Auch in Döbeln gibt es Kinder, die über Hunger klagen und soziale Angebote nutzen, um satt zu werden. Das Phänomen „Hunger“ findet sich meist versteckt im Alltag in Form fehlender warmer Mahlzeiten oder weil die Eltern ihnen morgens kein Frühstück zubereiten oder mitgeben. Die Wappenhenschstiftung der Stadt Döbeln unterstützt deshalb in diesem Jahr zwei Projekte finanziell, die sich diesem Thema angenommen haben. Unlängstwurden dafür die Spendenschecks überreicht.
An der Oberschule Am Holländer in Döbeln-Nord haben Lehrerinnen und Lehrer immer wieder Schülerinnen und Schüler beobachtet, die in der Frühstückspause hungrig zuschauen, während andere Kinder ihre Brotdosen öffnen. „Seit vergangenem Schuljahr haben wir ein Frühstücksangebot für sozial benachteiligte Schülerinnen und Schüler gestartet. Das wollen wir im neuen Schuljahr gern fortsetzen“, sagt Oberschullehrer Jan Vatter. Gemeinsam mit Manuela Roscher und Silke Lormis vom Förderverein der Oberschule wurden knapp 6000 Euro bei der Wappenhenschstiftung beantragt und genehmigt.
So können auch im neuen Schuljahr wieder zweimal pro Woche in der Schulküche frisches Obst aufgeschnitten, belegte Brote zubereitet und Milchgetränke ausgegeben werden. „Das Geld reicht für die Zutaten und für eine kleine Aufwandsentschädigung für eine arbeitssuchende Frau, die sich um das Angebot kümmert“, erklärt Manuela Roscher. Sie ist Elternvertreterin und Vorsitzende des Schulfördervereins. 40 bis 50 Kinder der Oberschule Am Holländer nutzten im vergangenen Schuljahr das Angebot. Damit kein Kind stigmatisiert wird, können alle das Frühstücksangebot mitnutzen.
Hungrige Kinder - damit hat auch Sina Muva, Leiterin des Jumpers-Kinder- und Jugendtreffs im Wohngebiet Döbeln-Nord, zu tun. Gerade in den Ferien, wo der Treff im offenen Angebot ein Mittagessen anbietet, kommen einige Kinder vor allem wegen der warmen Mahlzeit. Bei der Wappenhenschstiftung hat Jumpers 2500 Euro für das Projekt „Ma(h)l-Zeit“ beantragt und bewilligt bekommen. In dem bietet der Treff von montags bis freitags um 15 Uhr Kindern eine kostenlose Snackzeit an. Einmal in der Woche wird zudem gemeinsam gekocht oder gebacken. Die gesunden Zutaten werden zuvor gemeinsam mit den Kindern geplant und nach einem Budget gemeinsam in einem Markt in Döbeln-Nord eingekauft.
20 bis 25 Kinder nutzen das Angebot regelmäßig. „Einige Kinder kommen nachmittags nach der Schule zu uns und haben Hunger. Der Nachmittagssnack bei uns ist ihre erste Mahlzeit am Tag“, sagt Sina Muva. Besonders zum Monatsende werde es in einigen Familien schmal im Geldbeutel und leer im Kühlschrank. Dann müsse manches Kind mit einer Scheibe Toast über den Tag kommen. Es gebe zwar in vielen Familien Betreuung. Doch scheinbar fehle die Hilfe dabei, das schmale Einkommen entsprechend einzuteilen, um einigermaßen über den Monat zu kommen.
Auch Dagmar Dettke von der Döbelner Förderschule Am Schlossberg kennt diese Themen. „Wir schlagen mit unserem Hauswirtschaftsunterricht eine Brücke und machen Kinder so gut es geht satt.“
Für ihre Schule hat sie bei der Wappenhenschstiftung knapp 500 Euro für ein Projekt zur Gewaltvorbeugung beantragt. „Es geht darum, wie Kinder miteinander umgehen und Aggressionen im Griff haben“, erklärt die Schulleiterin. „Besonders in den Jahrgängen, die in den Corona-Jahren 2020 bis 2022 eingeschult wurden, haben wir durch die Zeiten des Homeschoolings heute massive Probleme mit Bindungs- und Konfliktlösungsfähigkeit. Es fehlen einfach soziale Kompetenzen, die in den ersten beiden Schuljahren gebildet werden“, so Dagmar Dettke. Mit dem von Fachleuten angeleiteten Projekt „Richtiges Verhalten bei Gewalt“ will die Schule gegensteuern.
1110 Euro für neue Fußbälle bekommen die rund 70 Fußballkinder der E- und F-Jugend beim Döbelner SC. „Wir versuchen Mannschaftsgeist, sportliche Kameradschaft und ein gutes Miteinander zu vermitteln. Im Team werden Siege gefeiert, aber auch der Umgang mit Niederlagen gelernt“, sagt Patrick Fichtelmann vom DSC.und Th und omas Sparrer