tonnen erforderlich.

Lisa Ann Kurtze ist bislang die einzige Frau im Döbelner Straßenwärter-Team. Die junge Riesaerin hatte eigentlich Mediengestalterin gelernt, sich aber dann nach einem anderen Job umgesehen. Als ihr Vater Peer, selbst Straßenwärter, der Tochter erklären wollte, dass sein Beruf für sie zu schwer sei, war der Ehrgeiz von Lisa Ann erst recht entfacht. Seit 2012 ist sie Straßenwärterin und sitzt nun manchmal bei Mäharbeiten mit dem Vater gemeinsam auf dem „Bock“. Möglicherweise bekommt sie bald weibliche Verstärkung. Fürs nächste Ausbildungsjahr an der Döbelner Meisterei gibt es auch zwei Bewerberinnen.

„Die Arbeit auf der Autobahn macht mir nach wie vor viel Spaß. Wenn man Kinder hat, achtet man aber noch mehr auf die eigene Sicherheit“, sagt Lisa Ann Kurtze. Dazu ihr Chef Stefan Reich: „Es gibt strenge Vorschriften. Wenn wir Baustellen haben, steht der erste Vorwarner 800 Meter davor. Und trotzdem gibt es Fälle, wo Autofahrer das nicht beachten.“ und Olaf Büchel
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