111 Plätze gibt es derzeit in der städtischen Einrichtung. Die Bewohner müssen gepflegt und betreut werden, möchten gut essen, ihren Alltag möglichst selbst bestimmen, Besuch empfangen, feiern oder einfach jemanden zum Reden haben. Rund 80 Mitarbeiter sorgen rund um die Uhr dafür, dass all das funktioniert.
Seit diesem Jahr steht Tobias Schnecke an der Spitze des Hauses. Der gebürtige Chemnitzer bringt langjährige Erfahrung aus der stationären Pflege mit. Was ihn an Technitz reizt, ist die überschaubare Struktur. Das Seniorenhaus ist eine gemeinnützige GmbH in hundertprozentiger Trägerschaft der Stadt Döbeln. Drei Mitarbeiter kümmern sich um die Verwaltung. „Wir sind eine kleine Einheit und können flexibel reagieren“, sagt Schnecke. Vieles erledige er selbst.
Dabei verändere sich die Pflege ständig. Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen werde in den kommenden Jahren weiter steigen. Zugleich zögen Kinder und Enkel gerade aus ländlichen Regionen häufig weg. Das Durchschnittsalter der Bewohner am Südhang liegt heute bei etwa 83 Jahren. Die Zahl der Männer nimmt zu. Hinzu kommt ein wachsender Betreuungsbedarf, etwa bei Menschen mit Demenz.
Bei der Pflege setzt das Haus möglichst auf Kontinuität. Bewohner sollen, soweit es der Dienstplan zulässt, vertraute Mitarbeiter um sich haben. Wer einander kennt, weiß um Gewohnheiten und Eigenheiten und kann besser aufeinander eingehen. Das Durchschnittsalter der Belegschaft liegt bei etwas über 40 Jahren. Sehr viele von ihnen sind langjährige Mitarbeiter. Vier neue Stellen sind momentan ausgeschrieben. Zudem bildet das Seniorenhaus selbst aus und arbeitet mit Pflegeschulen zusammen.
„Die beruflichen Wege in die Pflege haben sich grundsätzlich verändert“, sagt Schnecke. Mit der generalistischen Ausbildung zum Pflegefachmann beziehungsweise zur Pflegefachfrau stünden Absolventen heute unterschiedliche Bereiche offen. Auch Pflegehelfer werden gebraucht, ebenso gewinnt die Pflegefachassistenz als Qualifikation zwischen Helfer und Fachkraft an Bedeutung. Der Beruf sei anspruchsvoll, biete aber sichere Perspektiven und wohnortnahe Arbeitsmöglichkeiten. Vor allem brauche es Mitarbeiter, die gern mit Menschen arbeiten und gut kommunizieren können. „Dieser Beruf wird auch künftig nicht durch KI ersetzt werden können“, sagt Schnecke.
Potenzial sieht er bei Menschen, die nicht klassisch in Vollzeit arbeiten wollen. Kürzere Arbeitszeiten, geringfügige Beschäftigungen oder Einsätze zu bestimmten Tageszeiten machten die Personalplanung flexibler. Auch ältere Arbeitnehmer oder Menschen im Ruhestand könnten sich einbringen, nicht zuletzt im Ehrenamt. Der Seniorenhausleiter: „Wer mag, kann anrufen. Dann können wir uns über Einsatzmöglichkeiten unterhalten.“
Bei allem solle eines nicht verloren gehen: Ein Pflegeheim ist das Zuhause seiner Bewohner. Schnecke beschreibt das Prinzip beinahe als „Wohnen mit Pflegeleistung“. Wer hier einzieht, gibt seine Selbstständigkeit nicht an der Eingangstür ab. Bewohner können kommen und gehen, Besuch empfangen und über Bewohnervertretung und Heimbeirat ihre Interessen einbringen.
Auch der Alltag soll nicht nur aus Pflege bestehen. Die einzelnen Wohnbereiche gestalten Veranstaltungen, Gottesdienste und Feste. Die hauseigene Küche bereitet täglich die Mahlzeiten zu. Die Cafeteria steht auch Gästen offen und soll bewusst die Atmosphäre eines Cafés vermitteln. All das geschieht an einem traditionsreichen Ort. Teile des Gebäudekomplexes sind mehr als 100 Jahre alt und hatten schon früh eine soziale Funktion. Einst bot die Einrichtung mehr als 170 Menschen Platz. Nach der Sanierung wurde die Zahl deutlich reduziert. Heute gibt es helle Einzel- und Doppelzimmer, Balkone und Terrassen sowie eine parkähnliche Anlage mit Blick über die Landschaft. Am Ende geht es bei all dieser Logistik um etwas Einfaches: dass Bewohner auch dann ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen können, wenn sie auf die Hilfe anderer angewiesen sind. und E. Walter-Koch