„Früher mussten die Unternehmen auch Aufträge in ferneren Regionen annehmen, um ihre Kapazitäten auszulasten und wirtschaftlich zu überleben – Stichwort Montage. Heute ist das immer seltener der Fall“, betonte Andreas Brzezinski, Sprecher des Geschäftsführerkollegiums des Sächsischen Handwerkstages. Nur noch 4,5 Prozent der Umsätze im Gesamthandwerk würden in einem Umkreis ab 150 Kilometern und mehr erlöst.
Im Werben um Fachkräfte sei das ein Vorteil für die Betriebe, machte Brzezinski geltend. „Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie spielt im Handwerk eine zunehmend wichtige Rolle. Da ist es positiv, wenn man wegen der Montagearbeit nicht eine Woche von zu Hause getrennt ist.“
Nach Angaben des Handwerkstages gab es in den vergangenen Jahren auch eine Verschiebung bei der Umsatzverteilung. Hauptabnehmer von handwerklichen Leistungen sind demnach private Auftraggeber, mit denen die Betriebe im Jahr 2025 gut 61 Prozent ihrer Umsätze erzielten. 2013 waren es nur 40,6 Prozent. Öffentliche Auftraggeber haben weiter an Boden verloren. Ihr Anteil liegt aktuell bei nur 7,4 Prozent (2013: 13,8 Prozent).
„Das ist auch ein Ergebnis einer fehlgeleiteten Vergabepolitik der öffentlichen Hand, wo fast immer der billigste Anbieter den Auftrag erhalten hat. Das hat die Unternehmen mürbe gemacht“, kommentierte Brzezinski die Zahlen. Besonders in ländlichen Regionen, die vor großen demografischen Herausforderungen stünden, wirke sich die Verschiebung in Richtung Privatkunden nachteilig aus.